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Ägyptens neuer Präsident Al-Sisi duldet keinen Widerspruch

Es wird ernst für Abdel Fattah al-Sisi: Der neue Präsident muss sich beweisen und Ägypten aus der Krise führen. Schon jetzt ist klar: Der Ex-Militärchef wird mit eiserner Hand regieren – und keinen Widerspruch dulden.
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Für Abdel Fattah al-Sisi beginnen nun die Schicksalsjahre. Er muss Ägypten aus der Krise führen – keine einfache Aufgabe. Quelle: Reuters

Für Abdel Fattah al-Sisi beginnen nun die Schicksalsjahre. Er muss Ägypten aus der Krise führen – keine einfache Aufgabe.

(Foto: Reuters)

Kairo Über den neuen ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gab es viele Gerüchte. Seine Frau trage Gesichtsschleier, munkelte man. Außerdem sei er in der Armee der Mann der Muslimbruderschaft. Der 59-jährige Sisi ist tatsächlich sehr fromm und trägt ein Gebetsmal, eine „Sabiba“, auf der Stirn. Den Muslimbrüdern aber steht er keineswegs nahe, wie spätestens am 3. Juli 2013 klar wurde: An jenem Mittwoch jagte der damalige Oberbefehlshaber der Armee den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi aus dem Amt.

Nun ist al-Sisi mit riesiger Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden und hat den Amtseid abgelegt. Er wird wohl ein Staatschef sein, den man vor allem auf Plakaten und Fernsehbildschirmen sehen wird - nicht aber im persönlichen Kontakt mit den Menschen. Denn die Öffentlichkeit mied er bereits im Wahlkampf. Es seien zwei Mordanschläge auf ihn vereitelt worden, sagte er dazu in einem Fernsehinterview.

Klar ist auch: Er wird das Land mit harter Hand regieren und keinen Widerspruch dulden. Seit dem Sturz Mursis wurden Hunderte Muslimbrüder getötet, verhaftet und die Bewegung verboten. Der „Krieg gegen Terror“ - wie er es nennt - hat für den neuen Präsidenten oberste Priorität.

Al-Sisi wurde am 19. November 1954 in Kairo geboren. Seine Familie stellte Kunsthandwerk her und verkaufte es an Touristen. Nach der Schulzeit besuchte er die Militärakademie und kam dann zur Infanterie. Zu Fortbildungen ging er nach Großbritannien und in die USA. Zwei Jahre war er Militärattaché in Saudi-Arabien. Noch unter Langzeitpräsident Husni Mubarak wurde er Kommandeur der Streitkräfte Nord mit Sitz in Alexandria.

Nach dem Sturz Mubaraks im Arabischen Frühling 2011 rückte er an die Spitze des Militärgeheimdienstes. Er gehörte dem Obersten Militärrat (SCAF) an, der vorübergehend die Macht übernahm. In dieser Zeit fiel er ein einziges Mal auf: Als Wochen nach dem Umsturz Demonstrantinnen nach ihrer Festnahme sogenannten Jungfrauentests unterzogen wurden, rechtfertigte al-Sisi dies. Schließlich hätten die Frauen mit jungen Männern auf dem Tahrir-Platz campiert. Damit sie nicht später behaupteten, sie seien von Polizisten vergewaltigt worden, habe man ihre „Jungfräulichkeit“ geprüft, sagte er.

Wie die Wahl al-Sisi an Glanz verlieren ließ

Im August 2012 setzte der frisch gewählte Präsident Mursi im Machtkampf mit der alten Armeeführung Sisi als Oberbefehlshaber des Militärs und Verteidigungsminister ein. Zunächst hielt sich der Armeechef im Hintergrund. Angesichts anhaltender Unruhen beschloss er jedoch zu Handeln. In einem Interview erzählte Sisi, dass er im März 2013 einem US-amerikanischen Vertrauten gesagt habe, Mursis Zeit sei abgelaufen. Als am 30. Juni 2013 Millionen Demonstranten Mursis Rücktritt forderten, stellte der Militärchef dem Islamisten ein Ultimatum, freiwillig abzutreten. Dann stürzte er ihn.

Schon wenige Stunden später tauchten in Ägypten Al-Sisi-Poster auf. Medien entfachten einen regelrechten Personenkult; mit Porträts des Armeechefs wurde selbst Schokolade verziert. Al-Sisi wurde zum Feldmarschall befördert und gab kurz darauf alle Ämter ab, um bei der Präsidentschaftswahl zu kandidieren - und das Erbe des charismatischen Gamal Abdel Nasser anzutreten.

Doch die Wahl ließ ihn an Glanz verlieren. Nach offiziellen Angaben hat er zwar 96,9 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung war aber mäßig: Nur knapp die Hälfte der Wahlberechtigten ging zur Urne.

Für al-Sisi beginnen nun die Schicksalsjahre. Er muss Ägypten aus der Krise führen. Für ihn geht das nur über Stabilität - und die Wiederbelebung des erlahmten Tourismus. Der Energiekrise will er mit Stromsparlampen begegnen. Und er hofft auf weitere Hilfen aus Saudi-Arabien. Wenig hilfreich seien indes Negativschlagzeilen, machte er jüngst vor einer Runde ägyptischer Chefredakteure deutlich.

Das Geheimnis um den Schleier seiner Gattin wurde inzwischen gelüftet: Bei einer Feier für pensionierte Armee-Kommandanten im Februar zeigte sich die heutige First Lady, Intisar, erstmals öffentlich. Sie trug zwar ein Kopftuch, aber ihr Gesicht war frei.

  • dpa
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