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Giftgasangriff auf Kurden

Sechs verletzte Kurden aus der nordirakischen Stadt Halabdscha treffen 1988 auf dem Rhein-Main-Flughafen ein.

(Foto: dpa)

30 Jahre nach Giftgasangriff Irakische Giftgasopfer verklagen deutsche Firmen

30 Jahre nach einem Giftgasangriff des irakischen Diktators Hussein wird deutschen Firmen vorgeworfen, bei der Chemiewaffen-Produktion geholfen zu haben.
25.04.2018 - 11:38 Uhr Kommentieren

Bagdad Es ist gegen 11 Uhr am 16. März 1988, als gelber Rauch durch die Straßen der kleinen irakischen Stadt Halabdscha wabert. Kampfflugzeuge kreisen über dem Ort an der Grenze zum Iran, 45 Minuten lang, wie Augenzeugen später berichten. Der Rauch stellt sich als Giftgas heraus, vermutlich Sarin und Senfgas. Mehr als 5000 Menschen sterben nach Angaben eines Opferverbandes, 10 000 werden verletzt. Halabdscha steht für einen der brutalsten Giftgasangriffe nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun, 30 Jahre später, holt diese Vergangenheit mehrere deutsche Firmen wieder ein.

Am Tag vor der Giftgasattacke hatten kurdische Rebellen zusammen mit Einheiten der iranischen Armee Halabdscha eingenommen. Iraks Diktator Saddam Hussein will ein Exempel statuieren - und greift die Stadt an.

Im Namen von neun Hinterbliebenen und deren Familien hat der Anwalt Gavi Mairone einer US-amerikanischen Kanzlei nun Klage am Zivilgericht in Halabdscha eingereicht. Er wirft mehreren europäischen und deutschen Firmen und Einzelpersonen unter anderem Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Komplott zur Durchführung von Völkermord vor. Insgesamt fordern die Kläger Entschädigungen in Höhe von mehr als vier Milliarden US-Dollar.

Kurdisch-irakische Studenten zeigen 2005 Bilder von Opfern des Giftgasangriffs auf Halabdscha. Quelle: dpa
Gedenken an kurdische Tote

Kurdisch-irakische Studenten zeigen 2005 Bilder von Opfern des Giftgasangriffs auf Halabdscha.

(Foto: dpa)

„Es steht außer Frage, dass deutsche Firmen im Irak unterirdische Fabriken gebaut haben, die sie „Bunker“ genannt haben, um „Pestizide“ zu produzieren“, sagt Mairone. „Sie selbst haben in ihren Dokumenten offen gelegt, dass die „Pestizide“ dazu da waren, „Perser und Israelis“ zu töten.“ Seit Oktober 1980 sollen Mitarbeiter der beklagten Firmen immer wieder mit Offiziellen des Saddam-Regimes in Kontakt gestanden haben, um die Konstruktion von Chemiewaffenfabriken im Irak, sowie die Herstellung von Nervengiften zu planen, so der Vorwurf.

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    Neben der Firma Karl Kolb GmbH aus dem hessischen Dreieich und Heberger Bau aus Rheinland-Pfalz steht auch der Name des größten europäischen Touristikkonzerns in der 85 Seiten langen Anklageschrift: Die Tui AG mit Sitz in Hannover. Dass die Tui, die sonst mit Reisen zu Traumstränden und Kreuzfahrten in der Karibik wirbt, sich jetzt mit einem Giftgasangriff im Irak auseinandersetzen muss liegt daran, dass sie Rechtsnachfolgerin des früheren Industriekonzerns Preussag ist.

    Im Zuge wirtschaftlicher Krisen wurde die „Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft“ nach und nach umgebaut, verabschiedete sich vom Bergbau und konzentrierte sich in den 90er Jahren verstärkt auf Dienstleistungen und Tourismus. 1997 kaufte sich die Preussag bei Hapag-Lloyd ein und bekam so einen Anteil am Reiseunternehmen Tui, das sie später komplett übernahm. 2002 nannte sich die Preussag AG in Tui AG um. Von der industriellen Vergangenheit ist fast nichts mehr übrig.

    In der Konzernzentrale in Hannover sieht man der Klage gelassen entgegen. Eine Klageschrift sei bislang nicht eingegangen, die Vorwürfe seien aber bekannt. „Die Forderungen entbehren jeder tatsächlichen und rechtlichen Grundlage“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die juristische Klärung wurde bereits in den Jahren 1987 bis 1996 (...) abgeschlossen.“ Der Preussag hätten im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen keine Vorwürfe gemacht werden können.

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