Die „Spanische Grippe“ Der Parasit des Weltkrieges

Der Erste Weltkrieg raffte nicht nur Millionen in den Schützengräben hin. Die „Spanische Grippe“ war noch tödlicher als die Gewehrkugeln. Die Mutter der Epidemien hatte ihren Ursprung an einem unscheinbaren Ort.
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Ein Notkrankenhaus in Fort Riley, Kansas. Die Spanische Grippe kostete zwischen 20 bis 50 Millionen Menschen das Leben. Quelle: ap

Ein Notkrankenhaus in Fort Riley, Kansas. Die Spanische Grippe kostete zwischen 20 bis 50 Millionen Menschen das Leben.

(Foto: ap)

DüsseldorfEs begann in Haskel County. Dass Kaff liegt westlich von Dodge City im US-Bundesstaat Kansas. Und Haskel County hatte noch nie einen kälteren Winter erlebt als den 1917/1918. Viele Einwohner schlugen sich über Wochen hinweg mit einer hartnäckigen Grippe herum. So auch ein junger Soldat unbekannten Namens, der ein paar freie Tage in diesem virenträchtigen Niemandsland verbrachte und sich ansteckte.

Bei seiner Rückkehr ins Armeesammellager in Ford Riley brachte er die Erreger unter die Kameraden. 56.000 Soldaten erhielten zu dieser Zeit ihre Grundausbildung in Ford Riley – nur ein US-Camp war größer. Es war eng in den eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Grippe breitete sich rasend schnell unter den Soldaten aus – auch in anderen Camps.

Anfang April landete das Virus zum ersten Mal auf dem alten Kontinent, als die US-Soldaten in Brest landeten. In den Schiffskabinen, Kasernensäle, Zelte und natürlich den engen Schützengräben breitete sich die Grippe aus. Rasch steckten sich auch Zivilisten an. Vorsorge gab es nicht, die Zensur behinderte Berichterstattung in den Medien. Einzig in Spanien wurde frei berichtet – deswegen bekam die Krankheit auch den Namen „Die Spanische Grippe“.

Die Grippe wütete besonders stark unter den 20 und 35 Jahren, was an sich für eine Epidemie ungewöhnlich ist. „Das menschliche Immunsystem bekämpfte die Krankheit, indem es die Lungen mit blutigem Schaum füllte, der zwar Antikörper enthielt, an dem die Opfer aber innerlich erstickten“, schreibt der Historiker Adam Hochschild in seinem Buch „Der Große Krieg“.

Wie viele Menschen der Grippe-Pandemie zum Opfer fielen, kann nur geschätzt werden. Historiker sprechen mal von 50 Millionen, mal von 21 Millionen Toten weltweit. Auf jeden Fall waren es mehr als doppelt so viele wie im Krieg durch Waffen ums Leben kamen. Vieles spricht für eine höhere Zahl, weil es allein schon in Indien 17 Millionen Opfer gegeben haben dürfte. Dort wurde der Virus von in Europa kämpfenden Indern eingeschleust.

Auf amerikanische Seite standen 48.909 Gefallenen 62.000 Grippetote gegenüber. Weit schlimmer traf es die Menschen in Deutschland: Hier starben allein im Jahr 1918 rund 400.000 Menschen an der Grippe. Der anhaltende Hunger der Menschen kam erschwerend hinzu. Der Historiker Jörg Friedrich schreibt in seinem Buch „14/18“: „Der Parasit des Krieges war vernichtender als dieser selbst.“

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