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Alexander Van der Bellen Die Stunde des Seelenheilers: Österreichs Bundespräsident bewährt sich als Krisenmanager

Nach der Ibiza-Affäre muss Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen das Land stabilisieren und die verfeindeten Parteien zu einem konstruktiven Umgang bewegen.
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Der österreichische Bundespräsident schien in den vergangenen Tagen omnipräsent. Quelle: AFP/Getty Images
Alexander Van der Bellen

Der österreichische Bundespräsident schien in den vergangenen Tagen omnipräsent.

(Foto: AFP/Getty Images)

Wien Es waren seine Worte, die in den vergangenen Tagen die größte Heilkraft verströmten, seine Sätze, die am ehesten dazu in der Lage waren, die angegriffenen Nerven seiner Landsleute zu beruhigen. „So sind wir nicht; so ist Österreich nicht“, hatte er den Bürgern seines Landes und den Menschen in aller Welt übermittelt. Und dann: „Ich bitte Sie, wenden Sie sich nicht angewidert von der Politik ab... meine Damen und Herren, nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon wieder hin.“

Es ist die Rolle von Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen, das Land nach dem Fiasko der Ibiza-Affäre zu stabilisieren. Vielleicht ist es die Rolle seines Lebens, auch wenn das Ausmaß des Desasters so groß ist, dass Van der Bellens sensible Einlassungen zuweilen eher wie Sofortmaßnahmen am Unfallort wirken.

Der Bundespräsident schien in den vergangenen Tagen omnipräsent; selten öffnete sich die Tapetentür im Maria-Theresien-Zimmer der Wiener Hofburg so häufig wie in dieser Woche. Erst am Mittwoch vereidigte Van der Bellen in seiner historischen Residenz die neuen Minister der Übergangsregierung.

Das Zimmer wirkte viel zu klein, das technische Durcheinander der Fernsehkameras übermächtig. Und über allem schwebte das Ölbildnis von Kaiserin Maria Theresia im ungarischen Krönungskleid, die gutmütig und gelassen auf die neue Übergangsregierung herabblickte.

„Seit wir alle am Freitagabend diese bizarren Videoaufnahmen gesehen haben, ist einiges passiert“, sagte Van der Bellen ins Blitzlichtgewitter hinein. Wieder einmal hatte er jedes Wort mit Bedacht gewählt. „Einiges passiert“ – das ist angesichts des realpolitischen Schlamassels durchaus ironisch zu verstehen.

Den vier Experten, die die bisherigen FPÖ-Minister ersetzen sollen, redete Van der Bellen präventiv ins Gewissen. „Sie tragen jetzt eine wesentliche Mitverantwortung dafür, dass unsere Heimat eine positive Entwicklung nimmt“, mahnte er. „Ich wünsche Ihnen allen von Herzen eine gute Hand, etwas Glück und viel Erfolg.“

Der 75-Jährige navigiert die verstörte Republik mit Ruhe und Verstand durch eine Krise, die durch den Bruch der Regierungskoalition zwischen ÖVP und FPÖ ausgelöst wurde. In der wohl katastrophalsten Situation der österreichischen Demokratie seit Ende des Zweiten Weltkriegs präsentiert sich Van der Bellen im besten Sinne staatsmännisch.

Dass er sich dabei nicht auf seine Lebenserfahrung allein verlassen kann, zeigt schon, dass in den kommenden Monaten ein Gremium aus Experten das Land regieren wird. Man betrete „politisches Neuland“, wie er es selbst formulierte.

Und doch: Ohne die Lektionen, die er in den zurückliegenden Jahrzehnten als öffentliche Person gelernt hat, würde es Van der Bellen wohl kaum gelingen, mit dieser Souveränität aufzutreten. Der Wirtschaftsprofessor, in Wien als Sohn einer Estin und eines Russen geboren, saß 14 Jahre im österreichischen Nationalrat, als früherer Chef der Grünen kennt er die Befindlichkeiten der Parteien.

Im Dezember 2016 setzte er sich im Kampf um die Hofburg gegen den rechtspopulistischen Kandidaten Norbert Hofer durch, heute designierter FPÖ-Chef. Ein Jahr später war es als Bundespräsident seine Pflicht, die Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ zu vereidigen; angesichts seiner Abneigung gegenüber den Rechtspopulisten tat er dies sichtlich widerwillig.

Nun scheinen die unappetitlichen Äußerungen des ehemaligen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache, in einem heimlich aufgezeichneten Video der Weltöffentlichkeit aufgetischt, dem Präsidenten recht zu geben.

Anders als zu Strache, pflegte Van der Bellen zum Kanzler von jeher ein vertrauensvolles Verhältnis. Niemand zweifelt daran, dass er den populären Sebastian Kurz gern bis zu den Neuwahlen im September im Amt sehen würde. Bis Montag muss Van der Bellen, der Brückenbauer, die tief verfeindeten Parteien davon überzeugen, konstruktiv miteinander umzugehen. Andernfalls würde ein Misstrauensvotum Kanzler Kurz aus dem Amt spülen.

Mehr: Alexander Van der Bellen hat sich in einer Ansprache an die Bürger gewandt. Österreich solle nicht das Vertrauen in die Politiker verlieren, sagte er.

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