Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Leipziger „Spinnerei“ „Mich ödet es an, Erfolg nur in Euro zu messen“

Die „Spinnerei“ ist für die Besitzer um Bertram Schultze keine reine Liebhaberei: Die Leipziger Fabrik der Künste – Heimat berühmter Maler wie Neo Rauch – muss sich auch rechnen. Im Mittelpunkt steht aber das Kreative.
4 Kommentare
Bertram Schultze hat aus der alten Baumwollspinnerei die „Spinnerei“. Quelle: Christoph Busse für Handelsblatt

Bertram Schultze hat aus der alten Baumwollspinnerei die „Spinnerei“.

(Foto: Christoph Busse für Handelsblatt)

LeipzigPiependorf hat die Gegend um die Baumwollspinnerei früher geheißen. Ein Arbeiterviertel, in dem es gelegentlich rau zuging. Am Freitag vor allem, wenn die Arbeiter aus der Textilfabrik im Leipziger Stadtteil den Inhalt ihrer Lohntüten in Bier und Schnaps ummünzten, um die Anstrengungen der hinter ihnen liegenden Arbeitswoche in den umliegenden Plagwitzer Schenken herunter zu spülen.

Bertram Schultze ist 1994 erstmals hierhergekommen. Ein Nürnberger im Leipzig der frühen Nachwendejahre. „Wer damals nach Plagwitz ging, erntete nur Kopfschütteln“, erinnert sich der heute 44-Jährige. „Da werden die Kinder im Alkohol geboren – das war eine gängige Redensart.“ Dabei war damals von Leipzigs einstiger industrieller Herrlichkeit und dem proletarischen Elend nicht mehr viel geblieben. Der Arbeiter- und Bauernstaat hatte nur ein paar traurige Reste hinterlassen, die dem Sturm der Marktwirtschaft nicht lange standhielten.


In der Baumwollspinnerei war die Produktion auf die Herstellung von Reifencord, einem Vorprodukt für Reifen, zusammengeschnurrt. Die vom neuen westdeutschen Besitzer eingesetzte Verwalterin vermiete Teile der leerstehenden Hallen aus der Gründerzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts für kleines Geld an junge Künstler und Werkstätten. „Das waren göttliche Verhältnisse“, erzählt der kräftige Mann mit den kurzen blonden Haaren. Er mietete sich ein und hatte hier bis 1997 eine Werkstatt für Möbeldesign. Ein Paradies für Kreative, die die alten Gemäuer mit neuem Leben füllten.

Schultze hat dieses Paradies bis heute erhalten. Hat aus der alten Baumwollspinnerei die „Spinnerei“ gemacht. Aus dem Areal mit 90.000 Quadratmetern ist eine Fabrik der Künste geworden. Die Heimat der Neuen Leipziger Schule, aus der weltbekannte Maler wie Neo Rauch hervorgegangen sind, die Sammler und Kunstinteressierte in das alte Leipziger Industrieviertel locken. Ein Aushängeschild der neuen sächsischen Kulturmetropole.

Unternehmerischer Mut wird belohnt
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Leipziger „Spinnerei“ - „Mich ödet es an, Erfolg nur in Euro zu messen“

4 Kommentare zu "Leipziger „Spinnerei“: „Mich ödet es an, Erfolg nur in Euro zu messen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich finde auch, dass es schlimm ist, wenn man nur in EURO denkt. Es wird Zeit, dass diesen Unternehmen für seine Produkte in Zukunft mit einem lieben Wort und einem netten Händedruck entlohnt werden sollte.

    Soviel Lob es nur geht, aber bitte keine Euro.

  • Ach mein Leipzig lob ich mir, es ist KEIN "klein Paris"...! Den Schuh zieht sich dafür Dresden an mit aufdringlich nachgeäffter Szenekultur und Bieropernbällen welche dann peinlich promotet werden vom MDR. Leipzig weiß zudem besser wo es seinen morbiden Charme geschickt zur Wirkung kommen lässt. Es entwickelt sich interessanter durch seine experimentierfreudigen alten und neuen Bewohner, macht nicht soviel auf "Freistaat Gedöns" wie die Landeshauptstadt, die dann doch nur Trends kommentiert anstatt welche zu setzen. Leipzig schminkt sich nicht zu aufdringlich, macht aus weniger mehr, einfach weil es die "bessere Figur" hat. Leipzig macht eher auf "JAZZ" und riskiert auch mal damit die Leute zu vergraulen. Dresden setzt auf SCHLAGER und geht auf Nummer Sicher.

    Herr Pauls aus der Robert Schumann Stadt Zwickau

  • Alles muss sich rechnen!
    Immer diese Künstler, die glauben, auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung leben können. Die sollen sich nicht immer auf ihrer "immateriellen" Werte zurück ziehen. Die sollen ihre "Künste" am Markt anbieten, dann sehen sie, was die malochende Bevölkerung bereit ist dafür zu bezahlen.

  • Spannende Story und klasse Artikel! Ich kannte die Spinnerei in Leipzig nicht, es freut mich, dass es sowas gibt!

Serviceangebote