Abschuss von Flug MH17 „Der Luftraum hätte gesperrt werden müssen“

Berlin wusste von der Gefahr, warnte aber nicht: Schon vor Abschuss des Fluges MH17 über der Ostukraine war das Risiko für die zivile Luftfahrt bekannt. Scharfe Kritik kommt aus Brüssel. Die Bundesregierung schweigt.
Update: 27.04.2015 - 17:33 Uhr 14 Kommentare

Flug MH17: Wusste die Bundesregierung von der Gefahr?

BerlinDer Bundesregierung lagen einem Medienbericht zufolge vor dem Abschuss einer Boeing 777 der Malaysia Airlines über der Ostukraine im Juli 2014 klare Hinweise auf Gefahren vor. Diese habe sie nicht an deutsche Fluggesellschaften weitergegeben, berichten WDR, NDR und „Süddeutsche Zeitung“ am Montag unter Berufung auf vertrauliche Drahtberichte des Auswärtigen Amtes.

Demnach bezeichneten Diplomaten wenige Tage vor dem Abschuss die Lage in der Ostukraine als besorgniserregend. Am Tag zuvor war eine ukrainische Transportmaschine vom Typ Antonov in gut sechs Kilometern Höhe von den Separatisten abgeschossen worden.

Ein Land steht still für 40 Leichenwagen
huGO-BildID: 38331751 A military transport plane containing coffins with the bodies of some of the victims of the Malaysian Airlines crash in Ukraine
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Als die Flugzeuge landen, läuten die Kirchenglocken. Dann steht von Groningen bis Maastricht das Leben still. Züge und Busse stoppen, Radio und Fernsehen verstummen, in den Supermärkten wird nicht kassiert. Die Bürger bleiben auf den Straßen und an den Grachten stehen. Und über den Niederlanden fliegen in dieser Zeit keine Flugzeuge.

huGO-BildID: 38331483 A Royal Australian Air Force C-17 transport plane (C), and a Royal Dutch Airforce Hercules C-130 (R), which carry coffins conta
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Um 15.46 Uhr setzt das Hercules-Transportflugzeug auf niederländischem Boden auf. Wenig später landet auch eine australische Maschine am Flughafen von Eindhoven. Die ersten Todesopfer des Absturzes von Flug MH17 sind heimgekehrt.

Repatriation of bodies from Kharkiv Aiport
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Gleich neben den schweren Militär-Maschinen sitzen die Trauergäste: Das niederländische Königspaar (2.v.l.), Ministerpräsident Mark Rutte (r.), Minister, Abgeordnete und auch Vertreter aus den übrigen Herkunftsländern der 298 Opfer der Katastrophe.

Repatriation of bodies from Kharkiv Aiport
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Ein Trompeter bläst einen letzten Gruß. Dann herrscht Stille. Ein ganzes Land schweigt – eine Minute lang.

Dutch Minister of Foreign Affairs, Frans Timmermans, comforts a relative of a victim after the arrival of the plane carrying the bodies of the victims killed in the Malaysia Airlines Flight MH17 plane disaster, taxis into Eindhoven Airport
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Der niederländische Außenminister Frans Timmermans (r.) tröstet Angehörige der umgekommenen Passagiere. Vor dem UN-Sicherheitsrat hatte er den schleppenden Verlauf der Bergungsaktion kritisiert: „Bis an mein Lebensende werde ich nicht verstehen, warum es so lange gedauert hat, bis den Rettern erlaubt wurde, ihre schwierige Arbeit zu machen und dass die Leichen von Menschen für ein politisches Spiel missbraucht wurden.“

REUTERS PICTURE HIGHLIGHT
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Die Ankunft der Opfer in den Niederlanden ist die erste Etappe auf einem langen Weg. Die Suche nach den Ursachen geht weiter, und dann wollen die Niederlande auch die Schuldigen vor Gericht bringen.

Repatriation of bodies from Kharkiv Aiport
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Für die Angehörigen ist nun ein Ende gekommen nach langen quälenden Tagen des politischen Geschachers um ihre Liebsten. Das ganze Land will ihnen zeigen, dass sie nicht alleine stehen. Tausende säumen die Straßen, über die die 40 Leichenwagen fahren.

