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AHK-Umfrage Deutsche Unternehmer in der Türkei fürchten sich vor der schwankenden Lira

Bisher haben sich deutsche Manager am Bosporus mit Kritik an der Wirtschaftspolitik des Landes zurückgehalten. Doch das ändert sich nun. Eine Umfrage zeigt, was ihnen das Leben schwermacht.
03.12.2020 - 16:01 Uhr Kommentieren
Die AHK-Umfrage ist eine indirekte Warnung an die Wirtschaftspolitiker in der türkischen Hauptstadt. Quelle: Reuters
Recep Tayyip Erdogan

Die AHK-Umfrage ist eine indirekte Warnung an die Wirtschaftspolitiker in der türkischen Hauptstadt.

(Foto: Reuters)

Istanbul Die Corona-Pandemie fordert Unternehmerinnen und Unternehmern weltweit vieles ab. Lieferketten verschwinden von heute auf morgen, Ausgangssperren machen den Umsatz zunichte. Einer Umfrage der Außenhandelskammer Istanbul zufolge haben deutsche Manager in der Türkei noch ein ganz anderes Problem: die schwankende Landeswährung.

Befragt hatte die bilaterale Handelskammer ihre rund 900 Mitglieder in der Türkei, darunter kleine und große deutsche und türkische Betriebe. 77 Prozent der Befragten in einer Umfrage der bilateralen Handelskammer sehen den Wechselkurs der türkischen Lira als das größte Risiko ihrer Aktivitäten in der Türkei. (Mehrfachnennungen waren dabei möglich.)

Seit dem Jahr 2017 beträgt dieser Wert bei den Umfragen der Istanbuler Kammer regelmäßig über 50 Prozent. „Wir wünschen uns eine weniger volatile Währung“, sagt Kammerpräsident Markus Slevogt zu den Umfrageergebnissen.

Die Umfrage ist eine indirekte Warnung an die Wirtschaftspolitiker in der türkischen Hauptstadt. Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn ein Viertel an Wert verloren. Das bedeutet nicht nur, dass – in Euro gerechnet – die Personalkosten sinken.

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    Sondern auch, dass Gewerkschaften in kürzeren Abständen höhere Löhne fordern, Importprodukte teurer werden oder die Verkaufserlöse sinken. Dadurch wird die Kalkulation der Unternehmer insgesamt erschwert.

    Die Währungsturbulenzen sind letztlich auch ein Risiko für die Firmenzentralen in Deutschland. Mehr als 7000 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind in der Türkei aktiv. Je schwieriger es für sie wird, in der Türkei Geschäfte zu machen, desto weniger Anreiz haben sie, überhaupt noch dort zu bleiben.

    Auch an der restlichen Wirtschaftspolitik lassen die befragten Mitglieder der Kammer kein gutes Haar. 62 Prozent nennen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als „größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen“. 36 Prozent sorgen sich außerdem um die Finanzierung. Über die Infrastruktur in dem Land oder einen möglichen Fachkräftemangel machen sich mit acht beziehungsweise 15 Prozent eher weniger Unternehmer Sorgen.

    Türkische Geschäftsleute erhalten kein Schengenvisum

    Auch die derzeit geltenden Reiseeinschränkungen treffen die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Türkei, die in ihrem Geschäft einen Deutschlandbezug haben. Das liegt vor allem daran, dass türkische Geschäftsleute derzeit kein Visum erhalten, um für geschäftliche Zwecke in den Schengenraum einzureisen.

    Wegen der Corona-Pandemie glauben 57 Prozent der Befragten, dass die konjunkturelle Entwicklung in der Türkei mittelfristig schlechter verlaufen wird; vier Prozent glauben demnach, sie werde „deutlich schlechter“ sein. Im Vergleich dazu erwarten nur 17 Prozent eine Verbesserung der konjunkturellen Lage.

    Interessant ist, welche Lehren die Unternehmen aus Lockdowns und wirtschaftlichem Teil-Stillstand ziehen. 69 Prozent geben an, dass die Corona-Pandemie die Digitalisierung ihres Unternehmens in den Vordergrund gerückt hat.

    Dass die Pandemie sie dazu veranlasse, die Kosten zu senken oder Investitionen zu streichen, gaben jeweils 56 Prozent der Befragten an. Ein Viertel der Befragten gab an, Personal abzubauen. Nur 15 Prozent glauben, sie müssten in Zukunft ihre Lieferketten ändern.

    Die Ergebnisse zur wirtschaftlichen Erholung sind in der Türkei pessimistischer als im weltweiten Vergleich. 31 Prozent der Befragten gaben an, mit einer Erholung im kommenden Jahr zu rechnen (weltweit: 36 Prozent). 44 Prozent (weltweit: 38 Prozent) glauben, dass erst 2022 eine wirtschaftliche Erholung eintritt; 23 Prozent rechnen sogar damit, dass es noch länger dauert (weltweit: 19 Prozent).

    Zaghafter Optimismus

    Positiv bewerten die Umfrageteilnehmer die Situation für ihre Angestellten. 21 Prozent planen demnach, wieder mehr Beschäftigte einzustellen. 32 Prozent planen einen Stellenabbau. Das Saldo ist zwar noch negativ, allerdings deutlich kleiner im Vergleich zu einer Umfrage zu Beginn der Corona-Pandemie.

    Auch bewerten nun 83 Prozent der Befragten ihre geschäftliche Entwicklung „gleichbleibend“ oder „besser“. Im Frühjahr waren es nur 41 Prozent.

    Kammerpräsident Slevogt glaubt an das Durchhaltevermögen der Mitgliedsunternehmen in der Türkei. „Dies beginnt sich auszuzahlen, da trotz erschwerter Rahmenbedingungen die Geschäftsprognosen der Unternehmen positiver als erwartet ausfallen.“ Die AHK Türkei existiert seit 1994 und ist mit über 900 Mitgliedern eine der größten ausländischen Handelsvertretungen in der Türkei.

    Mehr: Die frühe Öffnung der türkischen Wirtschaft war unausweichlich.

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