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Militärparade

Soldaten marschieren bei der Parade über den Platz des Himmlischen Friedens.

(Foto: dpa)

70. Gründungstag der Volksrepublik Xi Jinping bei der Parade: „Keine Macht kann China aufhalten“

Panzer, Düsenjets, Zehntausende Soldaten: In Peking feiert sich die Kommunistische Partei mit einer riesigen Militärparade selbst. In Hongkong allerdings demonstrieren die Menschen weiter.
4 Kommentare

Peking Es ist 9.58 Uhr, als Chinas oberste Führungsriege um Staats- und Parteichef Xi Jinping und Premierminister Li Keqiang auf die Aussichtsplattform auf dem Tor des Himmlischen Friedens tritt und damit die größte Militärparade Chinas jüngerer Geschichte eröffnet. Hundertausende Menschen stehen still auf dem Tianamen-Platz im Herzen Pekings, während das Militärorchester laute Marschmusik spielt. Über Monate hat die Kommunistische Partei auf diesen Moment hingearbeitet.

Der Platz ist weiträumig abgeriegelt, U-Bahnlinien dürfen nicht fahren, Flughäfen sind gesperrt, überall herrscht höchste Sicherheitsstufe. Um 10 Uhr gibt Li den Befehl zu Salutschüssen, 70 Kanonenschüsse werden abgefeuert. China feiert den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik – und die Kommunistische Partei (KP) sich selbst.

Es ist ein spektakuläres Ereignis, mit dem die KP ihre Erfolge und ihren absoluten Machtanspruch betonen will – nach innen wie nach außen. Laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua schauen 750 Millionen Menschen am Fernseher zu. Nur ausgewählte Zivilisten dürfen der Zeremonie beiwohnen, für alle anderen wurde die Allee des Ewigen Friedens, die schnurgerade vom Westen und nach Osten direkt am Tiananmen-Platz vorbeiführt, auch bekannt als Platz des Himmlischen Friedens, gesperrt. Auch die noch lebenden ehemaligen Partei- und Staatschefs Chinas stehen an der Seite Xis, darunter Hu Jintao und Jiang Zemin.

„Es gibt keine Macht, die die Grundlagen dieser großen Nation erschüttern kann“, sagt Xi, als die Kanonenschüsse verhallt sind. „Keine Macht kann den Fortschritt des chinesischen Volkes und der Nation aufhalten.“ Dann ruft er zur Einigkeit auf und verspricht dem Volk „noch mehr Wohlstand“

„Lasst uns dem Sozialismus chinesischer Art treu bleiben“, so Xi. Mit Blick auf die seit fünf Monaten anhaltenden Proteste in Hongkong fordert er „langfristige Stabilität“ in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Er bekräftigt den Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“, nach dem die frühere britische Kronkolonie autonom regiert wird. „Der Kampf für eine vollständige Wiedervereinigung des Vaterlandes muss fortgesetzt werden“, fordert er mit Blick auf Taiwan. Carrie Lam, die Regierungschefin Hongkongs, sitzt hinter der Führungsriege in der zweiten Reihe und lächelt.

Die seit mittlerweile vier Monaten andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone überschatteten die Feierlichkeiten. Kurz vor dem 70. Jahrestag hatten Hongkongs Behörden einen großen Protestmarsch zum 1. Oktober verboten und mehrere Aktivisten festgenommen.

Bei der Parade werden auch die modernsten Waffen der Volksrepublik präsentiert. Quelle: AFP
Militärfahrzeuge

Bei der Parade werden auch die modernsten Waffen der Volksrepublik präsentiert.

(Foto: AFP)

Laut Medienberichten kursieren in Kreisen asiatischer und westlicher Gesandter Schätzungen, wonach mittlerweile bis zu 12.000 Militärangehörige Pekings in Hongkong stationiert seien. In den Monaten zuvor seien es lediglich bis zu 5000 gewesen. Es sei davon auszugehen, dass sich so viele aktive Mitglieder der Volksbefreiungsarmee und anderer Sicherheitskräfte in Hongkong befänden wie nie zuvor.

Im chinesischen Staatsfernsehen erinnert das Kommentatoren-Paar voller Pathos die Zuschauer an die vom chinesischen Volk erbrachten Opfer der vergangenen 70 Jahre, die herausragende Rolle der Kommunistischen Partei Chinas und der Volksbefreiungsarmee bei der Errichtung Chinas.

Alles ist perfekt choreografiert an diesem Oktobertag in Peking, einzig das Wetter spielt nicht mit: Über der ganzen Stadt hängt bereits seit Tagen dichter Smog. Um 10.17 Uhr fährt Xi mit einer schwarzen Limousine langsam vom Tor des Himmlischen Friedens nach Osten bis fast an die zweite Ringstraße, vorbei an Hunderten strammstehenden Soldaten der verschiedenen Truppen der Volksbefreiungsarmee.

