Ferngläser für den Feind Wie deutsche Firmen halfen, die eigenen Soldaten zu töten

Die Briten hatten auf dem Schlachtfeld im Ersten Weltkrieg einen großen Nachteil: Es mangelte ihnen an guten Ferngläsern. Deutsche Firmen verkauften sie ihnen.
Kommentieren
Für das Überleben an der Front waren Ferngläser enorm wichtig, um gegnerische Stellungen zu erkunden. Quelle: ap

Für das Überleben an der Front waren Ferngläser enorm wichtig, um gegnerische Stellungen zu erkunden.

(Foto: ap)

DüsseldorfDer Erste Weltkrieg war eine Materialschlacht. Doch diese wurde nicht nur mit tonnenschweren Kanonen und irrsinnigen Mengen an Granaten geführt, sondern auch mit filigranen Werkzeugen: Periskope, Entfernungsmesser und vor allem zuverlässige Feldstecher. Den brauchte praktisch jeder Offizier, um aus größtmöglicher Entfernung die feindlichen Scharf- und Maschinengewehrschützen auszumachen.

Nun war die deutsche Armee mit guten Feldstechern deutlich besser bestückt als auf der anderen Seite die britische. Selbst König George V. machte auf der Insel einen öffentlichen Aufruf. Doch der brachte nur 2000 Geräte zusammen. Das Problem waren die hochwertigen Linsen aus Spezialglas, die britische Firmen beileibe nicht in ausreichender Zahl herstellen konnten.

Das Problem wurde 1915 auf dem Schlachtfeld derart eklatant, dass die Briten sich direkt an den Feind wandten. „Vor dem Krieg waren deutsche Unternehmen wie die berühmte Firma Carl Zeiss in Jena wichtige Exporteure hochwertiger optischer Erzeugnisse“, schreibt der US-Historiker Adam Hochschild in seinem Buch „Der große Krieg“. Daran erinnerte sich britische Munitionsministerium und schickte einen Gesandten in die neutrale Schweiz.

Die Antwort des deutschen Kriegsministeriums fiel positiv aus. Das Abkommen sah vor, dass Deutschland je 8000 bis 10.000 Feldstecher zweier Typen an die Briten liefern würde. Von den einfacheren Ferngläsern für Unteroffiziere konnte Deutschland sofort 15.000 liefern und 5000 weitere in einem Monat.

Die großen Schlachten
huGO-BildID: 37546632 SIXTY SEVEN OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE - In this undated file photo, the cathedral in the town squa
1 von 12

Die Überreste der Kathedrale von Ypern. Belgien wurde trotz seiner Neutralität von den Deutschen am 4. August 1914 angegriffen, die somit die Befestigungen an der deutsch-französischen Grenze überwinden wollten. Zum Leidwesen des Reiches setzten sich die Belgier entschieden zur Wehr, was die Deutschen mit großer Brutalität bestraften.

huGO-BildID: 37568073 SEVEN OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE - In this undated file photo, Serbian soldiers take position on th
2 von 12

Der Kampf tobte auch im Südosten Europas: Serbische Soldaten nutzten selbst den kleinsten Schutz im Kampf gegen die weitaus größere Armee aus Österreich-Ungarn. Diese offenbarte im Laufe der Kriegsjahre jedoch große Schwächen und wären ohne die Hilfe des Deutschen Reiches häufig auf verlorenem Posten gewesen.

Lanzenreiter der osmanischen Kalvalerie
3 von 12

Lanzenreiter der osmanischen Kavallerie. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Reiterei mit die stärkste Kraft einer Armee, diese verlor jedoch durch den Einsatz moderner Kampfmittel wie Maschinengewehren und Granaten an Bedeutung.

47364333
4 von 12

Angriff mit Gasmaske: Wenn der Wind drehte, konnten chemische Waffe zur großen Gefahr für die eigenen Soldaten werden.

Erster Weltkrieg - Verdun
5 von 12

Die Ruinen von Verdun im Jahr 1916. Die Schlacht gilt als eine der verheerendsten des Ersten Weltkriegs. Dabei ging es praktisch nur um wenige hundert Meter Landgewinn.

huGO-BildID: 37568066 THIRTY FIVE OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE-In this undated file photos German troops cut a barbed wire
6 von 12

Deutsche Soldaten beim Durchschneiden von Stacheldraht. Tausende Tonnen wurden täglich an der Front verlegt. Stacheldraht war ein sehr effektives Mittel, um das schnelle Vorrücken der Angreifer zu behindern.

Erster Weltkrieg - Verdun
7 von 12

Gefangene französische Soldaten nahe Verdun im Jahre 1916. Die Schlacht um das kleine, aber strategisch bedeutsame Städtchen dauerte von Februar bis Dezember 1916 und kostete über 300.000 Soldaten das Leben.

Nun stellt sich die Frage, warum verkauft die Armee dem Feind Geräte und beraubt sich so freiwillig eines sehr wichtigen Vorteils in der Schlacht? Weil die Rohstoffknappheit vor allem in einem Bereich derart eklatant war, dass sich der Deal offenbar lohnte: Die Deutschen brauchten dringend Gummi. Die Lkw fuhren damals mit Stahlreifen – so eklatant war der Mangel.

Also lieferten die Deutschen im August 1915 rund 32.000 Feldstecher an die Briten. Wie hoch die Menge Gummi ist, die man dafür in der Schweiz bekam, ist nicht bekannt. Die deutschen Soldaten an der Front wunderten sich wenige Tage später auf jeden Fall kräftig über die neue Ausrüstung ihrer Kontrahenten.

 

Startseite

Mehr zu: Ferngläser für den Feind - Wie deutsche Firmen halfen, die eigenen Soldaten zu töten

0 Kommentare zu "Ferngläser für den Feind: Wie deutsche Firmen halfen, die eigenen Soldaten zu töten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%