Abholzung EU-Generalanwalt sieht Verstoß Polens gegen Umweltrichtlinien

Die Abholzung im Bielowieza-Naturpark wegen Käferbefalls hatte Umweltschützer aufgebracht. Laut EU-Generalanwalt gehöre auch Totholz zum Urwald.
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Das Fraßbild des Kupferstechers, einer Borkenkäferart, in der Rinde eines Nadelbaums. Trotz der Plage seien die Rodungen im polnischen Naturschutzgebiet aber nicht rechtens. Quelle: dpa
Borkenkäferplage

Das Fraßbild des Kupferstechers, einer Borkenkäferart, in der Rinde eines Nadelbaums. Trotz der Plage seien die Rodungen im polnischen Naturschutzgebiet aber nicht rechtens.

(Foto: dpa)

WarschauPolen hat mit Rodungsarbeiten im Naturschutzgebiet Bielowieza nach Einschätzung des EU-Generalanwalts gegen Umweltrichtlinien verstoßen. In seiner am Dienstag veröffentlichten Meinung empfahl Yves Bot dem Europäischen Gerichtshof, dies festzustellen. Die Rechtsmeinung des Generalanwalts fließt oft in die Urteilsbegründungen des Europäischen Gerichtshofs ein.

Polen habe nicht seine Verpflichtungen nach den Vorgaben für Natura-2000-Gebiete eingehalten, schrieb Bot. Bialowieza sei „einer der am besten erhaltenen Naturwälder in Europa, charakterisiert durch große Vorkommen alter Bäume, von denen einige Jahrhunderte alt sind, und Totholz“.

Der Bialowieza-Nationalpark ist der letzte Urwald Europas, er ist zudem von der Unesco als Weltnaturerbe und Biosphärenreservat anerkannt. 2016 genehmigte der damalige polnische Umweltminister Jan Szcyszko weitflächige Holzfällerarbeiten im polnischen Teil des Naturparks, der sich auch über die Grenze hinweg bis nach Weißrussland erstreckt. Begründet wurde das mit Borkenkäferbefall. Umweltschützer erklärten, die Abholzung der Fichten habe Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen zerstört.

Der jetzige Umweltminister Henry Kowalczyk sagte, Warschau werde jedes Urteil des Europäischen Gerichtshofs akzeptieren. „Der Bialowieza-Wald ist von besonderem Wert für Polen und jede bisher ergriffene Maßnahme hatte allein das Ziel, ihn in bester Verfassung für die jetzige und zukünftige Generationen zu erhalten“, erklärte er.

Die Fraktion der Grünen/Europäische Freie Allianz im Europaparlament begrüßte Bots Empfehlung. „Die polnische Regierung will jahrhundertealte Bäume für kurzfristigen Nutzen opfern„, sagte die Kopräsidentin der Fraktion, Ska Keller. „Wir müssen Polens und Europas grüne Lungen schützen und unterstützen die vielen Naturschützer und Wissenschaftler, die gegen Abholzung in diesem einzigartigen Weltkulturerbe protestiert haben.“

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