Dies sei eine „neue Qualität“ gewesen, weil ein Abschuss in dieser Höhe für Militärexperten ein klarer Hinweis sei, dass auch Ziele in größeren Höhen getroffen werden könnten. Damit bestehe auch eine Gefahr für zivile Passagiermaschinen. Dass die Luftsicherheit über der Ukraine nicht mehr gegeben sei, habe auch der Bundesnachrichtendienst in seinen täglichen Berichten mitgeteilt.

Üblicherweise müssten die Fluglinien umgehend über eine veränderte Sicherheitslage informiert werden, heißt es in dem Medienbericht. Dies sei jedoch erst nach dem Abschuss der MH17 geschehen. „Fakt ist, dass uns keine Informationen von Seiten der Behörden vor dem 17. Juli vorlagen“, zitiert der Rechercheverbund einen Sprecher der Lufthansa.

Es sei eine Art „Roulettespielerei“ gewesen, wen es treffe, sagt der Anwalt Elmar Giemulla der SZ, der für Angehörige eines Opfers vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage eingereicht hat. Es hätte jede Maschine treffen können.

Aber die Katastrophe hätte „vermieden werden können“, glaubt der Anwalt. Er ist überzeugt, dass nach dem Abschuss der Antonov „der Luftraum hätte gesperrt werden müssen“.

„Wenn die Bundesregierung unser Unternehmen mit der Bewertung neue Qualität gewarnt hätte, wäre Lufthansa sicher nicht mehr über der Ostukraine geflogen“, erklärte demnach ein Insider der Fluggesellschaft. Das Außenministerium äußerte sich am Montagmorgen zunächst nicht zu dem Bericht.

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14 Kommentare zu "Abschuss von Flug MH17: „Der Luftraum hätte gesperrt werden müssen“"

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  • Es sollen insgesamt drei ukrainische Militärmaschinen in den 48 Stunden vor dem Abschuss von MH17 in Höhen von bis zu 10.000m durch die Separatisten abgeschossen worden sein (einen Abschuss dieser Maschinen durch eigene Kräfte der Ukraine darf man ja wohl ausschließen). Dass deutsche Behörden unaufmerksam sind wird niemandem so richtig überraschen können. Entscheidender ist, dass die Ukraine nach diesen drei Abschüssen zwingend hätte den Luftraum über der Ostukraine für Zivilmaschinen sperren lassen müssen. Man darf die Frage stellen, warum sie es nicht getan hat. Warum werden ferner die Tonbandprotokolle der Kommunikation der Luftverkehrskontrolle in Kiev mit MH17 nicht veröffentlicht? Und warum ist die Veröffentlichung der Protokolle nicht im Interesse der Bundesregierung (Antwort auf eine kleine Parlamentsanfrage)?

  • Oh du dumme und US-hörige EU. Jetzt fehlt nur noch eine Meldung, dass die Russen auch weltweit Politiker und große Konzerne ausspionieren.
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    Die Russen haben das aber nicht nötig, da sie schon immer Wirtschaftpolitik betreiben. Die Amis müssen das machen, da sie schon immer einen Feind brauchen. Was hat man nicht alles erfunden, damit man die ehem. UdSSR von Amerika ausspionieren kann!
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    Und manche Stehengebliebene die keine Geschichte interessiert, denken die Amis sind die Guten. Kein Tag ohne NSA Meldung und deren Spionage !!

  • Demokratie ist eigentlich so einfach.
    Der Wille des Volkes (demos) bestimmt die Politik eines Landes und nicht eine kleine Minderheit.
    Mit der Gewaltenmacht eines Staates wurde dieser Weg abgeschafft.
    Das zeigt den Schluss, dass es damit keine Demokratie geben kann.
    Die Minderheit (Eliten) wird mit dieser Macht, die nicht vom Volk gegeben wurde, jedes Ihrer Ziel durchsetzen.
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    Dieses Prinzip macht vor Landesgrenzen, Wirtschaftssystemen oder Glaubensrichtungen nicht halt....ganz besonders bei uns im Westen !!!!

  • Wenn Amerikanismus bedeutet, souveräne Länder zu destabilisieren, um dem militärisch-wirtschaftlichen Komplex Vorteile zu verschaffen, Leute zu foltern und ungestraft in Freiheit zu bleiben (Bush, Cheney als Anführer), sich ins gleiche Bett mit Diktatoren zu legen, sobald es der eigenen Wirtschaft gelegen kommt…

    … ja, dann bin ich Antiamerikaner..... Wie kann man von “westlichen Werten” predigen und im Handeln gegenüber anderen Ländern dagegen verstoßen? Wo bleiben die Leuchttürme der Demokratie im nahen Osten und anderswo?

