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Zum Tod von Klaus Kinkel Machtspiele waren nie Kinkels Sache

Klaus Kinkel war BND-Chef, Außenminister und FDP-Chef. Jetzt ist er mit 82 Jahren gestorben. Sein Weg war eng verbunden mit dem von Hans-Dietrich Genscher.
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Der frühere Außenminister bei einer Buch-Vorstellung in Berlin im Jahr 2014.
Klaus Kinkel

Der frühere Außenminister bei einer Buch-Vorstellung in Berlin im Jahr 2014.

BerlinEines der letzten Telefonate, das ich mit Klaus Kinkel geführt habe, war am 31. März 2016. Es war der Todestag von Hans-Dietrich Genscher. Kinkel war damals zu dessen Witwe nach Bonn geeilt, um ihr als enger Freund der Familie beizustehen.

Die Worte, die er gut zwei Wochen später beim Staatsakt für seinen Vorgänger im Amt des Bundesaußenministers fand, waren bewegend. Genscher habe sich zuletzt Sorgen um Europa gemacht habe, sagte Kinkel im vollbesetzten ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn.

Am Montag ist Klaus Kinkel im Alter von 82 Jahren nun ebenfalls gestorben.

Die Sorge um Europa traf auch auf Kinkel zu. „Europa wächst nicht aus Verträgen, es wächst aus den Herzen seiner Bürger oder gar nicht“, sagte er in kleiner Runde. Eine Botschaft, die an einem Tag, an dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen flammenden Appell an die europäischen Bürger richtet, aktueller klingt denn je.

Kinkel, der 1936 in schwäbischen Metzingen geboren wurde, war kein geborener Politiker. Eigentlich wollte er wie sein Vater Arzt werden. Dann schwenkt er allerdings auf die Juristerei um, machte seinen Doktor und wurde Spitzenbeamter in einer Unterbehörde des Bundesinnenministeriums.

1970 wurde Kinkel vom damaligen Innenminister Genscher entdeckt, der ihn 1979 zum Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) machte. Als Staatssekretär und schließlich auch als Justizminister saß Kinkel an einer der Schaltstellen der schwarz-gelben Koalition von Kanzler Helmut Kohl (CDU).

Nach Genschers überraschendem Rücktritt im Jahr 1992 folgte der „Ziehsohn“ seinem Förderer im Auswärtigen Amt und führte es mehr als sechs Jahre lang. Aus dieser Zeit ist vielen noch die Begebenheit in Erinnerung, als Kinkel dem Dalai Lama in den Arm fiel.

Der wollte ihm bei einem Besuch in Bonn 1995 einen seiner weißen Seidenschals um den Hals legen. Darüber, dass er der erste deutsche Außenminister war, der trotz des Widerstands aus China das Oberhaupt der Tibeter empfangen hatte, sprach anschließend niemand mehr.

So eng wie die politischen Lebensläufe von Genscher und Kinkel verwoben waren, so unterschiedlich waren sie auch. Genscher war der politische Akrobat, der gleichzeitig mit mehreren Bällen in der Luft jonglierte. Kinkel derweil war ein Mann, dem nie der Vorwurf gemacht wurde, er sei nicht politisch geradeheraus.

„Aufrecht und bescheiden“

Die FDP sah in ihm keinen Visionär, doch sie wusste in seiner Zeit als Parteivorsitzender von 1993 bis 1995 immer, woran sie war. Die Machtspiele waren nie Kinkels Sache. Seine Nachfolger Guido Westerwelle oder Christian Lindner sah er wohlwollend, hatte zu ihnen aber eher ein sachliches Verhältnis.

Der aktuelle FDP-Chef Lindner kondolierte bereits via Twitter: „Der Tod von Klaus Kinkel geht mir nahe. Er war ein aufrechter und bescheidener Mann mit Charakter, dessen freundschaftlichen Rat ich sehr geschätzt habe.“ Er habe Kinkel viel zu verdanken. Die FDP-Bundestagsfraktion kondolierte ebenfalls und schrieb: „Er bleibt unvergessen.“

Die wohl größte private Tragödie für Kinkel war der tödliche Verkehrsunfall seiner ältesten Tochter, eines von vier Kindern, die 1982 mit 20 Jahren starb. Nach der Abwahl von Schwarz-Gelb saß er noch bis 2002 im Bundestag.

Später arbeitete Kinkel als Anwalt. Ein paar Jahre lang war er auch Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Telekom. Er setzt sich für ein Ende des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern ein.

Bis ins hohe Alter spielte Kinkel Tennis, ging laufen oder fuhr Ski. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn.

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