Abhörskandal Auch britischer Geheimdienst späht Daten aus

Edward Snowden enthüllt neue Geheimnisse: Demnach treibt es der britische Geheimdienst beim Ausspähen des Netzes noch schlimmer als der amerikanische. Das Spionageprogramm „Tempora“ zapfe etliche Internetknotenpunkte an.
Update: 22.06.2013 - 16:00 Uhr 20 Kommentare
Der britische Abhördienst GCHQ soll im großen Stil Daten gesammelt haben: Die Nachrichtendienst-Zentrale in Cheltenham. Quelle: Reuters

Der britische Abhördienst GCHQ soll im großen Stil Daten gesammelt haben: Die Nachrichtendienst-Zentrale in Cheltenham.

(Foto: Reuters)

LondonDer britische Geheimdienst übertrifft nach einem Bericht des „Guardian“ sogar alle amerikanische Spionageagenturen. Wie das Blatt berichtet, hat sich der Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) Zugang zum weltweiten Internet beschafft und schöpft dort „Unmengen von Daten“ ab, die dann wiederum mit den US-Partnern von der NSA (National Security Agency) geteilt würden. Neben E-Mails, Einträgen im sozialen Netzwerk Facebook oder auch Telefongesprächen würden auch persönliche Informationen der Nutzer gespeichert und analysiert.

Die Informationen des „Guardian“ vom Freitag stammen von dem Amerikaner Edward Snowden, der erst vor kurzem Details über „Prism“, das Überwachungsprogramm der NSA, an die Öffentlichkeit gebracht hat. Das britische Spionageprogramm „Tempora“, das nach dieser Darstellung noch umfangreicher als das amerikanische sein soll, ist seit eineinhalb Jahren in Betrieb und erlaube der GCHQ die Daten anzuzapfen und für bis zu 30 Tage zu speichern. GCHQ habe es geschafft, schreibt das Blatt weiter, zur Beschaffung der Informationen zahlreiche Internetknotenpunkte anzuzapfen.

So spähe der GCHQ den Internetverkehr aus, der über das Glasfasernetz läuft. Für die Überwachung und Analyse von über 200 Glasfaserverbindungen laufenden Daten setze das GCHQ 500 Mitarbeiter ein. 95 Prozent des internationalen Online-Datenverkehrs läuft über das Glasfasernetz. Ein Sprecher des Geheimdienstes wollte sich nicht dazu äußern. Die Enthüllung dürfte den Druck auf die britische Regierung erhöhen, zu erklären, wie sie Daten sammelt und nutzt.

Aus Dokumenten gehe hervor, dass Großbritannien die meisten Internetdaten von den sogenannten Fünf Augen sammele – der Spionageallianz, der die USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland angehören.

Der GCHQ habe die technischen Möglichkeiten, theoretisch einen gewaltigen Anteil der täglichen Kommunikation der Welt – einschließlich E-Mails und Telefonaten – zu überprüfen. Wie viele Daten die Briten aus dem Datenstrom kopieren und abspeichern, sei unklar. „Das ist eine Riesenmenge Daten“, zitiert das Blatt aus einem Foliensatz einer Präsentation. Eine Folie trage die Überschrift: „Sammelt alles.“

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) reagierte alarmiert. „Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Albtraum à la Hollywood“, sagte sie in Berlin. „Die Aufklärung gehört sofort in die europäischen Institutionen.“ Die Linkspartei sprach von einem „Fall für den Internationalen Strafgerichtshof“, die Grünen forderten ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Großbritannien, die Piratenpartei einen Untersuchungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Die Datenschutzkampagne Big Brother Watch warnte vor einem „System totaler Überwachung, das zwar große Sicherheitsvorteile bringen mag, in den falschen Händen aber Proteste, Medienberichte und hart erarbeitete Bürgerrechte wie die Vereinigungs- und Meinungsfreiheit einschränken könnte“. Tempora sei „gefährlich nah dran an einer zentralen Datenbank unserer gesamten Internetkommunikation – oder es ist genau das“. Datensammlung im großen Stil vertrage sich überdies kaum mit dem Richtervorbehalt für jede einzelne Bespitzelung.

