Äußerungen zu Zypern-Blaupause Euro-Retter lassen Euro-Gruppen-Chef auflaufen

In der Zypern-Debatte gerät der Euro-Gruppen-Chef zunehmend unter Druck. EZB und EU-Kommission distanzierten sich von Äußerungen Dijsselbloems zum Modell-Charakter der Insel-Rettung. Und auch Berlin reagierte irritiert.
Update: 26.03.2013 - 16:08 Uhr 40 Kommentare
Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. Quelle: ap

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem.

(Foto: ap)

BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission haben Äußerungen von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kritisiert, wonach die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als Vorbild bei anderen Euro-Krisenstaaten dienen könnten. "Es war falsch von Herrn Dijsselbloem zu sagen, was er gesagt hat", sagte das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré am Dienstag im Sender Europe 1. "Die Erfahrung mit Zypern ist kein Vorbild für den Rest der Eurozone, weil die Situation ein Ausmaß erreicht hatte, das mit keinem anderen Land vergleichbar ist."

Auch die EU-Kommission sieht die Rettung Zyperns unter Einbeziehung von Großsparern und Gläubigern nicht als Modell für die Zukunft. „Der Fall Zypern ist einzigartig, und zwar aus vielerlei Gründen“, sagte die Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. „Das heißt nicht, dass es ein perfektes Modell ist, das man so, wie es ist, in Zukunft wieder nutzen sollte.“

Dijsselbloem hatte am Montag nach der Einigung auf das Rettungspaket für Zypern, das eine massive Beteiligung von Anlegern und die Abwicklung einer Bank vorsieht, angedeutet, der Plan könne künftig bei der Rettung anderer Euro-Krisenstaaten als Vorbild dienen. "Das Risiko vom Finanzsektor zu nehmen und es der Öffentlichkeit aufzubürden, ist nicht der richtige Ansatz", sagte der niederländische Finanzminister der "Financial Times". Wenn Banken Risiken eingingen, mit denen sie nicht umgehen könnten, könne die Konsequenz daraus lauten: "Das ist das Ende der Geschichte". Die Börsen hatten mit starken Kursverlusten reagiert, auch der Wert des Euro sank.

Am Montagabend distanzierte Dijsselbloem sich in einer kurzen Erklärung von seinen Interview-Äußerungen. "Zypern ist ein besonderer Fall mit einmaligen Herausforderungen", erklärte der Euro-Gruppen-Chef. Wirtschaftliche Anpassungsprogramme seien auf die Situation eines Landes "maßgeschneidert", es würden keine "Modelle oder Schablonen" verwendet.

Finanzpolitiker in Berlin griffen Dijsselbloem wegen dessen Zypern-Äußerungen frontal an. „Zypern ist und bleibt ein Sonderfall, der die Eurogruppe, ihren Chef und vor allem die zypriotischen Bürgerinnen und Bürger vor besondere Herausforderungen gestellt hat und auch weiterhin stellen wird“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), Handelsblatt Online. „Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, Zypern bei den anstehenden Reformen zu unterstützen, statt mit markigen Worten die Märkte zu verunsichern.“

Der Vorsitzende der FDP im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, stellt die Eignung Dijsselbloems für den Euro-Spitzenposten infrage. Der Chef der Eurogruppe habe nicht verstanden, wie sensibel die Materie sei, mit der er umgehe. „Es zeigt sich aber auch, dass die Mitgliedstaaten bei der Besetzung solcher Posten künftig auf Kompetenz statt auf Proporz achten müssen“, sagte Lambsdorff Handelsblatt Online. „Deutschland bestand auf einem Finanzminister aus einem AAA-Land, was richtig und nachvollziehbar ist, Frankreich aber wollte unbedingt einen Sozialdemokraten und auf keinen Fall Wolfgang Schäuble.“ Das Ergebnis sei „der überforderte Herr Dijsselbloem“.

Die Aussage, dass Bankkunden in anderen Krisenländern wie in Zypern um ihre Einlagen fürchten müssen, sei ein „weiterer schwerer Fehler“ des Eurogruppenchefs gewesen. „Gott sei Dank ist ihm die EZB sofort in die Parade gefahren“, sagte Lambsdorff.

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40 Kommentare zu "Äußerungen zu Zypern-Blaupause: Euro-Retter lassen Euro-Gruppen-Chef auflaufen"

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  • Kognitive Dissonanz!

    Man hat das Gefühl, 90% der Kommentatoren hier haben immer noch nicht verstanden, was eine Bank ist. Das zunehmend irrationale Geheul zeugt von der langsam entstehenden kognitiven Dissonanz.

    Eine Bank ist kein Tresor und selbst der ist nicht sicher. Aber man kann sich versichern; das ist jedoch nicht kostenlos. Es ist immer schmerzhaft, wenn fast schon wahnhafte Illusionen platzen und Erkenntnis einsetzt.

    Die Qualität der Diskussionen zum Thema EURO nimmt in den letzten Monaten in diesem Zeitungsforum zusehends ab. Vielfach nur noch Claqueur e und Hofschranzen vermeintlicher EURO-Experten.