    Und der aktuelle “Spielstand”

    10.000 Tote westlicher Staatsbürger versus 1 Million Tote nahöstlicher Staatsbürger in den letzten beiden Jahrzehnten

    sind nicht meine “westlichen Werte”!

  • Weder die USA, noch die EU noch Deutschland sind Demokratien !!
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    Wer wie die USA schon über 40 Kriege nach 1945 vom Zaun gebrochen, mit über 46 Millionen Toten hat und wer dabei geholfen hat oder diese moralisch rechtfertigte, diese Staaten sind KEINE DEMOKRATIEN !
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    Von Demokratien und Rechtsstaaten gehen keine Kriege aus....ergo haben wir es mit klaren UNRECHTS-STAATEN zu tun !!!

  • Princeton-Studie als Warnung an Europa: USA sind keine Demokratie mehr
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    Eine aktuelle Studie der Universität Princeton kommt zu einem verblüffenden Ergebnis: Die USA sind keine Demokratie mehr, weil politische Entscheidungen nicht mehr den Wünschen der Bürger, sondern den Interessen einer kleinen Wirtschafts-Elite dienen. Die Erkenntnisse sind auch in außenpolitischer Hinsicht wichtig: Wenn Konflikte – wie jener gegen Russland – eskalieren, geht es der US-Regierung nicht um die Interessen des amerikanischen Volkes, sondern um knallharte kommerzielle Erwägungen.
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    Leidenschaftliche Transatlantiker argumentieren gerne, dass, wer die US-Politik kritisiert, gleichzeitig Verrat übe an einer der ältesten und vitalsten Demokratien der Welt. Gerade im Konflikt mit Russland werden unermüdlich die „westlichen Werte“ bemüht, die es zu verteidigen gelte. Da wird Russland dann als faschistisches Land diffamiert, womit eine nüchterne Auseinandersetzung mit den Fakten unmöglich wird. In der EU und in Deutschland ist dieser Trend ebenfalls zu beobachten. So werben die EU-Politiker und Angela Merkel unermüdlich für das Freihandelsabkommen TTIP, welches als der reine Segen gepriesen wird, das im Interesse der europäischen Arbeitnehmer unbedingt abgeschlossen werden müsse.
    ----------------------------------meine Meinung----------------------------------------
    Die Politik in den USA wird nicht von den Eliten, sondern von ein paar sehr reichen alten Männern bestimmt. Das ist in Deutschland und der EU nicht anders.
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    Das liegt aber an den Politikern. Gerade Leute wie Angela Merkel, Joachim Gauck, Thomas de Maizière, etc. alle mit einem ausgeprägten DDR-Hintergrund haben gelernt der Obrigkeit zu folgen.
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    Da ist es kein Wunder, dass die USA machen können was sie wollen, von Angela Merkel, Joachim Gauck, Thomas de Maizière, etc. werden die USA kein “Veto” bekommen, solche Leute folgen den USA blind !!!
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    Das Wohl Deutschlands wird von diesen Leuten völlig auf die Seite geschoben, das sin

  • Erika duckt sich weg.
    Silberhaar macht sich nen schlanken Fuß.

  • Ach jetzt ist endlich alles klar! Eine malaysische Maschine wird über der Ukraine von unbekannten abgeschossen. Wer ist schuld? DEUTSCHLAND!!!!! Wie immer! Los, zahlen!!!!! Wie immer......

  • Das Schweigen der Lämmer
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    Die Bundesregierung wurde schon vor dem Abschuss von MH17 darüber informiert, das die Lage über der Ostukraine gefährlich ist.Sie hat aber diese Information geheim gehalten.
    Das AA will sich dazu nicht äußern!

    Jetzt sollten die Angehörigen der Opfer die Bundesregierung wegen Mitschuld am Tod verklagen.
    Ein Jet der LH ist noch 20 min. vor der MH17 über das Gebiet geflogen.

  • Diese Artikel führt eigentlich dazu, dass man das HB in die Reighe der Lügenpresse einreiht.

    Auch das HB weiß, dass die dt. Behörden die Veröffentlichung des Flugschreibers dieser Maschine verboten haben.

    Warum schweigt das HB?

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