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70 Jahre Pakistan Der blutige Schnitt

Die Entstehung Pakistans war eine brutale Zeit. Am 14. August feiert das Land 70 Jahre Unabhängigkeit. Dabei wirkt die Teilung von Indien bis heute nach – in den Herzen der Menschen und in der Politik ihrer Regierung.
14.08.2017 - 19:07 Uhr 1 Kommentar
Zahlreiche Menschen wohnen den Feierlichkeiten zur 70-jährigen Unabhängigkeit Pakistans bei. Seit 2015 zelebriert das Land den Feiertag auch wieder mit einer Militärparade. Lange Jahre war diese wegen der Angst vor Terroranschlägen ausgefallen. Quelle: AFP
Feierstimmung

Zahlreiche Menschen wohnen den Feierlichkeiten zur 70-jährigen Unabhängigkeit Pakistans bei. Seit 2015 zelebriert das Land den Feiertag auch wieder mit einer Militärparade. Lange Jahre war diese wegen der Angst vor Terroranschlägen ausgefallen.

(Foto: AFP)

Islamabad Der Monsunregen prasselt vom Himmel und lässt die Fensterscheiben im alten Bus neblig anlaufen, als der Postmeister und die Akademikerin sich aufmachen in die Vergangenheit. Ihr Ziel sind zwei Dörfer an der pakistanisch-indischen Grenze, Bambanwala und Ghartel. Dort wollen Mohammad Hanif und Fakhra Hassan, freiwillige Helfer eines großen Geschichtsprojekts, Erinnerungen sammeln von Menschen, die vor 70 Jahren eine der größten politischen Umstürze und Migrationswellen der Weltgeschichte überlebt haben.

Die sogenannte „partition“, die Teilung von Britisch-Indien in Indien und Pakistan im Jahr 1947, war ein brutales Kapitel. Mindestens eine Million Menschen starben in Unruhen und Massakern, die Historiker zu den schwersten religiös begründeten Massentötungen überhaupt zählen. Bis zu 15 Millionen Menschen verloren ihre Heimat, als Muslime westwärts nach Pakistan zogen oder flohen und Hindus und Sikhs ostwärts nach Indien.

Die Mitarbeiter des „1947 Partition Archive“ haben in Pakistan und Indien seit 2010 mehr als 4300 Geschichten von Überlebenden dieser Zeit gesammelt. Es ist der Beginn einer Bürger-basierten Bewegung, die die Stimme des Volkes in der Geschichtsschreibung verankern will. Denn hier, sagt Fakhra Hassan, liege ein großes Versagen des pakistanischen Staates seit seiner Gründung. „Er verweigert den Menschen ihre Erinnerungen und das Recht, um Verlorenes zu trauern.“

Fakhra Hassan (rechts), Akademikerin, und Mohammad Hanif, der eigentlich Postbeamter ist, arbeiten für das 1947 Partition Archive, eine von privaten Spenden finanzierte Organisation, die seit 2010 die Erinnerungen von Überlebenden der Spaltung von Britisch-Indien in Indien sowie das neue Pakistan im Jahr 1947 sammelt. Quelle: dpa
Geschichtensammler

Fakhra Hassan (rechts), Akademikerin, und Mohammad Hanif, der eigentlich Postbeamter ist, arbeiten für das 1947 Partition Archive, eine von privaten Spenden finanzierte Organisation, die seit 2010 die Erinnerungen von Überlebenden der Spaltung von Britisch-Indien in Indien sowie das neue Pakistan im Jahr 1947 sammelt.

(Foto: dpa)

Der Staat porträtiere die Schaffung eines Landes allein für die Muslime der Region als triumphalen Erfolg; Kritiker dieser Darstellung würden potenziell als Staatsfeinde angesehen, sagt Hassan. Am 14. August jährt sich der Unabhängigkeitstag zum 70. Mal, und an Straßenecken sprießen schon überall patriotische Sträuße grünweißer Flaggen. „Aber der Tag ist mehr als ein Triumph“, sagt Hassan. Für viele Menschen sei es der Jahrestag einer Tragödie. Es sei außerdem Zellkern vieler Probleme, die bis heute nachwirkten. Das trifft wohl vor allem auf die Politik gegenüber Pakistans Nachbarn zu, darunter Erzfeind Indien, Konkurrent im Wettrüsten mit Atomwaffen.

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    Die Teilung hat die Region – die mit 1,3 Milliarden Indern und rund 200 Millionen Pakistanern eine der am dichtesten bevölkerten der Erde ist – ungleich zurückgelassen. Indien ist in der öffentlichen Wahrnehmung heute ein selbstsicherer Staat, der sich aus der Dritten Welt herausgekämpft hat. Pakistan wiederum ist ein Staat mit maroder Wirtschaft und noch schwachen demokratischen Strukturen, dessen Oberster Gerichtshof gerade den Ministerpräsidenten abgesetzt hat. Wegen Korruption, heißt es offiziell. Es halten sich aber hartnäckig Gerüchte, dass das mächtige Militär hier möglicherweise eine Gelegenheit genutzt hat. Nawaz Sharifs Versöhnungskurs mit Indien zum Beispiel war den Generälen immer suspekt.

    Pakistan hat auch weiter ein massives Sicherheitsproblem mit einer der höchsten Dichten an extremistischen Gruppen in der Welt. Seit einigen Jahren bekämpft es sie schärfer und mit Erfolg – kneift aber dabei ein Auge zu. Viele Regierungen kritisieren scharf, dass Pakistans Geheimdienste weiter Islamisten unterstützten, die die Nachbarn Indien und Afghanistan zu destabilisieren suchen.

    Die Spannungen nehmen wieder zu
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    1 Kommentar zu "70 Jahre Pakistan: Der blutige Schnitt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ohne die Teilung in Indien und Pakistan mit 200 Millionen Muslimen, wäre Großindien vermutlich ein Land , wo Mord und Totschlag herrschen würde.
      Mit Muslimen kann man nicht zusammen leben, viele Völker kennen das auf der Welt und müssen sich gegen Unterdrückung wehren. Daher Glückwunsch an Indien und der Unabhängigkeit. Ein spannendes Kapitel der Englischen Eroberungen und ihren teilweise schlimmen Folgen.

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