Seine Jacke flattert leicht im Fahrtwind, Xi blinzelt häufig, während er die Truppen im Schnelldurchlauf begutachtet. Auf der Höhe seines Oberkörpers sind vier schwarze Mikrofone angebracht. Xi ragt kerzengerade aus dem Dachfenster der Limousine heraus, mit immer dem gleichen Lächeln auf den Lippen ruft er den Soldaten „Hallo, Kameraden“ zu, und „Ihr habt hart gearbeitet“.

„Es gibt keine Macht, die die Grundlagen dieser großen Nation erschüttern kann.“ Quelle: AP
Xi Jinping

„Es gibt keine Macht, die die Grundlagen dieser großen Nation erschüttern kann.“

(Foto: AP)

Um 10.27 Uhr macht sich Xis Limousine wieder zurück auf den Weg zum Tiananmen-Platz, wo der Präsident bereits von Tausenden Fähnchen schwingenden Zuschauern erwartet wird. Die Soldaten rufen ihm noch seinen eigenen Slogan entgegen, den er 2013 zum ersten Mal auf dem Volkskongress ausrief: „Hört auf den Befehl der Kommunistischen Partei; kämpfe, um zu gewinnen; baut ein gutes Verhalten auf“, sagen sie im Chor.

Was dann folgt, ist eine Militärparade der Superlative: Während Xi über dem riesigen Porträt von Mao Zedong steht, marschieren 15.000 Soldaten an ihm vorbei vom Osten nach Westen über die Straße des Ewigen Friedens, 580 Panzer und andere Fahrzeuge rollen vorbei, Waffensysteme werden präsentiert, 160 Flugzeuge, Hubschrauber und Düsenjets fliegen in diversen Formationen darüber. Amphibienfahrzeuge fahren über die breite Allee an dem winkenden Xi vorbei, Militärtransporter tragen Drohnen und nuklear bestückbare Interkontinentalraketen.

Bei der Parade nahmen neben den Soldaten auch Zivilisten teil. Quelle: AP
Parade in Peking

Bei der Parade nahmen neben den Soldaten auch Zivilisten teil.

(Foto: AP)

Eine so umfangreiche Präsentation von Militärequipment ist laut Experten selbst für chinesische Verhältnisse üppig. China lässt die Muskeln spielen und zeigt auch moderne Waffensysteme: Die auf der Parade zum ersten Mal vorgeführte DF-17-Hyperschallrakete kann angeblich alle Raketenschutzschilde der USA und deren Verbündeten überwinden. Und die DF-40 stellt die jüngste Generation chinesischer Interkontinentalraketen dar.

Aus Sicht der KP dürfte die Parade bislang ein Erfolg sein. Alles läuft nach Plan. Auf sozialen Netzwerken ist von Kritik an der chinesischen Führung nichts zu sehen. Die einzigen negativen Kommentare, die man auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo über die Militärparade vernehmen kann, gehen auf eine angeblich schlechte Kameraperspektive ein. Auf WeChat Moments, die einem Facebook-Newsfeed gleichen, posten viele Chinesen patriotische Bilder und Slogans.

Ob das so bleibt, ist jedoch fraglich. Noch während Xi den Teil der Parade abnimmt, in dem Tausende Zivilisten mit Vorführungen ihren Patriotismus zeigen, versammeln sich in Hongkong Regierungskritiker zu einer unerlaubten Demonstration.

Mehr: Das Peking-Paradox: Chinas unheimlicher Erfolg mit dem Staatskapitalismus.

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4 Kommentare zu "70. Gründungstag der Volksrepublik: Xi Jinping bei der Parade: „Keine Macht kann China aufhalten“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Erinnert fatal an den Erich Honecker von Anfang 1989:
    "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs´noch Esel auf!"
    Geschichte wiederholt sich nicht - aber sie reimt sich.

  • Es sind nicht die ein bis zwei Grad Klimaerwärmung, die unseren Planeten bedrohen. Meine Sorge sind die großen Nationen mit ihrem explodierenden Technologiefortschritt.
    Die Starken und Mächtigen haben das Sagen, seit eh und je

  • Herr Zimmer, Klima-Schaden muss pro Kopf gerechnet werden, und da werden die
    Chinesen die Amerikaner mit Sicherheit nicht einholen. Bei der Wirtschaftsleistung schon.

  • Super Klimabeitrag !!!!

    Keine Macht kann China aufhalten, vielleicht aber doch! Es gibt
    noch die NATUR !!!!

    und die zeigt wo wir hinsteuern, gut so!