70 Jahre Hiroshima Amerika und sein Alptraum

Die USA haben 1945 den ersten Atombombenangriff gestartet. 70 Jahre später ist das Land uneinig wie nie, ob die Atomschläge gegen Japan kriegsentscheidend und damit unabwendbar waren. Die Zahl der Zweifler wächst.
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Hat die Atombombe den Weltfrieden bewahrt?

San FranciscoEin vergilbter Zettel. Ein paar nüchterne Informationen und Anweisungen mit Schreibmaschine getippt. Gültig für: Flugzeug-Nummer 82. Pilot: Tibbet, Bombe: „Spezial“.

Es ist diese Alltäglichkeit des Flugbefehls für den 6. August 1945, die den Betrachter erschauern lässt. Das Flugzeug hat einen Namen, es war die Enola Gay. Und die Bombe war „Little Boy“. Das war die erste von zwei Atombomben, die je auf Menschen abgeworfen wurden. Sie tötete allein im japanischen Hiroshima geschätzt zwischen 60.000 und 150.000 Menschen.

Nur drei Tage später fiel eine weitere Bombe auf Nagasaki. Opfer dort? Vielleicht 80.000? Niemand weiß es wirklich. Denn viele wurden wahrscheinlich in der Sonnenglut der Explosionen einfach spurlos ausgelöscht. Viele starben erst Jahre danach an Spätfolgen, vor allem an der radioaktiven Verstrahlung.

Siebzig Jahre ist das jetzt her. Der folgenschwere Flugbefehl ist im privaten „World War II“-Museum in Boston ausgestellt. Aber längst nicht jeder Amerikaner will heute noch daran erinnert werden. Das Land ist gespalten und will das Kapitel endlich abschließen. Denn wenn die damaligen Ereignisse keine unabwendbare Notwendigkeit waren, um den Krieg zu beenden, was war es dann? Ein riesiges Kriegsverbrechen? Allein die Vorstellung ist ein Alptraum.

Hiroshima erinnert an die Opfer der Atombombe
Appell für eine atomwaffenfreie Welt
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Hiroshima hat das Gedenken an die Opfer des Atombombenabwurfs vor 70 Jahren mit einem flammenden Appell für eine atomwaffenfreie Welt verbunden. Hiroshimas Bürgermeister Kazsumi Matsui (rechts) erklärte bei der Gedenkfeier, Nuklearwaffen stünden für „die ultimative Unmenschlichkeit und das absolute Böse“, das beseitigt werden müsse.

Zehntausende bei Gedenkfeier
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Zehntausende Gäste fanden sich am Jahrestag des Bombenabwurfs im Friedenspark der Stadt zu einer Gedenkfeier ein. Dort, in der Nähe des Epizentrums des Atomwaffenangriffs, legten sie um 8:15 Uhr eine Schweigeminute ein.

Tauben als Zeichen des Friedens
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Nach der Schweigeminute wurden als Zeichen des Friedens Dutzende Tauben in den Himmel von Hiroshima entlassen.

Abe wirbt für Abschaffung von Atomwaffen
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Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, Japan habe als das bisher einzige Land, das einen Atomwaffenangriff erlebt habe, die Pflicht zu einem Engagement für die Abschaffung von Nuklearwaffen. Er selbst werde bei in Hiroshima geplanten internationalen Konferenzen im August für das Anliegen werben, versprach er.

Kontroverse um Japans Militär
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Kurz vor dem 70. Jahrestag sorgte die Entscheidung der Regierung von Abe, Japans militärische Rolle international auszuweiten, für eine Kontroverse im Land. Vor einem Jahr hatte das Kabinett bereits die pazifistische Verfassung des Landes gelockert und sie neu ausgelegt.

Gäste aus den USA
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Als Gäste aus den USA nahmen Botschafterin Caroline Kennedy (rechts) und Rose Gottemoeller als Vertreterin des US-Außenministeriums an der Gedenkfeier teil.