Dem „Guardian“-Bericht zufolge erfolgt die Spähaktion der Briten mit Hilfe von Firmen, die nicht genannt wurden. Sie seien per Gerichtsbeschluss zur Zusammenarbeit gezwungen worden und müssten die Anordnungen geheim halten. Außenminister William Hague sagte kürzlich, der GCHQ halte sich bei der Auswertung von Spähaktionen immer an britisches Recht. Über eine Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten machte er keine Angaben.

„Warum nicht jederzeit alle Signale sammeln?“
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20 Kommentare zu "Abhörskandal: Auch britischer Geheimdienst späht Daten aus"

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  • Wer sagt, dass nicht die Voraussetzung für die Zulassung ein amerikanisches Tool zu Verschlüsselung der Generalschlüssel für die Geheimdienste ist?

  • Die Stasi war ein Steinzeitmodell dazu.Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern,wo genau überlegt wurde,was mann so am Telefon sagte.Willkommen Welt DDR 2.0 .Die Usa wollen Snowden wegen Spionage etc. anzeigen.Eigentlich müsste es anders rum sein und die Bürger müssten die Verantwortlichen vor ein sogn.einbrufendes Volksgericht wegen Spionage Sabotage und wenn nicht sogar Verrat am Volk zu horrenden Freiheitsentzug aburteilen!!! Angeglich freie Anwälte Richter auch in Deutschland,wo seit ihr!!!Ich kann mir nicht vorstellen das viele Menschen das so hinnehmen!!!

  • "Tool um das Internet vor den Augen des Staates zu verschlüsseln."

    Sowas gibt es schon längst, aber...
    (1) die Masse scheint nicht im Stande (z.B. mangels Können) solche Software zu benutzen

    und viel wichtiger
    (2) die Masse wäre nicht bereit auf all die bunten Sachen, die so schön bequem und einfach sind zu verzichten.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will hier niemanden beleidigen. Es ist z.T. ganz schön tricky sein all seine Datenkommunikation zu verschlüsseln, seine Identität zu verschleiern, usw. Und es ist vor allem unbequem. Zum Beispiel der eine Typ von piratebay hat es nicht gemacht und dadurch seine Partner ans Messer geliefert. Menschen neigen zur Bequemlichkeit trotz besseren Wissens.

    Wenn Sie Freiheit im Internet fordern, müssen sie auf ihre Freiheit alles mögliche bequem und einfach zu haben verzichten können. Im Leben bekommt man nichts geschenkt.

  • Der Unterschied zwischen einem Cluster-Server und einer Papierbehörde ist, dass ökonomisch eine Papierbehörde konstante (oder auch abnehmende) Skalenerträge erzielt, während der Einsatz eines Cluster-Server zu steigende Skalenerträge. Kurzum, man sich ohne (Geld-)Probleme exezessives Datenschnüffeln leisten.

    Toll finden muss man das natürlich nicht. Am Ende kommt es immer nur darauf an welchen Zweck mit den Einsatz von Technologien verfolgt. Man kann Nukleartechnik einsetzen um Kernkraftwerke zu betreiben, oder auch um Atomwaffen zu bauen. Man kann Datenanalyse einsetzen um ein paar wenige Terroristen zu finden, oder um herauszufinden ob sie Fremdgehen (und sie in einer fiktiven dunklen Zukunft vor einem Religionsgericht zum Tode zu verurteilen).

  • Agenz 007 hat wohl versagt :)

