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Afrika Sudans Militärrat zeigt sich offen für Zusammenarbeit mit Opposition

Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Omar al-Baschir herrscht im Sudan noch immer Chaos. Der drohende Machtkampf zwischen Zivilisten und dem Militär scheint zunächst abgewendet.
Update: 15.04.2019 - 00:13 Uhr Kommentieren
Die Bevölkerung hat die Diktatur unter Omar al-Baschir gestürzt. Quelle: AFP
Proteste im Sudan

Die Bevölkerung hat die Diktatur unter Omar al-Baschir gestürzt.

(Foto: AFP)

Khartum Nach dem als „Revolution am Nil“ bezeichneten Umsturz im Sudan ist noch nicht klar, wer dort künftig wirklich die Macht haben wird. Die Führung der Streitkräfte hat Langzeitherrscher Omar al-Baschir abgesetzt und kontrolliert den Sicherheitsapparat.

Der Militär-Übergangsrat im Sudan ist nach eigenen Angaben nun bereit zur Zusammenarbeit mit der Opposition bei den Bemühungen um eine zivile Regierung. „Der Ball liegt jetzt bei den politischen Kräften“, sagte der Sprecher des Gremiums, Shams El Din Kabbashi, am Sonntag auf einer Pressekonferenz. General Omar Zain al-Abideen, der ebenfalls dem Militärrat angehört, sagte, die Opposition habe eine Woche Zeit, Vorschläge zu machen. Die wichtigste Protestgruppe, die SPA, kündigte an, dem nachzukommen. Sie unterstrich aber zugleich, dass die Macht umgehend an eine Zivilregierung übergeben werden müsse. Bis die „Ziele der Revolution“ erreicht seien, würden die Proteste fortgesetzt.

Die Proteste am Wochenende in dem Land im Nordosten Afrikas fanden in ausgelassener, aber entschlossener Stimmung statt. „Die Revolution hat erst begonnen“, skandierten Demonstranten.

Der Führer der oppositionellen Kongresspartei, Omer al-Digair, hatte schon am Samstag die Auflösung der Nationalen Kongresspartei Al-Baschirs gefordert. „Wir verlangen den Umbau des Sicherheitsapparates“, sagte Al-Digair. „Wir brauchen keinen Sicherheitsapparat, der Leute verhaftet und Zeitungen schließt.“

Kibaschi sagte zwar, dieser Umbau habe bereits begonnen, doch dürfte das den Demonstranten nicht reichen. Die Gewerkschaft SPA veröffentlichte am Sonntag eine Neun-Punkte-Liste. Darin verlangt sie die Anklage der Kräfte, die hinter Al-Baschirs Putsch von 1989 standen. Außerdem sollen alle regierungstreuen Gewerkschaften aufgelöst, die Vermögen führender Regierungsmitarbeiter Al-Baschirs eingefroren und alle führenden Richter und Staatsanwälte entlassen werden. Die Parteien und Bewegungen, die hinter den monatelangen Protesten gegen Al-Baschir stehen, kündigten an, die Proteste würden so lange weitergehen, bis die Regierung in die Hände von Zivilisten gelegt werde.

Experten warnen, ein großer Konflikt im Sudan könnte die ganze Region destabilisieren. Zudem könnte die Zahl der Migranten, die den Sudan als Transitland nach Libyen und Europa nutzen, dann rasch ansteigen.

Am Wochenende sah es so aus, als trieben die Demonstranten im Sudan das Militär vor sich her: Am Freitagabend, also nur einen Tag nach dem Sturz al-Baschirs, erklärte Militärherrscher Awad Ibn Auf überraschend seinen Rücktritt. Der frühere Verteidigungsminister galt als langjähriger Weggefährte al-Baschirs und war von den Demonstranten abgelehnt worden.

Am Samstag verkündete sein Nachfolger, der als volksnäher geltende frühere Generalinspekteur Abdel Fattah Burhan, dass der Chef des verhassten Geheimdienstes NISS, Abdallah Gusch, zurückgetreten sei. Viele Demonstranten jubelten und forderten zudem die Auflösung des Geheimdienstes: dessen Agenten sollen politische Gefangene oft brutal gefoltert haben.

Die Proteste im Sudan dauern bereits seit Dezember an, wurden aber Anfang April mit dem Beginn einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in Khartum immer größer. Die Demonstranten stellen einen Querschnitt aller Bevölkerungsgruppen dar, wobei Frauen oft eine führende Rolle spielen.

Zum Symbol der Proteste wurde zunächst die 22-jährige Studentin Alaa Salah: Ein Foto zeigt, wie sie locker in ein weißes Tuch gewickelt auf dem Dach eines Autos steht, Parolen ruft und singt. Videos halten fest, wie sie Sprüche ausruft, auf die die Menschenmenge mit dem arabischen Wort für „Revolution“ antwortet.

Salah freut sich, dass die Bilder von ihr – die sich in sozialen Netzwerken rasch um die ganze Welt verbreiteten – mehr Aufmerksamkeit auf die Revolution im Sudan gelenkt haben. Sie hofft auf einen grundlegenden Neuanfang. „Seit dem Beginn der Proteste bin ich jeden Tag auf die Straße gegangen, um an den Demonstrationen teilzunehmen, weil mich meine Eltern dazu erzogen haben, meine Heimat zu lieben“, sagte Salah der britischen Zeitung „Guardian“.

Die Mehrheit der rund 41 Millionen Sudanesen ist noch jünger als 25. Sie wünschen sich ein Land, in dem sie Arbeit, Einkommen und Würde finden können. Unter al-Baschir war der Sudan jedoch in eine tiefe Wirtschaftskrise geschlittert. Das Land gehört einem UN-Index zufolge zu den 25 ärmsten Ländern der Welt. Daher ist klar: Wer auch immer demnächst im Sudan das Sagen hat, wird Hilfe von außen brauchen. Saudi-Arabien sagte der Militärführung am Wochenende Unterstützung zu. Aus den USA oder den EU-Staaten war bislang noch kaum etwas zu hören – dort scheint man noch abzuwarten.

Experten der Denkfabrik International Crisis Group fordern Washington und Brüssel jedoch zu raschem Handeln auf, um die demokratischen Kräfte zu stärken. „Sie sollten klarmachen, dass wirtschaftliche Unterstützung und andere Formen der Zusammenarbeit mit dem Sudan von einer wirklichen Übergabe der Macht an eine zivile Führung abhängen.“

  • dpa
  • ap
  • rtr
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