Appell an Obama
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Bürgermeister Matsui forderte US-Präsident Barack Obama auf, einmal Hiroshima und Nagasaki zu besuchen und sich ein Bild von den Narben zu machen. Es könne nicht sein, dass die Nuklearmächte ihre Arsenale als Drohmittel behielten, um ihre nationalen Interessen zu wahren, kritisierte er.

Bereits zu den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Bombenabwürfe im Jahr 1995 brach der unterdrückte Konflikt über diesen Teil der Kriegsvergangenheit offen aus. Das renommierte Smithsonian Institute bereitete eine große Ausstellung vor, dessen Prunkstück das Cockpit der Elona Gay sein sollte. Eine wütende Auseinandersetzung zwischen Kriegsveteranen, die die Japaner zu sehr als Opfer dargestellt sahen, und jüngeren Atom-Gegnern darüber, wie an das Geschehen erinnert werden sollte, erzwang den Ausschluss des umstrittenen Flugzeugs und entfachte eine generelle Diskussion.

Direkt nach dem Krieg war die Sache noch glasklar: Eine Gallup-Umfrage brachte 1945 in der Bevölkerung eine Zustimmungsquote von 85 Prozent zum Atomeinsatz. Die USA, immer noch traumatisiert und gedemütigt durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor, waren einfach froh, dass das Kriegsgrauen endlich vorbei war. Auch Dank Enola Gay.

Und eigentlich wusste auch niemand, was wirklich passiert war. Das „Manhattan Project“ war unter strengster Geheimhaltung vorangetrieben worden. Nicht einmal der Kongress hatte die Details gekannt. Und die offizielle Begründung klang glaubwürdig: Die Bomben hätten ein noch immer waffenstarrendes Japan in die sofortige Kapitulation gezwungen und so hunderttausenden von Menschen, Amerikanern und Japanern, das Leben gerettet. Doch mit den Jahren brachten Historiker immer mehr Details ans Tageslicht. Die Notwendigkeit und Legitimation der Bombenabwürfe wurde immer mehr angezweifelt.

Das amerikanische PEW-Forschungsinstitut hat deshalb Anfang 2015 noch einmal nachgefragt, und diesmal waren die Ergebnisse anders. Nur noch 56 Prozent der Amerikaner halten das damalige Vorgehen für gerechtfertigt, 34 Prozent nicht. Dramatische Unterschiede gibt es in der Demografie. Bei den über 65-Jährigen ist die Zustimmung noch immer mit 70 Prozent sehr hoch, bei den Jüngeren nicht. Immerhin 74 Prozent der republikanischen Wähler verteidigen weiter die Atomschläge, aber nur 52 Prozent der Demokraten.

Denkanstoß für zukünftige Generationen
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8 Kommentare zu "70 Jahre Hiroshima: Amerika und sein Alptraum"

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  • Menschliche Erregung und wissenschaftliche Belanglosigkeit stehen nicht im Widerspruch.

    In anderen Kulturen meint man, dass unbedeckte Frauenhaare den Weltuntergang bedeuten und so gibt es dort sehr emotionale Bekundungen dagegen.

    Hierzulande gibt es eine Phantasieberichterstattung zum Thema Radioaktivität, Kernenergie und so fürchten sich viele vor "Verstrahlungen" und dämonischen Atomstrahlen.

  • Klasse. So liebe ich es. Für jedes Problem gibt es eine Lösung - universell einsetzbar und überall gültig: Das Problem wird als Märchen deklariert und verschwindet im Nirvana. Geil. Warum Bloß protestieren so viele Bayern gegen ein Endlager in ihrem Staat, wenn es doch nur ein Märchen ist? Die spinnen, die Römer, äh Bayern natürlich.

  • @Marc Otto
    Ich empfehlen ihnen mal diesen Link inkl. Video http://nuklearia.de/2015/03/11/maschinen-der-freiheit-vortrag-zum-download/#more-3550
    wenn Sie wissen wollen, wohin die Energiegewinnung in Zukunft zu finden ist.

  • Die "ungelöste Endlagerfrage" ist in erster Linie ein kommunikatives Problem.

