Alexis Tsipras „Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem“

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Finanzminister Varoufakis bereut Foto-Story im „Dolce-Vita“-Stil

Die griechische Regierung sorgt immer wieder durch Drohungen, Forderungen und eigentümliche Auftritte für Aufsehen - oft zum eigenen Nachteil. So bereut der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis jetzt eine opulente Fotoserie mit seiner Frau in dem französischen Magazin „Paris Match“. Varoufakis hatte sich von dem Blatt inmitten der schweren Finanzkrise seines Landes im Dolce-Vita-Stil fotografieren lassen und musste sich dafür viel Kritik und Spott gefallen lassen. „Ich frage mich: Gefällt mir diese Ästhetik? Nein. Und ich bereue es. Wir beide (er und seine Frau) bereuen es“, sagte Varoufakis am Sonntag im griechischen Fernsehen.

Unterdessen dementierten Regierungskreise in Athen Berichte, wonach eine Entmachtung des Minister unmittelbar bevorstehen könnte. Einige Medien verwandelten hier „Wunschträume“ in Nachrichten, wurde in Athen erklärt.

Varoufakis erklärte am Sonntag, warum er sich auf die Fotos eingelassen habe. „Der Text, der diese Reportage begleitet, hat für uns (Griechenland) politisch sehr viel Gutes in Frankreich gebracht (...) Ich wünschte nur, es gebe diese Fotos nicht“, sagte Varoufakis.

Am Freitag hatte „Paris Match“ mehrere Fotos des Finanzministers und seiner Frau in ihrem Penthouse in einem der teuersten Stadtviertel Athens unterhalb der Akropolis veröffentlicht. Einfache Bürger zeigten sich im Fernsehen verwundert, dass sich Varoufakis angesichts der Schuldenkrise stundenlang für solche Fotoproduktionen Zeit nehme.

Die griechische Boulevardpresse hatte kürzlich ausgerechnet, dass Varoufakis binnen 30 Tagen mehr als 40 Interviews vor allem im Fernsehen gegeben hat. Kritik an den Fotos war auch aus Regierungskreisen gekommen. „Ich bin offen für Kritik“, sagte Varoufakis dazu.

Der Vorgang kommt für Griechenland zur Unzeit, da darüber spekuliert wird, dass der griechischen Regierung das Geld ausgeht. Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, äußerte sich Ministerpräsident Tsipras in dieser Weise gegenüber dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Schulz.

Demnach forderte Tsipras von der Europäischen Zentralbank, den Rahmen für kurzfristige Staatsanleihen um zwei bis drei Milliarden Euro zu erhöhen. Schulz habe Tsipras gedrängt, sich in einem Brief an die Euro-Gruppe unter anderem zu Privatisierungen und dem Aufbau eines Katasterwesens zu bekennen. Tsipras habe das in allgemeiner Form zugesagt.

Dem Bericht zufolge müssen die Griechen damit rechnen, dass die Regierung am Monatsende Renten und Gehälter von Staatsbediensteten nicht mehr voll auszahlen kann.

Zuvor hatte Varoufakis erstmals eine Verschiebung von Syriza-Wahlversprechen angedeutet, um die Geldgeber gnädiger zu stimmen. Athen muss bis Ende nächsten Monats eine Reform- und Sparliste vorlegen, um grünes Licht für ausstehende Kredithilfen zu bekommen.

Die Zeit drängt. Athen muss bis zum 20. März in zwei Raten weitere 842 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen und hätte damit die 1,5 Milliarden Euro IWF-Verpflichtungen für März erfüllt.
Ökonomen vermissen jedoch eine klare Strategie. „Athen sitzt mit einem brennenden Feuerzeug auf dem Pulverfass“, meinte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

  • dpa
  • dne
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10 Kommentare zu "Alexis Tsipras: „Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem“ "

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  • Alles Bestens in Griechenland ! Zwar begehen diese Mittelmeer-Banditen mit Duldung der EU sowie der Troika und der EZB permanent Insolvenzverschleppung, aber von Illiquidität will man in Athen nichts wissen. Die Lage ist hoffnungslos und das weiß auch jeder ...

