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15 Soldaten tot Putin geht bei Abschuss von Militärmaschine von tragischem Versehen aus

Kreml-Chef Putin sieht im Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeuges über Syrien eine Verkettung tragischer Umstände – und entschärft damit frühere Vorwürfe gegen Israel.
Update: 18.09.2018 - 22:10 Uhr Kommentieren
Russland macht Israel für Abschuss von Militärjet verantwortlich Quelle: AFP
Russisches Transportflugzeug

Eine russische Militärmaschine des Typs IL-20M wurde über Syrien abgeschossen.

(Foto: AFP)

MoskauTödlicher Zwischenfall im Mittelmeer: Ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Il-20 mit 15 Besatzungsmitgliedern an Bord ist am späten Montagabend von den Radaren verschwunden. Einen Tag später räumte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow ein, dass die Maschine durch so genanntes „friendly fire“ verloren gegangen sei. Überlebende hat es offenbar nicht gegeben. Leichenteile und Trümmer des Flugzeugs wurden im Meer entdeckt. Die Bergungsarbeiten dauerten nach Angaben Konaschenkows noch an.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Abschuss nun als Verkettung tragischer Umstände bezeichnet und damit frühere Vorwürfe seines Verteidigungsministers gegen Israel entschärft. „Eine israelische Maschine hat unser Flugzeug nicht abgeschossen“, sagte Putin am Dienstag. Man müsse aber noch genau untersuchen, was in Syrien passiert sei.

Zunächst hatte das Verteidigungsministerium in Moskau erklärt, Israel habe den Abschuss provoziert. Die israelische Armee wies jede Verantwortung von sich. Später telefonierte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Putin. Dabei habe er die Verantwortung für den Abschuss Syrien zugeschrieben, teilte sein Büro mit.

Zugleich habe Netanjahu zugesagt, Russland alle notwendigen Informationen zur Aufklärung des Zwischenfalls zur Verfügung zu stellen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach ebenfalls von einem unglücklichen Zwischenfall, der die Notwendigkeit einer politischen Lösung unterstreiche.

Das Flugzeug wurde durch eine syrische Luftabwehrbatterie abgeschossen – allerdings ausgerechnet durch eine Rakete, die Russland an die Assad-Truppen geliefert hatte. Trotzdem gab das russische Militär zunächst der israelischen Luftwaffe und der französischen Flotte die Schuld.

Israelische Bomber hatten zur gleichen Zeit Luftangriffe auf Ziele in der syrischen Stadt Latakia geflogen und waren von der syrischen Luftabwehr bekämpft worden. Die Fregatte „Auvergne“ hatte unterdessen in dem Sektor, in dem die Il-20 flog, Marschflugkörper abgeschossen, wodurch sich die Lage noch weiter verkomplizierte.

Der Hauptvorwurf Konaschenkows hatte sich vor Putins Statement an Israel gerichtet: „Indem sie sich hinter einem russischen Flugzeug versteckten, haben sie es ins Visier der syrischen Luftabwehr gebracht. Im Ergebnis ist die Il-20, deren effektive Reflexionsfläche um ein Vielfaches größer ist als die der F-16, abgeschossen worden“, klagte er. Der Militärsprecher äußerte die Vermutung, dass die israelische Luftwaffe die Situation absichtlich herbeigeführt habe.

Auch Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman offiziell die Schuld für den Abschuss vollständig Tel Aviv zugeschoben.

Die bilateralen Beziehungen beider Länder könnten durch den Vorfall auf eine Zerreißprobe gestellt werden. Putins Entschärfung der Vorwürfe seines Verteidigungsministeriums entziehen einer Zuspitzung aber zunächst den Zündstoff.

Bislang hatten Tel Aviv und Moskau trotz unterschiedlicher Ziele in Syrien einen offenen Konflikt vermeiden können. Vor sechs Jahren hatte Wladimir Putin noch auf Drängen von Benjamin Netanjahu einen Vertrag über die Lieferung moderner S-300-Raketen zur Flugabwehr an Damaskus wieder rückgängig gemacht.

Mit der Eskalation des syrischen Konflikts in einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA nahm allerdings die Moskauer Rücksichtnahme auf israelische Sicherheitsbedenken ab – inzwischen sind nicht nur S-300 unter Assads Kontrolle in Syrien stationiert, sondern sogar noch modernere S-400 Boden-Luft-Raketen, die allerdings rein russischer Kontrolle unterstehen.

Trotzdem hatten bis zuletzt beide Seiten versucht, sich im Bürgerkriegsland nicht ins Gehege zu kommen. Netanjahu war mehrfach zu Geheimabsprachen in Moskau. Diese könnten durch einen Vorfall wie den Abschuss ernsthaft in Frage gestellt werden. Russland könnte als Konsequenz Israel sowohl die Kontrolle der Golanhöhen streitig machen als auch die ohnehin schon starken Positionen des Irans in Syrien weiter festigen. Beides würde in Tel Aviv als massive Bedrohung der nationalen Sicherheit aufgefasst werden.

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