    Die Ökosaga der "ungelösten Endlagerfrage" ist vermutlich aufgrund ihrer Substanzlosigkeit die erfolgreichste Ökosaga in Deutschland. Beim "Waldsterben" oder dem "Klimawandel"* konnte man mit einem Blick aus dem Fenster feststellen, dass es sich um einen Ökoschwindel handelt. Die Ökosaga der "ungelösten Endlagerfrage" handelt von unsichtbaren, tödlichen Strahlen. Das regt die Phantasie vieler Mitmenschen sehr an.

    Sachlich gesehen sind die Mengen hochradioaktiver Abfälle sehr gering, ein x-tausendstel der Giftmüllmengen aus der Herstellung umweltschädlicher Solaranlagen.

    *Gem. älterer Prophezeihungen der Klimaschwindler sollte es hierzulande im Winter eigentlich keinen Schnee mehr geben.

  • Die Anzahl der Opfer der Atombombenabwürfe wurde sehr intensiv von den Amerikanern untersucht. Hiroshima, Todesopfer 68.000, Verletzte 76000, Nagasaki, Todesopfer 38.000, Verletzte 21.000*. In den folgenden 30 Jahren starben statistisch zusätzlich weitere 300 Menschen an Krebs davon 80 an Leukämie**. Es wäre schön wenn sich die Journalisten ein klein wenig Arbeit machen würden wenn sie einen Artikel schreiben.

    Das Programm war ein militärisch, ökonomischer Fehlschlag. Die Kosten des Programms von 2 Mrd. $ standen nicht im Verhältnis zu den 2 abgeworfenen Bomben. Mit dem genannten Geld hätte man leicht 2000 B29 Superfortress Bomber zu je 509000$ bauen und einschließlich der erforderlichen Infrastruktur bereitstellen können, die in etwa 25 Einsätzen mit jeweils 4to Bomben 200.000 to Bomben (die 5-fache Abwurfmenge) auf Japan hätten abwerfen können.


    *Die Wirkungen von Kernwaffen, Deutsche Bearbeitung Hermann Leutz, Herausgeber Samuel Glasstone, basierend auf Ausarbeitungen des US Verteidigungsministeriums, Carl Heymanns Verlag KG, 1964. S. 524, S538
    **Strahlenschutzpraxis

  • "..Die zivile Nutzung der Kernkraft ist heute und in zukunft um so wichtiger..."

    Meinen Sie? Wären Sie auch bereit den Atommüll, der noch strahlen wird, wenn die Menschheit längst hinüber ist, in Ihrer Nähe unterbringen zu lassen? Oder meldet sich dann der Wutbürger, der heftig gegen eine Endlagerstätte in seinem Umfeld protestiert.

  • Kernspaltung ist in der Anwendung eine zionistische Erfindung, was Spätfolgen ungeahnter Natur mit sich zieht.

    Wer es immer noch nicht begriffen hat, der faselt weiter vom "eigenständigen Universum", zerstört die Umwelt und führt damit sein Volk in den nachhaltigen Abgrund. Deutsche Hochwissenschaftler der Quantenphysik dagegen wußten es immer, dass wir und die Umwelt eins sind. Was wir der Umwelt antun, das tun wir auch uns an. Egal, ob wir es gleich sehen, oder erst viel, viel später spüren.

    Heisenberg, Tesla, Quant, Dürr sind Meilensteine des Umdenk-Prozesses.

  • Das ist 70 Jahre her und interessiert nur noch die Geschichtsschreiber. Japan hat danach seine Kernkraft (Forschung und Entwicklung) ausgebaut und die USA forschen und entwickeln weiter in der Kernkraft. Die zivile Nutzung der Kernkraft ist heute und in zukunft um so wichtiger. Und das haben die USA und Japan erkannt. Auch der Rest der Welt hält überwiegend an der Nutzung der Kernkraft fest und immer mehr Länder auf der Welt wollen in die Kernkraft einsteigen. Außer Deutschland...Deutschland steigt lieber in die marktfeindliche und damit gesellschaftsfeindliche Energiewende/EEG ein.

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