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Zwischen Schule und Beruf „Warteschleife“ verhilft vor allem Schulabbrechern zu einer Lehrstelle

Hunderttausende Jugendliche ohne Lehrstelle landen jährlich in einem Übergangssystem. Das ist zwar besser als sein Ruf – nutzt jedoch nur den Schwächsten.
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Nur wenige junge Leute ohne Lehrstelle kommen durch das Übergangssystem weiter. Quelle: Imago/Westend61
Schülerin im Unterricht

Nur wenige junge Leute ohne Lehrstelle kommen durch das Übergangssystem weiter.

(Foto: Imago/Westend61)

Berlin Sie sind verrufen als „Warteschleifen“ für all die jungen Leute, die nach der Schule keine Lehrstelle finden. Doch das sogenannte Übergangssystem ist etwas besser als sein Ruf, haben Wissenschaftler des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) herausgefunden.

Es hilft manchen durchaus auf die Sprünge: Entweder machen sie erstmals überhaupt einen Schulabschluss oder einen höheren als zuvor, oder sie schaffen den Sprung in eine Lehre. Allerdings profitiert insgesamt allenfalls die Hälfte der Teilnehmer, die maximal einen Hauptschulabschluss haben – und zwar vor allem die Schwächeren, schreibt das WZB-Autorenteam um Heike Solga in der Studie, die dem Handelsblatt vorliegt.

Es geht um Hunderttausende von jungen Leuten, die nach der Schule in diversen Programmen an den Berufsschulen landen, etwa im „Berufsvorbereitungsjahr“, dem „Grundbildungsjahr“. Dort können sie keine Ausbildung machen, sondern sollen ihre Qualifikation verbessern, sodass sie nicht länger als „nicht ausbildungsreif“ gelten.

Ihre Zahl war seit der Jahrtausendwende viele Jahre lang gesunken, ist zuletzt aber erneut gestiegen. Im Jahr 2017 waren es wieder gut 290.000 junge Leute, die sich in dem Bereich zwischen Schule und Ausbildung befanden – zum Teil, weil sie schlicht noch der Schulpflicht unterliegen. Die Kosten sind enorm: Legt man die Kosten von 7.600 Euro pro Berufsschüler aus dem Bildungsfinanzbericht zugrunde, kommt man auf eine Summe von deutlich über zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Die WZB-Forscher untersuchten die Gruppe der Teilnehmer, die entweder keinen Schulabschluss oder maximal einen Hauptschulabschluss haben. Für sie zeigte sich: Für etwa die Hälfte der Jugendlichen hatten sich die Chancen auf eine Ausbildung durch die „Nachschulung“ deutlich verbessert.

Das gilt vor allem für solche, die ganz ohne Schulabschluss waren: Ihre Chance auf eine Lehrstelle stieg um etwa ein Drittel. Am meisten hilft ihnen, wenn sie einen Abschluss nachholen oder wenn sie ein Programm durchlaufen, in dem sie viel in einem Betrieb sind und sich so in der Praxis bewähren können.

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Das Letztere gelte allerdings nur „im unteren Segment des Ausbildungsmarktes“, also etwa für eine zweijährige Ausbildung. Doch schon für Jugendliche mit Hauptschulabschluss „verbessern sich die Chancen deutlich weniger oder überhaupt nicht“, resümieren die Forscher. „Für sie stellt die jeweilige Maßnahme „häufiger eine Warteschleife dar“.

Unterm Strich führe der Besuch des Übergangssystems „für die Hälfte der Jugendlichen nicht zum gewünschten Erfolg“. Denn jeder Zweite der gering qualifizierten Jugendlichen lande anschließend entweder in einer weiteren Maßnahme, suche sich einen gering qualifizierten Hilfsjob oder bleibe arbeitslos.

Sie bilden die Quelle für das Heer der Ungelernten: Insgesamt ist die Zahl der 20- bis 34-Jährigen ohne Berufsabschluss zuletzt wieder auf 2,13 Millionen Menschen gestiegen. Zuvor lag sie jahrelang bei gut 1,9 Millionen. Die „Ungelerntenquote“ kletterte damit auf knapp 15 Prozent.

Die Frage „Warteschleife oder sinnvoll verbrachte Zeit?“ können die WZB-Forscher also nicht eindeutig beantworten: Sinnvoll nur für die, die mit sehr schlechten Voraussetzungen im System ankommen und vor allem dann, wenn es gelingt, eine Anbindung an einen Betrieb zu finden.

Sie sehen daher nur zwei Möglichkeiten für eine Effizienzsteigerung des Übergangsbereichs: Zum einen müsse man die Qualität der Kurse verbessern, in denen die Jugendlichen entweder erstmals einen Schulabschluss machen oder einen höheren erreichen als während ihrer Schulzeit. Der zweite Weg sei, viel mehr Maßnahmen mit einer engen Betriebsanbindung anzubieten. Dafür jedoch wäre es nötig, dass viel mehr Unternehmen dafür bereitstehen.

Jugendliche mit maximal Hauptabschluss sind allerdings nicht die Einzigen, die das Übergangssystem aufnimmt. Nach dem Berufsbildungsbericht stellen diese zwar zwei Drittel der Klientel. Jeder Fünfte hat jedoch einen mittleren Schulabschluss – und gut zwei Prozent sogar Abitur. Ausländer stellen rund ein Drittel, ihr Anteil ist 2017 gegenüber den Vorjahren zuletzt sogar gesunken. Das liegt auch daran, dass viele Maßnahmen für junge Flüchtlinge gar nicht zum Übergangsbereich gezählt werden.

Je höher die Vorbildung, desto größer ist auch im System die Chance auf einen Zugang zu Betrieben: In den Einstiegsqualifizierungen – eine Art vom Staat bezahltes Praktikum, das auf eine anschließende Lehre angerechnet werden kann – liegt der Anteil der Abiturienten sogar bei elf Prozent.

Über die Effizienz des Übergangssystems wird seit Jahren gestritten – vor allem als es nach der Jahrtausendwende angesichts der Lehrlingsschwemme aufgebläht wurde und zeitweise Jahr für Jahr mehr als 400 000 Jugendliche dort landeten. Ein Überblick ist nicht nur wegen der Vielzahl der unterschiedlichen Maßnahmen in den Ländern kaum möglich.

Auch fehlt es an einer entsprechenden Statistik – etwa an einer einheitlichen Bildungsnummer für jeden Schüler, mit der über die Jahre die Bildungskarrieren verfolgt werden könnten. Das WZB nutzte für seine Analysen die Daten des Nationalen Bildungspanels: Dieses erfasst seit zehn Jahren die Daten von 60.000 Personen. Durch Befragungen verfolgen die Forscher deren Bildungsweg.

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