Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

20 Jahre Tiananmen: Das große Schweigen

Seite 2 von 4:

Bao Tong war 1989 engster Vertrauter von Parteichef Zhao Ziyang. Der wollte mit den Studenten, die sich nach Freiheit sehnten, eine friedliche Lösung finden, weswegen er abgesetzt und kaltgestellt wurde. Bis zu seinem Tode 2005 lebte Zhao unter Hausarrest, auch Bao Tong steht unter 24-Stunden-Bewachung. Er hat kein Internet, seine Post wird geöffnet, das Telefon abgehört.

Der Aufzug kommt oben an, Bao bittet in sein Drei-Zimmer-Reich. Er habe sich mit seinem Leben im Käfig arrangiert, sagt er, die Augen fixieren sein Gegenüber. Doch Frieden hat er noch lange nicht geschlossen mit den Kommunisten. Mao und seine Partei nennt er eine "Katastrophe" für China, den Reformer Deng Xiaoping nennt er einen "Hexer", der das Volk verführt habe.

Und Jiang Zemin, Zhao Ziyangs Nachfolger, war in Bao Tongs Augen nichts als ein "Unterdrücker".

Die Lehren von 1989, die seien offensichtlich, sagt Bao Tong, der einst die Reden für Parteichef Zhao Ziyang schrieb. China brauche ein Mehrparteiensystem: "Eine Partei kann nicht gleichzeitig politische Partei, Regierung und Verwaltung sein." Bei solchen Sätzen lehnt sich Bao in seinem roten Sessel zurück. Er hat nicht verlernt, wann Pausen wichtig sind, um ein Argument zu stärken.

Plötzlich kann man sich gut vorstellen, wie er damals mit Parteichef Zhao über eine neue Welt, ein offeneres China debattierte. Vom Traum ist ein Farbfoto geblieben, das auf dem Holzregal steht: Zhao, herzlich lachend in blauer Mao-Jacke. Der Mann, der ein anderes China wollte.

Doch als am 3. Juni 1989 die Schüsse in Muxidi fielen, war Zhao schon zurückgetreten, saß Bao bereits im Gefängnis. Sieben Jahre verbrachte er im Straflager. Bao Tong ist der ranghöchste Politiker Chinas, der wegen der Proteste von 1989 verurteilt wurde.

Heute gestattet ihm die Partei zum Leben noch 50 Quadratmeter.

DIE STUDENTEN

Auf dem Campus der Peking-Universität kennt kaum noch einer Bao Tongs Namen. In der Morgensonne radeln Studenten zur Vorlesung, einer mit Designerbrille auf der Nase sitzt mit Laptop auf dem Rasen. Nicht weit von hier stand 1989 die "Mauer der Demokratie": Studenten schrieben ihre Wünsche auf Poster, die sie auf die Mauer klebten. Auch dieses Stück Geschichte ist weg, die Mauer längst abgerissen.

Nun steht hier stattdessen die Mauer des Schweigens. Nur wenige wollen was sagen. 1989? "Darüber weiß ich nicht viel", sagt ein Chemiestudent, lacht verlegen, geht weiter. Ein Wirtschaftsstudent reagiert nervös. "Damals ist sicher Unrecht passiert", sagt er, "aber das ist vergangen. Ich finde, wir sollten in die Zukunft schauen."

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen