Kriegswirtschaft Der Kampf gegen die Rohstoffknappheit

Im Krieg mangelte es an vielem – vor allem aber an Rohstoffen. Technische Neuerungen und ein kompliziertes Miteinander von Staat und Unternehmen lösten das Problem, aber nur teilweise und zu einem hohen Preis.
Kommentieren
Der Hunger ist groß: Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft. Quelle: dpa

Der Hunger ist groß: Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKriegsbrot ist nicht hart. Kein Brot, das ist hart. Solche Sätze kennt manch einer noch von seinen Großeltern. Die enorm knappe Versorgung mit Rohstoffen traf im Ersten Weltkrieg alle Wirtschaftsbereiche – nicht nur die Landwirtschaft, wo es an helfenden Händen, Pferden sowie Futter- und Düngemittel mangelte. Durch die britische Seeblockade landeten praktisch keine Rohstoffe mehr in deutschen Häfen. Die Folgen waren auch für die Bevölkerung erheblich. Im Oktober 2014 entstand der Begriff „Kriegsbrot“, das bis zu 20 Prozent Zusätze aus der Kartoffelproduktion enthielt, um Weizen und Roggen zu sparen.

Der Industrie fehlte es vor allem an Chrom, Nickel, Schwefel, Salpeter, Rohöl und Kautschuk. So führte der Mangel an Gummi dazu, dass Lastwagen im Feld mit Stahlreifen fahren mussten. Um an den begehrten Stoff zu kommen, wurden geradezu hilflose Geschäfte mit Großbritannien gemacht. Metall war so knapp, dass weit mehr als 10.000 Kirchenglocken eingeschmolzen wurden und Bürger ihre Kochtöpfe und Türklinken abgeben mussten.

An der Front machte sich vor allem der Mangel an Salpeter bemerkbar, der für die Herstellung von Artilleriesprengstoffen und Munition gebraucht wurde. Bis dahin hatte das Deutsche Reich Salpeter aus Chile importiert, doch die Restbestände an den Häfen in Hamburg, Antwerpen und Ostende schmolzen rasch dahin, als die britische Seeblockade ihre Wirkung entfaltete. Der monatliche Bedarf allein für das Heer jedoch stieg von 6500 Tonnen im Herbst 2014 auf 10.000 Tonnen im Frühjahr 2015 und 20.000 Tonnen im Herbst 2016.

Die Weltwirtschaft war schon längst global angelegt. Walther Rathenau schrieb damals: „Die Wirtschaft der Völker ist unaufhörlich miteinander verquickt; auf eisernen und wässernen Straßen strömt der Reichtum aller Zonen zusammen.“ Der Politiker und Industrielle, der zu einer der schillerndsten Figuren des Reiches und eine der wichtigsten in der Wirtschaft avancieren sollte, machte seinen Landsleuten unmissverständlich klar, dass praktisch alle relevanten Produkte „fremdländische Beimengungen“ in sich tragen.

Auf sein Anraten nahm schon Mitte August 1914 die Reichsrohstoffabteilung ihren Dienst – mit ihm als Leiter. „Durch seine Herkunft und seine Erfahrungen war er in besonderer Weise für diese Funktion prädestiniert“, schreibt der Historiker Jörn Leonhardt in seinem Buch „Die Büchse der Pandora“.

Das Leben und Leiden der Soldaten
Erster Weltkrieg - Mobilmachung
1 von 21

Mobilmachung im August 1914 in Deutschland: Die Menschen Unter den Linden in Berlin greifen nach den Extrablättern, die den Ausbruch des Krieges bekanntgeben. Vor allem in den Gesichtern der Damen ist eher Sorge als Freude zu erkennen ...

Deutsche Soldaten ziehen in den Ersten Weltkrieg
2 von 21

... was sich kurz darauf zumindest scheinbar ändert: Die deutschen Soldaten ziehen in den Krieg und verabschieden sich voller patriotischem Pathos von ihren Liebsten.

Erster Weltkrieg - Mobilmachung
3 von 21

Ob jung oder alt – die Kriegsbegeisterung in Deutschland war groß. Auch dieser nicht mehr ganz so junge Freiwillige ließ sich offenbar davon anstecken. Der festlich geschmückte Zug brachte die Truppen an die Westfront. Das Bild stammt aus dem August 1914 und wurde in Leipzig geschossen.

Erster Weltkrieg - Mobilmachung
4 von 21

Über Metz nach Paris: Viele lachende Gesichter sind zum Abschied in München zu sehen. Ein großer Teil der Soldaten sollte nicht von der Front zurückkommen. Die traurige Bilanz nach vier Jahren Krieg: rund 8,5 Millionen Gefallene, über 21 Millionen Verwundete und fast 8 Millionen Kriegsgefangene und Vermisste.

huGO-BildID: 37546298 FOUR OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE - In this undated file photo, Prussian soldiers leaving Berlin for
5 von 21

Abschied in Berlin: Hier bekommt ein Soldat Blumen, die ihm Glück bringen sollen.

huGO-BildID: 37546517 FORTY FOUR OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE-In this undated file photo, a British recruiting poster displ
6 von 21

Die Briten mussten zu Beginn des Krieges Freiwillige mobilisieren, da die allgemeine Wehrpflicht erst 1916 eingeführt wurde. Hier wirbt Feldmarschall Herbert Kitchener für die Sache.

Österreich im ersten Weltkrieg
7 von 21

Für viele Soldaten hieß es zunächst einmal: marschieren. Hier ziehen österreichische Soldaten mit Pferden durch ein Tal im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien.

Rathenau wurde 1967 als Sohn eines deutsch-jüdischen Industriellen geboren. Emil Rathenau war wiederum Sohn des Gründers der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft – noch heute bekannt als AEG. Dieses Erbe sollte auch Walther Rathenau fortführen. Er durfte sein künstlerisches Interesse nicht ausleben, sondern musste Chemie, Physik und Maschinenbau studieren.

Später wurde er zu einem neuen, hochmodernen Typus Manager, der die Vorteile der global vernetzten Ökonomie erkannte und schon deshalb den Krieg ablehnte. Der 1890 nicht zum Offiziersexamen zugelassene Jude war eine ambivalente Persönlichkeit, die in dem Krieg neue Handlungsmöglichkeiten entdeckte. So wurde Rathenau dem Ruf gerecht, der „wirtschaftliche Generalstabschef hinter der Front“ zu sein.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Rettung durch das Haber-Bosch-Verfahren
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Kriegswirtschaft: Der Kampf gegen die Rohstoffknappheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%