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Faktencheck zur UkraineDas sind die größten Fake News zum Ukraine-Krieg im Überblick

Propaganda-Websites und Staatsfernsehen: Wie Russland desinformiert und Falschmeldungen streut. Die größten Fake News zum Ukraine-Krieg im Faktencheck.Dominik Zubel 05.04.2022 - 12:28 Uhr Artikel anhören

Russland bestritt im Ukraine-Krieg mehrfach Attacken auf zivile Ziele. Mittlerweile sind etliche Angriffe auf zivile Infrastruktur belegt, etwa der Beschuss von Wohngebäuden in Kiew. (Foto: dpa)

Foto: Handelsblatt

Über den Ukrainekrieg kursieren im Internet etliche Falschaussagen. Neben russischen Staatsmedien verbreiten anonyme Websites, Stiftungen und angebliche Forschungswebsites sogenannte Fake News. Mehr als hundert Websites mit russischer Desinformation hat NewsGuard Anfang März erkannt. Die US-Firma ist darauf spezialisiert, solche Propaganda-Websites zu verfolgen und Falschnachrichten zu widerlegen.

Zwischen folgenden Arten von Fake News lässt sich unterscheiden:

  • Verharmlosung des russischen Angriffs oder Übertreibung einer ukrainischen Aggression
  • Nachrichten, die die ukrainische Regierung in Verruf bringen
  • Nachrichten, die die westliche Unterstützung der Ukraine verunglimpfen
  • Verzerrung von historischen Fakten zur ukrainischen und russischen Geschichte

Die größten Fake News zum Ukrainekrieg im Faktencheck

Auch das unabhängige Recherchezentrum Correctiv, die Nachrichtenagentur AFP sowie die Deutsche Welle sammeln und überprüfen Falschinformationen zum Ukrainekonflikt. Wir haben für Sie häufige Fake News zur Ukraine und die Faktenchecks dazu von NewsGuard, Correctiv und AFP zusammengestellt.

1. „Die Ukraine begeht im Donbas Völkermord.“

Laut NewsGuard haben weder die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die Uno noch der Internationale Strafgerichtshof und das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte Hinweise oder Beweise für einen Völkermord im Donbas gefunden.

2. „Saboteure wollten Chlorfabrik im Donbas sprengen.“

Correctiv und das Analysten-Team von NewsGuard klären auf: Ein von der Volksrepublik Donezk veröffentlichtes Video soll angeblich zeigen, wie eine Miliz polnischsprachiger Saboteure gehindert wurde, Chlorbehälter einer Kläranlage in der Stadt Horlivka zu sprengen. Das Video wurde einige Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine veröffentlicht.

Es handelt sich allerdings um ein manipuliertes Video. Eine Analyse des investigativen Nachrichtenmagazins Bellingcat hat ergeben, dass die Metadaten zeigen, dass das Video „Tage vor dem angeblichen Anschlag aufgenommen wurde“. NewsGuard konnte dies nach einer Überprüfung der Metadaten ebenfalls bestätigen. Bellingcat-Gründer Eliot Higgins hat das Fake-Video mit den Analyseergebnissen und Hinweisen in den Kommentaren auf Twitter veröffentlicht (Achtung: Das Video zeigt Kriegsszenen). Auch Correctiv hat das Video überprüft und die Metadaten aus der Analyse abgespeichert. Die Metadaten des Videos stellt Correctiv für alle öffentlich bereit.

3. „Video zeigt russische Fallschirmjäger in der Ostukraine.“

Die Nachrichtenagentur AFP und die Deutsche Welle (DW) erklären, dass immer wieder veraltete Bilder und Videos oder sogar Szenen aus Videospielen geteilt werden. In den Bildunterschriften der Postings behaupten dann Nutzer, dass diese Kampfszenen aus dem aktuellen Ukrainekrieg stammen. Die Täuschung ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Die Bilder werden deshalb tausendfach geteilt und so die Falschinformation verbreitet.

