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75 Jahre Kriegsende „Kostbare Opfer der Kriegstoten“: Japan bringt Südkorea gegen sich auf

In Asien ist Japans ambivalentes Verhältnis zur Geschichte schon lange ein Teil von Konflikten. Nun setzt Shinzo Abe ein revisionistisches Zeichen.
16.08.2020 - 15:06 Uhr Kommentieren
Der konservative Politiker hat beim Gedenken an das Kriegsende revisionistische Töne angeschlagen. Quelle: dpa
Japanischer Ministerpräsident Shinzo Abe

Der konservative Politiker hat beim Gedenken an das Kriegsende revisionistische Töne angeschlagen.

(Foto: dpa)

Tokio Am 75. Jahrestag des Kriegsendes in Asien rührt das Gedenken an die Toten die Seelen der Lebenden auf. Japans konservativer Ministerpräsident Shinzo Abe brach in seiner Gedenkansprache am Sonnabend endgültig mit der Entschuldigungsformel, mit der japanische Ministerpräsidenten seit 1995 den Nachbarn Reue für Japans Eroberungspolitik ausgedrückt hatten.

Abe habe Japans imperialistische Geschichte erstmals mit keinem Wort erwähnt, wertete die Zeitung „Asahi“ die Rede aus. Stattdessen betonte er die Opfer, die die japanischen Soldaten für Japan brachten, „weil sie sich um die Zukunft ihres Heimatlandes sorgten und sich das Glück ihrer Familien wünschten“. Zudem drückte er den „tiefsten Respekt und Dankbarkeit“ aus.

„Auch jetzt, am 75. Jahrestag des Kriegsendes, werden wir nie vergessen, dass der Frieden und Wohlstand, den wir heute genießen, auf den kostbaren Opfern der Kriegstoten aufgebaut wurde“, so Abe. Nur Kaiser Naruhito hielt an der Formel seines Vaters fest und drückte „tiefe Reue“ für Japans imperialistische Politik aus.

Damit setzt der Ministerpräsident Abe im wahrscheinlich letzten Jahr seiner Amtszeit den langgehegten Traum von Japans Revisionisten um, die amtlichen Entschuldigungen für Japans Kriegsverantwortung zu beenden. Abe selbst hatte vor fünf Jahren bereits erklärt, dass man nicht zulassen dürfe, dass sich künftige Generation weiter entschuldigen müssten.

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    In Teilen der Bevölkerung kommt Abe damit an. Aber diplomatisch wirkt sich dieser geschichtspolitische Wandel direkt auch auf Konflikte mit den Nachbarn China und vor allem Südkorea aus. 

    Abes Revisionismus hat diplomatische Folgen

    Zuerst konnten Japan und Südkorea einen Konflikt um koreanische Kriegsprostituierte von Japans kaiserlicher Armee nicht lösen. Nun ist auch ein juristischer Streit um koreanische Zwangsarbeiter japanischer Unternehmen zum Handelsstreit eskaliert. Lösungsversuche scheiterten auch daran, dass die koreanische Zivilgesellschaft klare Entschuldigungen von der Regierung Abe erwartete.

    Daher könnte auch das jüngste Gesprächsangebot von Südkoreas Präsident Moon Jae-in versanden. Am Sonnabend sagte er am Tag der Befreiung von Japans Herrschaft, dass seine Regierung mit Japans darüber gesprochen habe, wie im Zwangsarbeiter-Konflikt „eine zufriedenstellende Lösung in erreicht werden kann, der die Opfer zustimmen könnten“. Die Tür für solche Konsultationen stehe nach wie vor weit offen. Doch in Japan glauben viele Abe-Kritiker nicht, dass ihr Regierungschef durch die Tür treten wird.

    Unter Abe werde es keine Lösung geben, meint der Politologe Hideaki Ohta von der Ritsumeikan-Universität. Nur bei einem Regierungswechsel gibt er einer dauerhaften Annäherung Chancen. Denn auch in Abes liberaldemokratischer Partei (LDP) sieht er keine Bannerträger einer Entschuldigungspolitik.

    Im Gegenteil: Am Sonnabend gingen gleich vier Minister zum umstrittenen Yasukuni-Schrein, in dem der Seelen von mehr als zwei Millionen toten Soldaten gedacht wird. Darunter befinden sich allerdings auch 14 Japaner, die unter der US-Besatzungsmacht als Kriegsverbrecher verurteilt wurden. Daher gilt der Schrein unter linken Japanern und im Ausland als Symbol des Imperialismus. Abe selbst verzichtete auf einen persönlichen Besuch, um China und Südkorea nicht noch mehr zu verärgern. Er schickte stattdessen als Parteichef eine Opferspende.

    Japans Opposition kritisiert Abe scharf

    In Japans oppositioneller „verfassungsmäßigen demokratischen Partei“ stieß zudem auf Kritik, dass Abe in seiner Rede einen „proaktiven Beitrag für den Frieden“ versprach. Darunter verstehen Experten mehr Befugnisse für das japanische Militär, das durch die Verfassung auf die reine Landesverteidigung beschränkt ist. Yukio Edano, der Präsident der Demokraten, warnte daher: „Abe und die Regierung bedrohen zunehmend den Konstitutionalismus und Pazifismus, den unser Land seit dem Ende des Krieges gepflegt hat.“

    Auch der 96-jährige ehemalige Ministerpräsident Tomiichi Murayama, der 1995 als erster Regierungschef Japans Kriegsverantwortung voll anerkannt hatte, meldete sich zu Wort. „Es ehrt Japan, seine Vergangenheit demütig zu hinterfragen“, wandte er sich gegen Japans Konservative, die eine Entschuldigung als „geschichtlichen Masochismus“ ansehen. „In Wahrheit ist es die Weigerung, Japans Invasion und seine Kolonisierung anderer Länder zuzugeben, die diese Nation erniedrigt.“

    Mehr: Geschichtsverdrängung mit Folgen - im Handelsstreit zwischen Südkorea und Japan verhärten sich die Fronten 

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