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30 Jahre nach Tschernobyl Russlands strahlende Zukunft

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Putin will 28 neue Atomreaktoren

Geht es bei den Ukrainern vor allen Dingen ums Konservieren der Altbestände, ist das russische Atomprogramm deutlich ambitionierter. 28 neue Atomreaktoren will Wladimir Putin in den nächsten Jahren bauen. Derzeit sind 35 Reaktorblöcke (in zehn AKW) mit einer Leistung von weit über 25.000 Megawatt in Betrieb. Der Anteil der Kernenergie am Gesamthaushalt soll durch die Expansion trotz Russlands Öl- und Gasreichtum auf 20 bis 30 Prozent steigen. Zuletzt lag der Indikator bei immerhin schon 18 Prozent.

Bereits in diesem Sommer könnte nach mehrfacher Verzögerung das Kernkraftwerk Nowoworonesch-2 am Don in Betrieb gehen. Es soll das alte AKW Nowoworonesch ersetzen, das bereits seit 1958 am Netz ist.

Ärger gibt es hingegen um das AKW Kaliningrad. Der Bau wurde 2014 eingefroren und wird nach Angaben des Energieministeriums wegen „veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ auf absehbare Zeit nicht wieder aufgenommen. Russland hatte mit dem AKW nicht nur die Selbstversorgung der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad, sondern auch den Stromexport nach Polen, Litauen und sogar Deutschland geplant. Bei den Nachbarn ist das Projekt allerdings umstritten, die politischen Differenzen infolge der Ukraine-Krise dürften endgültig alle Exportpläne begraben haben.

Dabei ist Russland durchaus erfolgreich beim Export seiner Atomindustrie: Meiler russischer Bauart sind so in den vergangenen Jahren unter anderem in China, Indien und – trotz der internationalen Sanktionen – auch in Iran entstanden. Nach der Fertigstellung des AKW Bushehr hofft die russische Atombehörde RosAtom auf Folgeaufträge. Allein die Atomkooperation mit den Mullahs soll Moskau rund acht Milliarden Dollar einbringen.

Russland setzt dabei nicht nur auf herkömmliche Kraftwerke, sondern experimentiert derzeit sogar mit einem schwimmenden AKW. Der 2018 erwartete Prototyp „Akademiker Lomonossow“ ist zwar mit einer verhältnismäßig geringen Leistung (35 Megawatt) konzipiert worden, soll aber aufgrund seiner Mobilität im küstennahen Bereich flexibel einsetzbar sein – und dann auch zum Exportschlager werden.

Während russische Ökologen den warnenden Zeigefinger heben, wischt die russische Führung Sicherheitsbedenken konsequent beiseite. Während so alle Welt 2011 nach Fukushima über den Ausstieg aus der Kernenergie nachdachte, erklärte Putin unerschüttert, dass russische AKW sicher seien und unterzeichnete prompt ein Abkommen über den Bau eines Kraftwerks im benachbarten Weißrussland – mit russischer Technologie und russischen Krediten.

Für Weißrussland, das von der Tschernobyl-Katastrophe besonders geschädigt ist, wird der Bau nahe der Stadt Ostrowetz das erste AKW im Land. 2018 soll nach jüngsten Planungen der erste Block in Betrieb gehen, 2020 der zweite. Wird das Experiment als erfolgreich eingestuft, ist ein weiterer Ausbau der Kernenergie im rohstoffarmen Weißrussland möglich.

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