Afghanistan Extremisten stürmen Innenministerium in Kabul – Neun Menschen sterben

Das Regierungsgebäude in der afghanischen Hauptstadt wurde von Angreifern heimgesucht. Der IS beansprucht die Attacke für sich.
Update: 31.05.2018 - 01:06 Uhr Kommentieren
Afghanische Sicherheitskräfte kämpfen vor den Toren des Innenministeriums mit Attentätern. Quelle: AP
Kabul

Afghanische Sicherheitskräfte kämpfen vor den Toren des Innenministeriums mit Attentätern.

(Foto: AP)

KabulBei einem Angriff auf das Innenministerium in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind alle acht Attentäter und ein Polizist getötet worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff über ihr Sprachrohr Amak für sich, lieferte aber in der kurzen Botschaft keine weiteren Details.

Ein Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, wies Berichte zurück, wonach es die Kämpfer auf das Gelände geschafft hätten. Die Gefechte hätten sich an einem Tor abgespielt. In dem Ministerium arbeiten Hunderte Menschen.

Der Angriff im Stadtzentrum nahe dem internationalen Flughafen dauerte am Mittag Ortszeit knapp zwei Stunden. Wie Ministeriumssprecher Danisch in einer landesweit übertragenen Pressekonferenz sagte, wurden sieben der Attentäter von Sicherheitskräften erschossen. Einer habe sich in die Luft gesprengt. Außerdem seien mehrere Polizisten verletzt worden. Mitarbeiter kamen angeblich nicht zu Schaden.

Der Sprecher der für den nahegelegenen Flughafen zuständigen Grenzpolizei, Mohammed Adschmal Faisi, sagte, dass der Flugbetrieb während des Angriffs unterbrochen gewesen sei. Sicherheitskräfte hatten Medienberichten zufolge in der Nacht nahe dem Flughafen Waffen sichergestellt. Sie hatten deshalb einen bevorstehenden Angriff auf den Flughafen vermutet.

Es war der zehnte schwere Anschlag in Kabul in diesem Jahr mit nun insgesamt knapp 300 Toten und knapp 500 Verletzten. Sowohl die Taliban als auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten sich zu Angriffen bekannt. Erst vergangene Woche hatten die Taliban die Zivilbevölkerung gewarnt, sich nicht in der Nähe von Regierungs- oder Militäreinrichtungen aufzuhalten, weil sie weitere Anschläge planten.

Zeitgleich mit dem Angriff auf das Ministerium in Kabul eroberten Taliban in der nordafghanischen Provinz Tachar einen strategisch wichtigen Bezirk. Das Zentrum von Dascht-e Kala sei „nach fünfstündigen Gefechten“ gefallen, sagten örtliche Quellen. Alle Regierungsgebäude seien in ihrer Gewalt. Im Polizeihauptquartier hätten die Islamisten Feuer gelegt.

Der Bezirk Dascht-e Kala ist ein Haupteinfallstor für die Provinzhauptstadt von Tachar, Talokan. Mit der Einnahme des Bezirks sollen außerdem Straßen in vier weitere Bezirke nun versperrt sein.

Die Taliban greifen seit Monaten immer wieder Bezirkszentren an und weiten so ihr Herrschaftsgebiet langsam aus. Vor zwei Wochen hatten sie sogar kurzzeitig die Provinzhauptstadt von Farah in Westafghanistan eingenommen. Sie kontrollieren heute nach Militärangaben wieder mindestens ein Siebtel des Landes.

Bei Angriffen der Taliban im südafghanischen Kandahar und im ostafghanischen Logar waren bereits am Mittwochmorgen mindestens zehn Sicherheitskräfte und Zivilisten ums Leben gekommen.

Das US-Militär teilte am Mittwoch mit, dass es bei einer Serie von Angriffen im Mai mehr als 70 ranghohe Taliban-Mitglieder getötet habe. Der Oberkommandierende der US- und der Nato-Streitkräfte in Afghanistan, General John Nicholson, erklärte, es handele sich um einen der größten Schläge gegen die Führung der Islamisten im vergangenen Jahr.

Laut der Mitteilung griffen die US-Streitkräfte unter anderem am 24. Mai einen Befehls- und Kontrollposten der Taliban in Musa Kala in der südafghanischen Provinz Helmand mit Artilleriegeschützen an, während dort ein Treffen von Kommandeuren der Miliz stattfand.

  • dpa
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