Abdullah und Ghani Einheitsregierung in Afghanistan

Zum zweiten Mal in einem Monat ist US-Außenminister Kerry in Afghanistan, um eine Eskalation der Wahlkrise zu verhindern. Wieder wird ihm eine Einheitsregierung versprochen. Unklar ist, wer künftig Präsident sein wird.
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Können sich nicht auf einen endgültigen Wahlsieger einigen: Die beiden Kontrahenten Abdullah Abdullah (l.) und Ashraf Ghani Ahmadzai. Quelle: ap

Können sich nicht auf einen endgültigen Wahlsieger einigen: Die beiden Kontrahenten Abdullah Abdullah (l.) und Ashraf Ghani Ahmadzai.

(Foto: ap)

KabulIn der Wahlkrise in Afghanistan haben die Kontrahenten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani schriftlich die Bildung einer gemeinsamen Einheitsregierung vereinbart. Das verkündeten die beiden Kandidaten für das Präsidentenamt am Freitag nach Vermittlungsgesprächen mit US-Außenminister John Kerry in Kabul. Wie die Einheitsregierung konkret aussehen soll, wurde nicht mitgeteilt.

Unter Vermittlung Kerrys hatten sich Abdullah und Ghani vor rund einem Monat darauf geeinigt, alle 8,1 Millionen Stimmen der Stichwahl vom 14. Juni erneut auszuzählen. Bereits damals hatten beide mündlich ihre Absicht zur Bildung einer Einheitsregierung bekundet.

Nach Beginn der Neuauszählung gab es Streit über die Kriterien, nach denen mutmaßlich gefälschte Stimmen aussortiert werden. Die Auszählung dauert an. Beide Kandidaten äußerten am Freitag ihre Hoffnung, dass ein Wahlergebnis Ende August verkündet werden kann.

Die Erben Karsais
Hamid Karsai
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Präsident Hamid Karsai

Karsai, der seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 regiert, darf bei der Wahl an diesem Samstag nicht erneut antreten. Die Verfassung erlaubt nur zwei Amtszeiten. Acht Kandidaten wollen Präsident werden, der in Afghanistan wie in den USA zugleich Regierungs- und Staatschef ist.

Afghan Presidential elections last day of campaigning
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Abdullah Abdullah

Abdullahs Vater war ein Paschtune aus Kandahar, seine Mutter stammte aus dem Pandschir-Tal. Damit ist der 60-Jährige, der in der Hauptstadt Kabul geboren wurde, der einzige Halb-Tadschike im Rennen um den Präsidentenposten. Der Augenarzt war ein Vertrauter des legendären Nordallianz-Führers Ahmad Schah Massud, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später gegen die radikalislamischen Taliban kämpfte, bevor er 2001 ermordet wurde.

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Bis 2006 war Abdullah Außenminister unter Karsai. Bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren trat er gegen den Amtsinhaber an. Die Abstimmung wurde von massivem Betrug überschattet, der insbesondere dem Karsai-Lager angerechnet wurde. Karsai gewann die Wahl, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Abdullah wurde zweiter. Vor einer geplanten Stichwahl zog sich Abdullah überraschend aus dem Rennen zurück, obwohl er ein ausgesprochener Karsai-Kritiker ist

Ghani
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Aschraf Ghani

Ghani wurde 1949 ebenfalls in Kabul geboren und studierte in den USA. Bis 2004 war er Finanzminister in Karsais Übergangsregierung. Auch Ghani trat 2009 gegen den Amtsinhaber an, landete aber mit nur drei Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz. In den vergangenen Wochen gelang es Ghani, zahlreiche Anhänger aus unterschiedlichsten Schichten zu mobilisieren.

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Ghani-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung: Der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter liegt bei allen Auszählungen vorn.

Rassoul
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Salmai Rassoul

Der 72-Jährige ist mit der Familie des früheren Königs verwandt und war dessen Leibarzt. Bis 2010 war er Nationaler Sicherheitsberater in Karsais Kabinett, dann ernannte der Präsident ihn zum Außenminister. Im vergangenen Jahr trat er zurück, um als Präsident zu kandidieren. Rassoul besuchte die französische Schule in Kabul und studierte in Frankreich. Anders als Abdullah und Ghani setzt Rassoul auf Kontinuität, er will Karsais Politik fortführen. Unter den Favoriten war er bei Wahlkampfauftritten am wenigsten charismatisch.

Afghanische Präsidentschaftskandidaten
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Salmai Rassoul, Abdulla Abdullah und Aschraf Ghani (v.l.): Zwar hat Karsai öffentlich keinem der Bewerber seine Unterstützung zugesagt, Rassoul wird aber als bevorzugter Kandidat des Präsidenten gehandelt. Befürchtet wird, dass Karsai im Falle von Rassouls Wahlsieg im Hintergrund weiter die Strippen ziehen könnte. Rassoul ist der einzige unter den drei Favoriten, der eine Frau im Team hat: Sollte er siegen, würde die bisherige Provinzgouverneurin Habiba Surabi zweite Vizepräsidentin.

Kerry betonte, bei der Neuauszählung der Stimmen gehe es nicht um Siegen und Verlieren. „Es geht darum, ein glaubwürdiges Ergebnis zu erzielen, das das afghanische Volk verdient.“ Mit Blick auf die beiden Kandidaten fügte er hinzu. „Einer dieser Männer wird Präsident werden, aber beide werden für die Zukunft Afghanistans entscheidend sein.“ Er begrüßte die Einigung als großen Schritt vorwärts.

„Ich hoffe, dass damit die Wahlkampf-Atmosphäre hinter uns liegt“
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