  • "Der deutsche Einfluss in der EU und vor allem in der Eurozone ist entschieden zu stark."

    Dass die Deutschen weiterhin als "Netto"-Zahler auftreten ist aber in Ihren Augen in Ordnung?

    "Solange wir kein europäisches Finanzministerium und keine Fiskalunion, mit Teilverzicht auf Steuerhoheit der einzelnen Ländern, haben, werden die EU und die Eurozone unregierbar bleiben. An eine Fiskalunion führt kein Weg vorbei, ob es den Deutschen und Franzosen gefällt oder nicht. Eine gemeinsame Währung ohne Fiskalunion hat es nie gegeben und ist nicht überlebensfähig."

    Gott behüte uns vor einem "europäischen Finanzministerium" und einer "Fiskalunion". Dann kann man als Deutscher sein sauer verdientes Geld gleich direkt in den ClubMed überweisen. Unsere Regierung bekommt die eigenen nationalen Probleme nicht in den Griff - wie soll es da ein EU-Moloch sinnvoll, zu unserem Nutzen verwalten?

    "ob es den Deutschen und Franzosen gefällt oder nicht......" - den Franzosen ggf. schon - den Deutsche in jedem Fall nicht!

  • Das Gezänk und Gezerre zwischen Griechenland und den anderen Europäern wegen Geld wird wird auf Dauer langweilig. Warum gibt man den Griechen nicht einfach eine Gelddruckmaschine in die Hand, damit wäre endlich Ruhe. Wenn Draghi ohne demokratische Legitimation Geld drucken darf, warum dann nicht auch Griechenland?

  • Es sind Griechenlands Schulden, aber unser Problem!

    Jedem, der die Grundschule erfolgreich abgeschlossen hat, ist klar, dass die Griechen die Schulden nicht zurückzahlen. Das bestätigen zwischenzeitlich selbst griechische Politiker! Jede weitere Zahlung ist gutes Geld dem schlechten Geld hinterhergeworfen.

    Die Politik hat schon vor Jahren versagt, da unsere Politiker die Grundrechenarten nicht beherrschen!

    Es wird Zeit, dass unsere Politikerendlich einmal aufwachen und handeln!

  • Wenn der Fehler gemacht wurde, den Euro einzuführen ohne Fiskalunion, dann sollte der Fehler dahingehend korrigiert werden, daß die Eurozone aufgelöst wird. Kein europäisches Land will eine Zentralregierung in Brüssel.

  • Stimmt, Liquidität ist auf jeden Fall vorhanden! Die meiste in USA, weil, sie brauchen es ja nur zu drucken. Die wenigste, in Griechenland, denn sie muß ja erarbeitet werden und das hat man nie gelernt. Andere anbohren, neuerdings mit Charisma, ist ja so angenehm einfach. Vor allem, wenn da alte Sünden zu Schuldgefühlen hochstilisiert werden. What a woderful world.

  • Es fehlt uns noch! Die Deutschen werden in Europa ausgelacht: die deutschen werden geboren um zu arbeiten, andere arbeiten um zu leben!

  • Ansonsten: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen!

  • ' Eine gemeinsame Währung ohne Fiskalunion hat es nie gegeben und ist nicht überlebensfähig.'. Doch hat es, die lateinische Münzunion, aber richtig, sie ist daran zerbrochen.

  • Der deutsche Einfluss in der EU und vor allem in der Eurozone ist entschieden zu stark. Solange wir kein europäisches Finanzministerium und keine Fiskalunion, mit Teilverzicht auf Steuerhoheit der einzelnen Ländern, haben, werden die EU und die Eurozone unregierbar bleiben .An eine Fiskalunion führt kein Weg vorbei, ob es den Deutschen und Franzosen gefällt oder nicht. Eine gemeinsame Währung ohne Fiskalunion hat es nie gegeben und ist nicht überlebensfähig.

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