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Zweiter Wahlgang CDU-Politiker wird neuer Oberbürgermeister in Görlitz – AfD-Kandidat unterliegt

Der unterlegene Kandidat hätte erster AfD-Oberbürgermeister in einer deutschen Stadt werden können. Doch Christdemokrat Ursu konnte sich durchsetzen.
Update: 17.06.2019 - 04:04 Uhr 1 Kommentar

CDU-Politiker Ursu gewinnt gegen AfD-Vertreter

Görlitz/Berlin Die CDU ist erleichtert, die AfD ernüchtert: Görlitz, Deutschlands östlichste Stadt, bekommt einen CDU-Oberbürgermeister. Der in der ersten Runde noch unterlegene Christdemokrat Octavian Ursu entschied die Stichwahl in der sächsischen Stadt am Sonntag mit 55,2 Prozent für sich. Der AfD-Kandidat Sebastian Wippel kam nur auf 44,8 Prozent. Die beiden trennten am Ende gut 2600 Stimmen. Damit verpasste die AfD ihr Ziel, zum ersten Mal einen Oberbürgermeistersessel in Deutschland zu erobern.

Die Bundes-CDU reagierte erleichtert. Die CDU Sachsen und Ursu hätten in Görlitz gezeigt: „Die CDU ist die bürgerliche Kraft gegen die AfD“, twitterte Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Kritiker hielten ihr daraufhin vor, nicht erwähnt zu haben, dass die Kandidaten von Grünen und Linken auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatten, um den AfD-Bewerber zu verhindern.

Am späteren Abend schrieb die CDU-Chefin dann auf Twitter, der Erfolg von Ursu sei „der Sieg eines breiten Bündnisses, für das ich dankbar bin“. Übrigens hätten sich die Spitzen von Union und SPD am Abend in Koalitionsausschuss in Berlin parteiübergreifend über das Ergebnis gefreut.

Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock gratulierte Ursu. Sie dankte zugleich Franziska Schubert von den Grünen und Jana Lübeck von den Linken, die sich nach der ersten Runde zurückgezogen und zur Unterstützung von Ursu aufgerufen hatten. Sie zeigten, wie wichtig es sei, dass Demokraten trotz aller inhaltlicher Differenzen in entscheidenden Momenten zusammenstünden, schrieb Baerbock auf Twitter.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer.“

In Sachsen ringt Regierungschef Kretschmer um sein Amt - am 1. September wird ein neuer Landtag gewählt. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey für „Spiegel Online“ kommt die CDU im Land aktuell auf 29,7 Prozent vor der AfD mit 23,5 Prozent. Die SPD erreicht 10,3 Prozent.

Kretschmers schwarz-rote Regierung hätte damit die Mehrheit verloren, er müsste versuchen, ein anderes Bündnis zu schmieden. Nach einer am selben Tag von der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Insa-Umfrage käme die AfD auf 25 Prozent der Zweitstimmen, die CDU nur noch auf 24.

Der sächsische AfD-Landeschef Jörg Urban wertete das Ergebnis in Görlitz die „Blaupause“ für die Landtagswahl. „Wir wollen über 30 Prozent kommen und mit dem Rückenwind aus der Lausitz bin ich auch optimistisch, dass wir das schaffen“, sagte er. In der AfD erwartet man, dass die Partei Wippel bei der Landtagswahl erneut ins Rennen schicken wird - dann als Direktkandidat im Wahlkreis von Kretschmer. Um dies zu ermöglichen, hatte der Landesverband die Kandidatenaufstellung auf einen Termin nach der OB-Wahl gelegt.

Ursu hat rumänische Wurzeln und kam 1990 nach Görlitz, als Solo-Trompeter am Theater, seine beiden Töchter wurden hier geboren. Als Betriebsrat bekam der studierte Musiker Einblick in die Politik, 2009 trat er in die CDU ein, seit 2014 ist er Landtagsabgeordneter - wie der Polizeikommissar Wippel.

Mehr: Die konservative Werte-Union prangert die Politik von Kanzlerin Merkel an. Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen ist dort Mitglied – und liebäugelt mit einer Koalition mit der AfD.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Zweiter Wahlgang: CDU-Politiker wird neuer Oberbürgermeister in Görlitz – AfD-Kandidat unterliegt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Blockparteien CDU, SPD, Grüne, LINKE, haben im Zusammenschluß knapp gegen den AfD Kandidaten die Mehrheit geholt. Begleitet wurde der Kampf gegen den AfD Kandidaten von einer Pressekampagne die an Karl-Eduard von Schnitzlers schwarzen Kanal erinnerte.
    Die AfD hat mehr als einen Achtungserfolg erzielt. Es wurde sichtbar, dass man die AfD nur mit unfairen und undemokratischen Mitteln/Absprachen noch verhindern kann.
    Das Ganze war ein Pyrrhussieg für die Blockparteien. Der Niedergang der CDU nach der SPD wird so nur noch beschleunigt. Eine CDU, die auf die Gnade der LINKEN bei Mehrheiten angewiesen ist und somit Teile der LINKEN Politik übernehmen muß, ist überflüssig.
    Übrigens, was sich da AKK zusammenreimt „Die CDU ist die bürgerliche Kraft gegen die AfD“ kommt aus einer Traum-/Märchenwelt. Für AKK müßte es eigentlich nach Trappatoni heißen "habe fertig".

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