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Zahlungsdienstleister Bilanzskandal bei Wirecard: Regierung hatte trotz Ungereimtheiten kaum Kontakt zum Konzern

Trotz Hinweisen auf Betrügereien gab es kaum Kontakt der Regierung zu Wirecard-Managern. Für SPD-Chef Walter-Borjans liegt die Schuld bei den Wirtschaftsprüfern.
03.07.2020 - 06:57 Uhr 1 Kommentar
Der Plenarsaal des Deutschen Bundestages bei der 170. Sitzung während der aktuellen Stunde. Quelle: dpa
Das Parlament diskutiert über den Wirecard-Skandal

Der Plenarsaal des Deutschen Bundestages bei der 170. Sitzung während der aktuellen Stunde.

(Foto: dpa)

Berlin Wirecard galt lange als Vorzeigeunternehmen. Endlich tauchte ein neuer Stern in der deutschen Unternehmenslandschaft auf. Endlich eine Firma, die in einem Zukunftsmarkt vorne dran war und sogar in den Dax aufgenommen wurde.

Doch obwohl Wirecard als aufstrebendes Starunternehmen galt, und obwohl es auch schon seit längerer Zeit Berichte über mögliche Ungereimtheiten in der Wirecard-Bilanz gab, pflegten Vertreter der Bundesregierung überraschend wenig Kontakt zu Wirecard-Managern. Dies geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Der Aufstellung zufolge traf sich einzig Finanzstaatssekretär Jörg Kukies (SPD) am 5. November 2019 mit dem inzwischen zurückgetretenen Wirecard-Chef Markus Braun zu einem persönlichen Gespräch. Außerdem nahmen Kukies und Braun im September 2019 an einer gemeinsamen Diskussionsrunde zur Rolle Europas bei Finanzinnovationen teil.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mit Braun lediglich in einer Videokonferenz zur Vorstellung der Corona-Warn-App am 10. Juni diesen Jahres Kontakt. Überdies besuchte Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) Wirecard im Rahmen einer Betriebsbesichtigung, bei der auch Braun anwesend war.

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    Darüber hinaus nahm Braun im November 2018 an einer kleineren Diskussionsrunde mit 20 bis 25 Personen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) teil. Außerdem saß ein Wirecard-Vertreter im Publikum, als Altmaier im Februar 2019 eine Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz hielt.

    „Die Bundesregierung scheint sich zu keinem Zeitpunkt mit den kritischen Berichten über die Wirecard AG beschäftigt zu haben. Wenn Regierungsmitglieder mit Wirecard Kontakt hatten, dann waren das offenbar immer PR-Termine“, sagt Grünen-Politiker Danyal Bayaz.

    Trotz Vorwürfe gegen Dax-Konzern, kein Erklärungsbedarf

    Während es laufend Treffen mit Automobilkonzernen und Großbanken mit der Bundesregierung gegeben habe, sei nicht einmal Kontakt zu Wirecard gesucht worden, als die Finanzaufsicht Bafin Journalisten der Financial Times angezeigt hatte, weil sie den Kurs der Wirecard Aktie manipuliert haben sollen, moniert Bayaz. „Die Bundesregierung hätte sehr viel früher Erklärungen für die unzähligen Vorwürfe gegen den Dax-Konzern verlangen müssen. So hätte das Desaster für Anleger, Mitarbeiter und den Finanzplatz Deutschland unter Umständen verhindert werden können.“

    SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sieht die Probleme im Wirecard-Skandal nicht bei der Politik sondern bei der Finanzaufsicht und den Wirtschaftsprüfern. „Die Finanzaufsicht muss innovativer und schlagkräftiger werden. Eine Reform wie sie Olaf Scholz angekündigt hat, muss allen Hinweisen auf Ungereimtheiten nachgehen“, sagte Walter-Borjans dem Handelsblatt.

    Konsequenzen forderte der SPD-Chef auch für die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die im Wirecard-Skandal versagt hätten. „Wir benötigen eine von den Big Four tatsächlich unabhängige Kontrolle. Die EU-Kommission hat schon 2011 Vorschläge gemacht.“

    Walter-Borjans kritisiert Prüfsystem

    Als „Big Four“ werden die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, KPMG, EY und PwC bezeichnet. Die EU-Kommission hatte als Lehre aus der Finanzkrise von 2008 Vorschläge unterbreitet, die die Qualität der Abschlussprüfung verbessern, Interessenskonflikte beseitigen, die Unabhängigkeit der Prüfer garantieren und für mehr Vielfalt in einem stark konzentrierten Markt sorgen sollten.

    Laut Walter-Borjans bestehen aber viele Probleme unvermindert fort, nicht nur bei den Wirtschaftsprüfern. Der Skandal bei Wirecard lege „schonungslos offen, dass das Prüfsystem in Deutschland mit der Entwicklung der Finanzkriminalität schon lange nicht mehr Schritt hält und deshalb versagt hat“, so Walter-Borjans. Angefangen von der deutschen „Bilanzpolizei“ DPR bis hin zu den großen vier Wirtschaftsprüferkonzernen. „Auch die 2016 eingerichtete Prüfer-Aufsichtsstelle Apas, in der die einstigen Wirtschaftsprüfer der Big Four sitzen, hat diese Aufgabe nicht erfüllt“, kritisierte Walter-Borjans.

    Deutschlands Rang als „Geldwäsche-Paradies und Tummelplatz für Finanzakrobaten“ schade nicht nur dem Image als Finanzplatz. „Er verursacht auch Schaden in Milliardenhöhe.“

    Mehr: Fiskus profitierte von Wirecard – Anleger bleiben wohl auf Verlusten sitzen.

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    1 Kommentar zu "Zahlungsdienstleister: Bilanzskandal bei Wirecard: Regierung hatte trotz Ungereimtheiten kaum Kontakt zum Konzern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • interessanter Artikel aber nachdem man die Firma hat absaufen lassen (egal wer wo was falsch gemacht hat) ist das Thema Fintech in Deutschland durch - jetzt gibt es nur noch eine "Verwertung der Insolvenzmasse".
      Das Thema Fintech werden die anderen Player übernehmen - es gab ja auch kein Interesse politisch bei Wirecard einzugreifen weil das Management selbst Fehler gemacht hat.
      Wir wollen bitte auch keine Digitalisierungsapelle aus der Politik mehr hören - wie im Artikel richtig geschrieben sitzt die Politik sowieso lieber mit der old economy an einem Tisch,

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