  • @conforma

    Nicht ganz treffend!

    Richtig hätte es heißen müssen:

    Nach der Landwirtschaft machen jetzt auch die Lobbyisten der Banken ihren Anteil am "Kuchen" geltend. ...

    Es ist ja schon bezeichnend, dass man dem jungen, unerfahrenen EU-Gruppenchef nicht die Feststellung an sich sondern seine öffentliche Aussage ankreidet. Das hat schon einen vielsagenden Geschmack.

  • "Endlich muss sich jeder Investor und auch Sparer überlegen, ob er sein Geld richtig anlegt. "

    Das mußte man schon immer. Aber soziale Ruhekissen gelten nicht nur bei Politikern als gutes Werbeargument.

  • Außerdem bedeutet "template" auch Vorlage, also ein Gerüst, welches dynamisch mit Inhalten gefüllt werden kann,und nicht nur Blaupause. Wahrscheinlich wurde das von den Journalisten so ausgewest, als Füllhorn mit schönen plakativen Schlagzeilen, wie geil.

  • Rechner schrieb
    "Dieser angebliche Zwang zur Angleichung des "Bruttosozialprodukts in jedem einzelnen Land" wurde der Bevölkerung vorsätzlich vorenthalten, weil er nur in Ihrer Phantasie fahrlässig existiert."

    Richtig, Ideen die aus einem typischen Angst-Größenwahn-Gedankengebäude entspringen.

  • Endlich muss sich jeder Investor und auch Sparer überlegen, ob er sein Geld richtig anlegt. Das wird zu einem Umdenken führen. Endlich schert jemand aus der Reihe der "wir-müssen-den €-retten-auf-Kosten der Steuerzahler" aus. Wir brauchen weniger Lambsdorff-Lemminge und mehr Dijsselbloems.

  • Hier kann man lesen, was Dijsselbloem tatsächlich gesagt hat:

    http://forexblog.oanda.com/20130326/ftrts-dijsselbloem-interview-transcript/

    Das Wort "template" (Schablone/Blaupause/Vorbild) - uns das die Journaille incl. Neuerer jetzt ein enormes Gewese macht - hat er überhaupt nicht in den Mund genommen.

    Es war lediglich in einer Frage des FT-Jounalisten enthalten, auf die Dijsselbloem weder mit Nein noch mit Ja geanrwortet hat, sondern mit längeren Ausführungen die seinen eigenen Standpunkt in der Sache klarmachen.

    Mir scheint, daß weder der Journalist Neuerer noch andere Kommentatoren wie z.B. Lambsdorf das Interview überhaupt gelesen haben.

    Das ganze Theater in den Medien erinnert mich zusehends an den Aufstand, der im Anschluß ab Draghis Bemerkungen in London im Sommer letzen Jahres veranstaltet wurde über Draghis abgebliche Ankündigung bedingungsloser Staatsanleihenkäufe.

    Die Tatsache, daß Herr Dijsselbloem als Sprecher der Eurogroup nicht Politik festlegt scheint auch niemanden zu interessieren.

    Politik als Medienspektakel - einfach nur peinlich.

    +++

    Rein sachlich wäre zu bemerken, daß der Unterschied zwischen Zypern, Malta und Luxemburg einerseits und den anderen Eurostaaten eben darin besteht, das erstere zu einer Rettung ihrer Banken aus eigenen Kräften nicht in der Lage wären, und die anderen mehr oder weniger schon.

    Und solange es keine Bankenunion gibt, wird sich daran auch nichts ändern.

  • Ich frage mich doch ernsthaft wovon Herr Schick von den Grünen nachst träumt. Vom Weihnachtsmann, dem Ostermann oder diversen Produkten aus dem Beate Uhse Katalog. Zwar hat er Recht, dass es sinnvoll ist, endlich die Banken selber für ihre Fehler gerade stehen zu lassen, warum dies ausgerechnet durch die Verlagerung von Komepetenzen auf die EU realisiert werden soll, bleibt mir schleierhaft. Dort sitzen nur Menschen, die unsere starke Volkswirtschaft als Selbstbedienungsladen entdeckt haben. Gibt es eigentlich noch gewählte Politiker, die sich ihrem Volk verpflichtet fühlen????? Wahlt die AfD, Alternative für Deutschland......

  • 'Henry' sagt
    ----------------
    Dass mit der Einführung des Euro das Bruttosozialprodukt in jedem einzelnen Land angeglichen werden muss, wurde der Bevölkerung vorsätzlich vorenthalten.
    ----------------

    Dieser angebliche Zwang zur Angleichung des "Bruttosozialprodukts in jedem einzelnen Land" wurde der Bevölkerung vorsätzlich vorenthalten, weil er nur in Ihrer Phantasie fahrlässig existiert.

  • @Vicario

    Yep, hatte ich etwas später auch gelesen. Somit war die Kalschnikow doch nicht mehr notwendig :-)

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