Zweites TV-Duell Trump muss punkten

Im zweiten TV-Duell steht US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump unter Druck. Seine Gegnerin, Hillary Clinton, konnte ihren Vorsprung in Umfragen deutlich ausbauen. Trumps mögliche Rettung: eine neue Strategie.
Im ersten TV-Duell machte Donald Trump eine schlechte Figur. Seitdem verliert er unter den US-Wählern deutlich an Zustimmung – am Sonntag muss ein Sieg her. Quelle: Reuters
Ein Sieg muss her

Im ersten TV-Duell machte Donald Trump eine schlechte Figur. Seitdem verliert er unter den US-Wählern deutlich an Zustimmung – am Sonntag muss ein Sieg her.

(Foto: Reuters)

St. LouisNigel Farage hatte einen Rat für Donald Trump. Der Republikaner dürfe sich bei der nächsten Fernsehdebatte nicht von Hillary Clinton provozieren lassen, erklärte der britische rechtspopulistische Ukip-Politiker unlängst in einem Interview des Senders Fox News. „Wachse über Dich hinaus. Lass Dich nicht auf einen Zickenkrieg ein.“ Für Trump ist guter Rat gerade teuer.

Wenn die beiden Präsidentschaftskandidaten am Sonntagabend in der Washington University in St. Louis im Bundesstaat Missouri aufeinandertreffen, ist die Ausgangslage des Republikaners denkbar schlecht. Im ersten TV-Duell hatte Clinton ihn vorgeführt. Ein ums andere Mal griff die Demokratin sein Ego an; ein ums andere Mal reagierte er ungeschickt. Er fuhr aus der Haut, wurde beleidigend, unterbrach sie ständig. Sie blieb ruhig. Clinton konnte ihren Vorsprung in Umfragen anschließend deutlich ausbauen.

Spiel, Satz und Sieg für Clinton
Clinton und Trump nach der Debatte
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Rund 100 Millionen Menschen haben in der Nacht eingeschaltet, als die beiden US-Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Donald Trump sich ihrer ersten gemeinsamen TV-Debatte stellten. Vielen politischen Beobachtern gilt Clinton als Siegerin des Duells. Doch wie haben die Zuschauer die Sendung empfunden? Das Marktforschungsinstitut ORC International hat gemeinsam mit dem Nachrichtensender CNN insgesamt 521 registrierte Wähler befragt, die die Debatte verfolgt haben. 26 Prozent von ihnen sehen sich als Republikaner, 41 Prozent als Demokraten und ein Drittel bezeichnet sich als unabhängig. Die Ergebnisse im Folgenden.

„Wer hat den besten Job in der Debatte abgeliefert – Clinton oder Trump?“
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Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig: 62 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die demokratische Kandidatin besser geschlagen hat. Über Trump sagen das nur 27 Prozent. Sechs Prozent fanden beide gleich gut – und vier Prozent gaben an, dass sich in ihren Augen keiner der Kandidaten gut geschlagen hat. Damit schlug sich Clinton besser, Trump aber schlechter als erwartet: Im Vorfeld des TV-Duells sahen nur 58 Prozent der Befragten Clinton vorne, bei Trump waren es vor der Debatte noch 32 Prozent.

„Wer von beiden kann besser mit der Wirtschaft umgehen?“
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Bei dieser Frage sind die Wähler bisher weniger entschlossen. So halten 51 Prozent Clinton für kompetenter in Wirtschaftsfragen, 47 Prozent sehen Trump vorne. Gleiche Kenntnisse bescheinigen zwei Prozent der Befragten den beiden Kandidaten.

„Wer von beiden kann besser mit Terrorismus umgehen?“
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Trotz seiner markigen Pläne, die zum Teil gegen internationales Kriegsrecht verstoßen: Auch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus trauen die Zuschauer Clinton (51 Prozent) nach der TV-Debatte mehr zu als ihrem Herausforderer (47 Prozent).

„Wer von beiden ist kompetenter in der Außenpolitik?“
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Noch drastischer fällt der Unterschied in außenpolitischen Fragen auf. Clinton als ehemaliger Außenministerin der USA trauen 62 Prozent der Befragten eine höhere diplomatische Kompetenz zu. Trump sahen nach der Debatte nur 35 Prozent vorne.

