Rückkehr zur Drachme Gebrauchsanleitung für den Euro-Austritt

Entscheiden sich die Griechen mit der Parlamentswahl für den Austritt aus der Euro-Zone? Und wenn ja: Wie soll das gehen? Handelsblatt Online zeigt eine Anleitung in fünf Schritten. So geht es raus aus dem Euro.
Update: 15.06.2012 - 11:19 Uhr 43 Kommentare
Der Euro-Austritt hat seine Tücken.

Der Euro-Austritt hat seine Tücken.

DüsseldorfZum zweiten Mal innerhalb von noch nicht einmal zwei Monaten wählen die Griechen am Sonntag ein neues Parlament. Dabei steht ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Nea Dimokratia und der linksradikalen Syriza bevor, die schon bei der Wahl am 6. Mai vorne lagen. Die Griechen entscheiden nun aber auch mit ihrer Stimme, ob die internationalen Hilfspakete, die ihrem Land drastische Einsparungen auferlegen, nachverhandelt oder ganz aufgekündigt werden sollen.

Der Sparkurs ist aber die Voraussetzung für Hilfszahlungen der EU und des IWF an Griechenland. Eigentlich müssen die Griechen bis Juni neue Sparmaßnahmen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen, sonst wollen die internationalen Geldgeber Athen den Geldhahn zudrehen. Dies könnte eine neue Lawine in Gang setzten, die mit dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone endet.

Einige Experten rechnen damit bereits in den nächsten Monaten. "In diesem Sommer ist es sehr wahrscheinlich soweit", sagte John Taylor, der Chef des Hedge-Fonds FX Concepts LLC, in einem Interview mit Bloomberg. "Die Europäer werden ihnen das Geld nicht geben, der Internationale Währungsfonds (IWF) wird ihnen kein Okay geben. Das Geld wird im Juni alle sein."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt Änderungen am Sparprogramm für Griechenland strikt ab. Die Probleme des Landes rührten nicht daher, dass zu viel gespart worden sei, sagte Schäuble. Eine Nachverhandlung der Vereinbarung mit den internationalen Gebern schloss er aus. "Die Menschen in Griechenland müssen wissen, dass das, war wir für Griechenland vereinbart und auf den Weg gebracht haben, eine ganz außergewöhnlich Anstrengung ist", ergänzte er. Die Bürger Griechenlands müssten selbst entscheiden, welchen Preis sie für den Verbleib in der Euro-Zone akzeptierten.

Nie zuvor wurde ein Ausstieg Griechenlands so offen thematisiert wie jetzt. Was so einfach klingt, ist in der Praxis aber wesentlich komplizierter. Rein rechtlich sieht der Vertrag von Maastricht nämlich ein solches Szenario gar nicht vor. Handelsblatt Online skizziert eine Bedienungsanleitung, wie der Ausstieg dennoch Wirklichkeit werden könnte.

Von gebrochenen Sparversprechen zur Zahlungsunfähigkeit
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43 Kommentare zu " Rückkehr zur Drachme: Gebrauchsanleitung für den Euro-Austritt"

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  • Landet bei der Sekrtetärin im Papierkorb oder wird als Spam gekennzeichnet, vlt. sogar noch ungeöffnet.

    Ist alles Zwecklos. Ich bin unbedingt für den ESM und den anderen Ausplünderungsmechanismen, und zwar ganz schnell. Damit Deutschland endlich zugrunde geht und bis zum letzten ausgeplündert wird. Weil erst dann hat dieses ganze Elend endlich ein Ende.

  • Eine Währung die dauernd gerettet werden muss ist keine Währung (Prof. Dr. Hankel). Wann kapieren unsere Politikdarsteller dies endlich? Oder machen sie das mit Absicht? Das wäre dann kriminell.

  • Die Griechen muessen bis Juni neue Sparmaßnahmen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Alle diese Milliarden kommen in der Taschen der internationalen Geldgeber Athens .

  • Glaubt ihr tatsächlich, dass die Griechen soooo blöde sind und ihr Auslandskonte statt in US Dollar noch in Euros führen?

  • Wenn Deutschland aus der Eurozone austritt, wird diese kollabieren. Die anderen Tripple A Staaten in der Eurozone haben zu wenig Gewicht um als Gegengewicht zu den schwächeren Staaten zu funktionieren.
    Ein Austritt hätte zur Folge, dass sich die Preise für deutsche Produkte gegenüber dem Dollar mehr als verdreifachen würden, gegenüber der dann restlichen Eurozone verdoppeln. Wir exportieren aber nahezu die Hälfte in die EU unseres Exports. Damit wäre es dann vorbei, weil dann italienische und französische Maschinen und Anlagen deutlich preiswerter wären. Die Folgen für unseren Arbeitsmarkt und die Binnenkonjunktur wären schrecklich. Das Argument der verbilligten Importe zieht langfristig nicht, da verbilligte Importe Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller unterminieren.

  • Viele Politiker haben es immer noch nicht begriffen: der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der Drachme und der Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen brauchen wir auf jeden Fall in Deutschland und in Europa unsere eigenen Länderwährungen, um dadurch wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen und unsere politische Freiheit zu retten.

  • "Die nächste Tranche von 5,2 Milliarden Euro soll am Donnerstag jedoch ausgezahlt werden, hieß es in EU-Kreisen.(Reuter. 9. Mai)"

    Das war ein Teil der letzten Tranche, hat aber einen Hintergrund: es werden wieder Anleihen fällig, die sollen bedient werden.

    Noch Fragen??

  • Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
    Schließlich ist Griechenland ohne Komplikationen dem
    ''Eurosystem'' beigetreten. Wo sind die Probleme beim
    Austritt, außer dem Geschrei der Banken?
    Die ins Ausland verschobenen Milliarden werden schnel-
    ler zurück sein, wenn sich im Drachmenbereich ein neuer
    Reibach abzeichnet, der sich mit der wiederhergestellten
    Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus schneller einstellen
    wird, als es sich die EU-Bankrotteure vorstellen können.
    Wahrscheinlich wird man bei der Brüsseler ''EU-Geschäfts-
    tüchtigkeit'', wie üblich, vergessen eine entsprechende
    Rückzahlungsklausel für die in den Sand gesetzten Hilfs-
    milliarden zu verankern.


  • Da es die sogenannte ''EU'' bisher nicht für nötig
    befand, sich wie z.b. die BRD an das HGB zu halten,
    und meint sich in einem rechtsfreien Raum bewegen
    zu dürfen, dürften die Verträge von Maastricht sicher-
    lich keine Rolle spielen, zumal es die rechtliche
    Seite der ''EU'' bisher nicht für nötig erachtete,
    sich bei den laufenden Rechtsbrüchen der ''EU'',
    einzuschalten.

  • "Das wichtigste wäre mE den ESM zu verhindern, aber das wird wohl nicht möglich sein."

    Und Warum?
    Weil ALLE Medien beim verbrecherischem ESM mitspielen, indem sie eine objektive Analyse und Diskussion vermeiden und verhindern. Der deutsche Bürger muß unbedingt uninformiert und dumm gehalten werden.

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