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100 Jahre Erster Weltkrieg Frankreich will feiern – Deutschland guckt zu

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Frankreich hat ein anderes Verhältnis zu Militäreinsätzen

Absehbar ist aber auch, dass es den Organisatoren der Feiern um ein Gedenken zum Anfassen geht, um ganz praktische Erinnerungen. Schüler sollen die Schnitzereien mitbringen, die ihre Urgroßväter in den Schützengräben angefertigt haben. In Paris wird man an die Anfänge des Luftkrieges erinnern. Zunächst mit Zeppelinen, dann mit Kleinflugzeugen bombardierte die deutsche Luftwaffe Paris, mit der Absicht, die Zivilbevölkerung zu schockieren und zu demoralisieren.

Was anfangs gründlich fehlschlug: Die Pariser waren so neugierig auf die ungewohnten Flugkörper, dass sie deren Angriffe freudig erregt mit Ferngläsern bewaffnet auf Hügeln und Türmen erwarteten. Das änderte sich erst, als die Deutschen größere Doppeldecker mit bis zu 500 kg schweren Bomben einsetzten und es Dutzende Tote gab. Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung als Mittel des Krieges hielten damit Einzug in die militärische Strategie. Das französische Militär plante deshalb eine riesige Tarnoperation: Mitten auf dem Acker sollte mit Lampen und Fackeln eine 1 : 1 -Kopie des Pariser Straßennetzes nachgebildet werden, um die deutschen Flieger in die Irre zu führen.

„Militärische Auseinandersetzungen führen in die Katastrophe, wenn man sie laufen lässt, weil dem Krieg die Tendenz zur Brutalisierung innewohnt“, formuliert Martens eine Botschaft, die er gerne mit den Feierlichkeiten verbinden würde. Auch die französische Forschung interessiere sich sehr dafür. Immer größere Granaten, mehr Feuerkraft, Gasangriffe – all das zeige, wie unkontrolliert sich Kriege auch im Zuge der technischen „Fortschritte“ entwickelten.

Es gibt viele Ansatzpunkte für ein gemeinsames deutsch-französisches Gedenken – falls die Bundesregierung sich dazu durchringen kann. Dennoch wird im Lauf der Feierlichkeiten auch deutlich werden, dass Frankreich bis heute ein anderes Verhältnis zu militärischen Auseinandersetzungen hat als Deutschland. Auch manche Franzosen sehen das zunehmend kritisch. „Über die Homo-Ehe hat das Parlament neun volle Tage debattiert. Über den Krieg in Mali knapp drei Stunden“, ärgert sich der Regierungssprecher.

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