  • Haha, die alte Leier: Überwachung führt zu mehr Sicherheit und schützt die Bürger vor Kriminalität. Selten so gelacht. Und da Sie mit dem Beispiel London kommen: Die nahezu perfekte Videoüberwachung hat die Londoner U-Bahn-Attentate von 2005 NICHT verhindert.
    Aber nicht nur das: seriöse Studien weisen nach, dass Videoüberwachung das Kriminalitätsniveau nicht dauerhaft absenkt, da es mit der Zeit zu einem Gewöhnungseffekt oder Abdrängungseffekt kommt:
    "Eine Studie des Innenministeriums zum Videoüberwachungsprogramm in der Innenstadt von Birmingham kam zu dem Schluß, daß das Kamerasystem das allgemeine Kriminalitätsniveau in der Innenstadt nicht reduzieren konnte: Raubüberfälle und Diebstähle an Personen stiegen ebenso wie Diebstähle aus Kraftfahrzeugen. Auch hier wurde eine Verlagerung in umliegende Bezirke erkannt...
    In bezug auf Gewaltdelikte, die die Öffentlichkeit am stärksten beunruhigen, ist der Effekt viel geringer zu veranschlagen und vieles deutet darauf hin, daß Videoüberwachung lediglich kriminalisierbare Vorfälle in andere Gebiete abdrängt."
    Und wie prophetisch endet diese Analyse eines Kriminologen(!!):
    "Diese Kombination von digitaler Fotografie, Bilderkennung. Rasterfahndung und neuen Datenbanktechnologien birgt in sich die Aussicht auf eine Gesellschaft überwachter Massen, in der all unsere Bewegungen und Interaktionen im öffentlichen Raum beobachtet, aufgezeichnet und dokumentiert werden. Es ist durchaus nicht abwegig zu behaupten, daß... die Erwartung von Anonymität im öffentlichen und zivilen Leben Großbritanniens gegenstandslos wird. Jede Reise, jedes Treffen und jede Begegnung könnten so im Prinzip offiziell registriert werden, und gegenwärtig gibt es, wenn überhaupt, nur unzuverlässige Garantien, daß diese Informationen nur zu wohlmeinenden Zwecken benutzt würde."
    http://www.cilip.de/ausgabe/61/norris.htm
    Es gilt also heute stärker als jemals zuvor:
    "WER DIE FREIHEIT AUFGIBT UM SICHERHEIT ZU GEWINNEN, DER WIRD AM ENDE BEIDES VERLIEREN."

  • Die Internetüberwachung als Präventivmassnahme gegen den Terror gehört in die Kategorie: mental retardiert! Vor allem unterstellen BND, Politiker, Journalisten dem Terroristen dieselbe Smartphonesucht und Unterbelichtung, wie man sie selber hat.
    Wer einen Terroranschlag verüben will, müsste ja selten blöde sein, damit im Internet anzugeben. Der baut einfach eine Bombe nach Vorlage und sprengt die im Kaufhaus, im Bus oder klatscht Fischer einen Farbbeutel ans Ohr, ohne vorher bei Facebook bescheid zu sagen.

    Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Die Datenschnüffelei im Netz ist nicht minder kriminell wie der Zweck, nämlich den Bürger mit geklauten Daten der Erpressung auszusetzen, oder ihn selber zu erpressen.

    Zudem kolportieren die Medien über das Netz Terroraufrufe, versteckt in der vermeintlichen Aufklärung: Islamisten rufen zu Anschlägen auf! Genauer: Islamisten rufen auf, die Wälder anzuzünden!
    Einen bessere Verbreitungsweg als die Hofberichterstattung gibt es gar nicht für den Terror, vor allem, wenn sich der investgative Journalist auf die Suche nach Terrorvideos macht und die dpa die an die grosse Glocke hängt!

    Das Medium selber ist der Staatsterrorismus! Der Feind steht auf der Seite der Politik!

  • Machen wir uns nichts vor - die gespielte Empörung ist eine Farce.

    Auch unsere Volksvertreter stecken mit denen unter einer Haube und tun mindestens dasselbe.

    Wer was anderes glaubt ist ein Träumer !

  • Was sich alle aufregen, England ist immer noch Besatzungsmacht und die BRD eine Verwaltungseinheit und kein Staat. Deshalb dürfen die das.

  • Feiheit ist nur ein anderes Wort für Unabhängigkeit.

    Wenn man es schafft ausreichend Nahrung auf Mobiler Erde(Pflanzenkübel und sonstige Gefäße)wachsen zu lassen und Umwandlung von Sonne,Wind oder Bachlauf in Elektrischen Strom, dann ist man wohl der Freiheit ein ganzes stück näher gekommen als nur das Gefüh von Freiheit auf dem Motorad, wo man doch hin und wieder zur Tankstelle oder Werkstatt muss.Geht nicht. Nichts ist unmöglich.Wir versetzen manchmal Berge im Auftrag von Kriminellen Regierungen, da werden wir es wohl irgendwann schaffen in die Freiheit zu gehen, auch wenn es scheinbar unbequem sein könnte.

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