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Ausbildung

Eine Auszubildende zum Schweißer bearbeitet in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall.

(Foto: dpa)

Zu wenig Geld, mangelnde Betreuung Schlechte Ausbildungsbedingungen – DGB macht Betriebe für Fachkräftemangel verantwortlich

Drei von zehn Azubis sind unzufrieden mit ihrer Lehre – weil sie wenig verdienen, Überstunden machen müssen oder schlecht betreut werden.
03.09.2018 - 12:45 Uhr Kommentieren

Berlin Drei von zehn Azubis sind unzufrieden in ihrer Ausbildung: Sie klagen über schlechte Betreuung, zu wenig Geld, Überstunden oder die Forderung nach ständiger Erreichbarkeit. Mehr als ein Drittel muss regelmäßig Überstunden leisten – 13 Prozent davon bekommen dafür nicht mal Bezahlung oder Freizeitausgleich. Das ist das Ergebnis des 13. Ausbildungsreports des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Sicher: Die große Masse von 70 Prozent ist mit ihrer Lehre zufrieden – das ist allerdings der niedrigste Wert, den der DGB je gemessen hat. Besonders unzufrieden sind demnach angehende Hotelfachleute, zahnmedizinische Fachangestellte, Einzelhändler, Tischler und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk.

Ein wenig gebessert hat sich die Situation bei den angehenden Köchen, in einem Beruf, in dem traditionell viele Azubis über ihre Arbeits- und Lernbedingungen klagen. Besonders zufrieden sind die Lehrlinge, die eine Ausbildung zu Verwaltungsfachangestellten, Mechatronikern, Industriemechanikern und Elektronikern für Betriebstechnik machen.

49.000 Lehrstellen unbesetzt

DGB-Vizin Elke Hannack sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen, Unzufriedenheit und dem Fachkräftemangel in bestimmten Berufen: „Da, wo der Fachkräftemangel am höchsten ist, herrschen nach unserem Ausbildungsreport die schlechtesten Arbeitsbedingungen“, sagte sie bei der Vorstellung der Umfrage, an der 15.000 Azubis teilnahmen.

2017 blieb die Rekordzahl von fast 49.000 Lehrstellen unbesetzt – vielfach in Berufen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Einzelhandel oder in Handwerksberufen wie Metzger oder Bäcker.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, sagte, der Mangel an Azubis habe schon jetzt die Situation in den Betrieben verbessert. „Die Unternehmen wissen genau, dass sie nur mit qualitativ hochwertigen Angeboten punkten können. Daher bieten sie zum Teil höhere Vergütungen als in der Branche üblich, sie geben Nachhilfe für Schwächere oder werben mit Zusatzqualifikationen und Auslandsaufenthalten für Leistungsstärkere“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Situation zu Beginn des Ausbildungsjahres sei besser denn je, in vielen Branchen und Berufen seien noch Tausende Lehrstellen unbesetzt.

Der DGB will jedoch die Arbeitsbedingungen der Azubis auch zum Thema in den anstehenden Verhandlungen für eine Fortführung der Allianz für Ausbildung mit Arbeitgebern, Bundesregierung und den Kultusministern machen. Es könne nicht sein, dass nicht einmal mehr jeder fünfte Betrieb ausbildet – und „fertige Azubis dann von anderen weggekauft werden“, so Hannack.

Dem DGB schweben Umlagefinanzierungen der Ausbildung wie branchenspezifische Fonds vor – das Wort „Ausbildungsplatzabgabe“, mit der einst SPD-Chef Franz Müntefering der Wirtschaft drohte, will Hannack jedoch nicht mehr verwenden. Münteferings Plan hatte 2014 zur Gründung des Ausbildungspaktes geführt, der dann in der Allianz weitergeführt wurde.

Zudem fordern die Gewerkschaften einen Azubi-Mindestlohn von 635 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr, das sind nach DGB-Angaben 80 Prozent des Durchschnitts der tariflichen Ausbildungsvergütungen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat angekündigt, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mindestvergütung auf jeden Fall einzuführen – die Höhe ist jedoch bisher umstritten. Bei einem Mindestlohn von 635 Euro müsste rund die Hälfte der Handwerker und ein Viertel der Betriebe in Industrie und Handel ihren Lehrlingen mehr zahlen als heute.

Groß ist die Kluft im Streit darüber, ob es nun zu viel oder zu wenig Bewerber für Lehrstellen gibt. Die Wirtschaft verweist auf die Rekordzahl von 49.000 unbesetzten Plätzen im vergangenen Jahr. Der DGB hält dagegen, dass nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) 80.000 leer ausgingen.

Zudem befinden sich noch immer rund 290.000 Schulabgänger in den zahlreichen „Übergangsmaßnahmen“, von denen nach Definition der BA zumindest 90 Prozent ausbildungsreif seien. „Und den Kriterienkatalog haben die Arbeitgeber mitformuliert“, so Hannack. Viele Arbeitgeber seien oft schlicht zu anspruchsvoll. „Beenden Sie Ihre Bestenauslese“, appellierte die DGB-Vizin daher an die Betriebe.

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