„Wer war die stärkere Führungspersönlichkeit?“
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Auch hier konnte die Demokratin punkten. Insgesamt sahen 56 Prozent der befragten Zuschauer mehr Führungspotenzial bei Clinton als bei Trump (39 Prozent). Interessant ist das vor allem im Hinblick auf eine andere Frage: Wer schien authentischer? Clinton, die oft als kühle Machtpolitikerin dargestellt wird, liegt auch hier mit 52 Prozent vorne. Bei Trump waren es nur 40 Prozent.

„Wer hat seinen Gegner länger attackiert?“
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Klarer Vorteil Trump: Während 33 Prozent Clinton als angriffslustiger sahen, antworteten das 56 Prozent der Befragten über den Milliardär.

Das Portal RealClearPolitics sieht sie derzeit im Schnitt aller jüngeren Erhebungen um 4,1 Prozentpunkte vor Trump. In den meisten der wahlentscheidenden Swing States liegt sie vorn. Das sind die Staaten, die nicht schon von vornherein auf eine Partei als Wahlsieger festgelegt sind. So führt sie etwa in Florida, dem größten und wichtigsten Swing State, mit durchschnittlich 3,2 Prozentpunkten. Nach der Debatte stolperte der Republikaner weiter. Mitten in der Nacht verlor er sich im Kurznachrichtendienst Twitter in Entgleisungen gegen eine ehemalige Schönheitskönigin. Das nährte das Bild eines Kandidaten, der sich einfach nicht unter Kontrolle hat.

Wenige Tage später veröffentlichte die „New York Times“ Unterlagen des Unternehmers, die nahelegen, dass er möglicherweise 18 Jahre lang massiv Steuern sparte. Es bescherte ihm weitere negative Schlagzeilen. Dass sein eigener Vizekandidat Mike Pence im TV-Duell gegen den Demokraten Tim Kaine überzeugte, erhöht den Druck auf den 70-Jährigen. Denn Pence zeigte all jene Eigenschaften, die Trump bislang schmerzlich vermissen lässt: Er war staatsmännisch, verteidigte republikanische Kernanliegen. Mit seinem ganzen Auftritt erinnerte er daran, dass Trump ein politischer Quereinsteiger ist. Pence verbrachte einen großen Teil des Duells damit, die Echtheit von Trump-Zitaten abzustreiten, die tatsächlich aber so gefallen waren.

Er reagierte stoisch, als Kaine ihn darauf hinwies, dass Trump Mexikaner als Vergewaltiger bezeichnet und gefordert hat, Frauen für Abtreibungen zu bestrafen. Die „Washington Post“ sieht darin ein Vorzeichen, dass das Trump-Lager seine Strategie ändern könnte. Ein Weg, den schlechten Umfragewerten zu begegnen, könne sein, die frauenfeindlichen und beleidigenden Seiten Trumps gänzlich verschwinden zu lassen, meint der Autor Greg Sargent. Nach der ersten Debatte hatte Trump noch damit gedroht, von nun an unter die Gürtellinie zu zielen und beim nächsten Mal die Skandale um Bill Clinton zum Thema zu machen.

Davon rückte er inzwischen wieder ab. Bei Wahlkampfauftritten am Mittwoch und Donnerstag gab er sich zurückhaltender, nächtliche Twitter-Attacken ließ er sein. Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook sagte Journalisten am Donnerstag, man erwarte, dass Trump bei der zweiten Debatte besser vorbereitet sei und dass er nicht beleidigend sein werde. Für Clinton läuft es gerade denkbar gut. Die 68-Jährige geht als Favoritin in die Debatte. Sie hat mehr Übung im Town Hall Format, in dem die Interaktion mit den Zuschauern größer ist.

Schon werden Stimmen laut, die Trumps Ende prophezeien, sollte er abermals keinen guten Auftritt haben. Aber das Narrativ kann sich schnell drehen, das hat sich nach den Parteitagen im Sommer gezeigt. Auch damals hatte Trump einen katastrophalen Lauf. Clinton lag vorne. Dann wendete sich das Blatt. Die Spannung ist fast so hoch wie vor der ersten Debatte. Alle Augen richten sich auf St. Louis. Auch der Brite Nigel Farage wird vor Ort sein. Er ist Trumps Gast.

  • dpa
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