Erst durch intensive Recherchen und die Rückwärtssuche von Bildern lässt sich, wie auch in diesem Fall, dasselbe Video in den sozialen Medien finden. Allerdings wurde dieses Video bereits in den Jahren 2014, 2016 und 2018 geteilt. AFP schreibt dazu: „Die Behauptung, das Video zeige eine aktuelle Landung russischer Fallschirmjäger in der Ukraine, ist falsch. Das Video kursierte bereits 2014 im Internet und zeigt wahrscheinlich eine militärische Übung in Russland.“ Joscha Weber, Leiter des DW-Faktenchecks, warnt in einem Faktencheck-Video vor der Verbreitung solcher Bilder und Videos, ohne sie vorher überprüft zu haben: „Passt auf, was ihr teilt, nicht alles ist echt"

4. „Die Ukraine hat einen Kindergarten bombardiert.“

Die Journalisten des Tracking-Centers für Falschinformationen über den Krieg in der Ukraine berichten: „Russische Nachrichtenseiten behaupteten, die ukrainische Armee habe einen Kindergarten in dem Dorf Nowaja Kondraschowka bombardiert.“

Dem Bericht von Bellingcat zufolge würden die Lage des Kindergartens und die Beweise am Tatort darauf hindeuten, dass die Bombardierung am 17. Februar 2022 eindeutig aus dem Süden kam. Dort befinden sich die Frontlinien der russischen Separatisten.

Das Recherchezentrum Correctiv deckte dazu auf, dass zusätzlich die Falschmeldung in den sozialen Medien kursiert, der Angriff sei vorgetäuscht. Beweisen solle dies ein manipuliertes Bild, auf dem nachträglich ein Bagger eingefügt wurde. Es wird behauptet, der Bagger habe das Loch in der Wand verursacht, um einen Angriff vorzutäuschen. Doch auch diese Behauptung ist falsch.

5. „Russland greift keine zivile Infrastruktur an.“

Die russische Regierung behauptete, seit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 nur militärische Ziele mit Präzisionswaffen angegriffen zu haben. Laut NewsGuard habe Amnesty International allerdings „mehrere Angriffe der russischen Armee auf zivile Gebiete in der Ukraine dokumentiert“. Die internationale Generalsekretärin von Amnesty International soll von dem Einsatz ballistischer und anderer explosiver Waffen in dicht besiedelten Gebieten berichtet haben. So könnten manche dieser Angriffe Kriegsverbrechen darstellen.

6. „Nationalsozialismus ist in der Ukraine weit verbreitet.“

Das Analysten-Team von NewsGuard klärt auf: Es gäbe zwar rechtsextreme Gruppen in der Ukraine und sie seien eine Bedrohung für die demokratische Entwicklung der Ukraine. Es seien aber kaum Rechtsextreme in der Ukraine politisch vertreten und würden auch „keinen plausiblen Zugang zu politischer Macht haben“. Auch den Behauptungen über einen weit verbreiteten Antisemitismus widersprechen Vertreter der jüdischen Gemeinschaft und der jüdische Präsident Wolodimir Selenski. Laut ihren Aussagen entspricht dies nicht den Tatsachen.

7. „Der Westen inszenierte 2014 einen Putsch in der Ukraine.“

„Es gibt keine Belege dafür, dass die Maidan-Revolution 2014 in der Ukraine, die zum Sturz des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch führte, ein von westlichen Ländern inszenierter Putsch war“, heißt es von NewsGuard dazu. Die Revolution weise vielmehr Merkmale eines Volksaufstands auf statt eines Putsches. Tausende Ukrainer protestierten gegen eine Entscheidung des damaligen pro-russischen Präsidenten. Nachdem die Proteste immer größer wurden, unterzeichneten die ukrainische Regierung und die pro-europäische Opposition ein Abkommen.

In diesem Abkommen „werden dem ukrainischen Parlament mehr Befugnisse übertragen und für Ende des Jahres Präsidentschaftswahlen angesetzt“. Noch am selben Tag floh der damalige Präsident Viktor Janukowitsch. Kurz darauf stimmte das Parlament einstimmig für die Enthebung Janukowitschs aus dem Amt des Präsidenten.

8. „Die USA verfügen über Biowaffenlabore in Osteuropa.“

Am Tag von Russlands Überfall auf die Ukraine wurden auf Twitter unter dem Hashtag #USBiolabs die Behauptung aufgestellt, dass die Invasion auf US-Biowaffenlabors in der Ukraine abziele. „In dem Thread wurden Behauptungen russischer Beamter zitiert, die USA unterhielten ein Netz von Biowaffenlabors in der Nähe der russischen Grenzen in Osteuropa“, berichtet das Tracking-Center für Falschinformationen zum Ukrainekrieg.

Auch russische Staatsmedien sollen seit 2016 ähnliche Vermutungen aufgestellt haben, schildert NewsGuard. Dies sei lediglich eine falsche Darstellung des Programms des US-Verteidigungsministeriums zur Reduzierung biologischer Bedrohungen. Das Programm hat das Ziel, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerländern „die Bedrohung durch Ausbrüche gefährlicher Infektionskrankheiten zu verringern, indem es den Partnern hilft, gefährliche Erreger zu sichern und Ausbrüche schnell zu erkennen“. Auch der ukrainische Sicherheitsdienst erklärte, dass keine ausländischen biologischen Labors in der Ukraine tätig seien.

9. „Die Nato hat eine Militärbasis in Odessa.“

Die Behauptung stammt von verschiedenen pro-russischen Nachrichtenseiten. Das NewsGuard-Team klärt auf, dass die Nato auf ihrer Webseite im Juli 2021 berichtet, die Präsenz der Nato-Schiffe im Schwarzen Meer seit der Annexion der Krim durch Russland verstärkt zu haben. Hinweise auf einen Stützpunkt gäbe es nicht. „Gemäß Artikel 17 der ukrainischen Verfassung sind ausländische Militärstützpunkte in der Ukraine nicht erlaubt“, ergänzen die Analysten von NewsGuard.

10. „Die Krim trat Russland rechtmäßig bei.“

Die ukrainische Verfassung schreibt vor, dass jede Änderung des Staatsgebietes durch ein Referendum aller Wahlberechtigten gebilligt werden muss. Dies war aber nicht der Fall. Außerdem sollen auf dem Stimmzettel nur zwei Möglichkeiten gestanden haben: der Anschluss an Russland oder die Rückkehr zur Verfassung von 1992. Gefehlt habe, „dass die Krim den Status quo beibehält und Teil der Ukraine bleibt“, klärt das Analysten-Team auf. Ebenso erkenne „das Völkerrecht ein unter bewaffneter Aggression abgehaltenes Referendum nicht an“.

11. „Die Sowjetunion hat die heutige Ukraine geschaffen.“

Diese Behauptung stellte der russische Präsident Wladimir Putin drei Tage vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine auf. Die Journalisten von NewsGuard berichtigen: „Es stimmt, dass das heutige Russland und die Ukraine, zwei ehemalige Sowjetstaaten, eine lange gemeinsame Geschichte haben. Aber sie haben wesentlich mehr Zeit getrennt als gemeinsam verbracht.“

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Die Kiewer Rus – die heutige Hauptstadt der Ukraine – war das Zentrum des ersten slawischen Staates und gilt als Geburtsort von Russland und der Ukraine, erklärt NewsGuard. Die Deutsche Welle stellt ebenfalls klar: Schon vor der Einnahme durch die Rote Armee existierte bereits „ein eigenständiger ukrainischer Nationalstaat“, die Ukrainische Volksrepublik.

Von NewsGuard heißt es weiter „Im Gegensatz zu Putins Behauptung, „die Bolschewiki hätten die Ukraine erfunden“, hatte die Ukraine 1918 ihre Unabhängigkeit erkämpft und erlangt – ein Status, der nur wenige Jahre Bestand hatte. Im Jahr 1922 besiegten die russischen Bolschewiki die ukrainische Regierung und gründeten die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik.“

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