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Ali Sherif Al Emadi „Wir suchen Win-Win-Chancen“ – Katars Finanzminister kündigt große Investitionen an

Vor der deutsch-katarischen Investorenkonferenz in Berlin zeigt sich Katars Finanzminister zufrieden – auch mit der Strategie seines Landes in der Türkei.
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„Wir glauben an die Kraft der deutschen Wirtschaft.“ Quelle: Reuters
Ali Sherif Al Emadi

„Wir glauben an die Kraft der deutschen Wirtschaft.“

(Foto: Reuters)

DohaDer Blick aus dem Finanzministerium in Katar schweift vom Souk Waqif, dem historischen Basar in der Altstadt, bis zur modernen Skyline mit futuristischen Wolkenkratzern. In wenigen Bildern fügt sich zusammen, was in dem Golfemirat innerhalb weniger Jahrzehnte gewachsen ist. Das kleine Land hat sich vom Perlenfischer-Dorf zum weltgrößten Flüssiggasexporteur entwickelt.

Herr Minister, Katars Emir und die Bundeskanzlerin eröffnen am kommenden Freitag eine deutsch-katarische Investorenkonferenz in Berlin. Wird Ihr Land dort weitere Milliarden-Investitionen in Deutschland verkünden?
Wir haben ja schon jahrzehntelange starke Beziehungen zu Deutschland und investieren seit 25, 30 Jahren dort. Wir sehen Deutschland als einen Schlüsselspieler in der Weltwirtschaft und blicken auf den deutschen Markt mit großem Optimismus. Unsere Delegation wird neue große Investitionen verkünden. Aber ich hoffe, dass dies beidseitig geschieht.

An welchen Branchen sind sie interessiert?
Bisher hat Katar schon mehr als 20 Milliarden Dollar investiert. Und wir waren dabei sehr offen mit unseren Engagements – vom Auto-, über den Bankensektor, Technologie, Infrastruktur. Wir schauen rein kommerziell auf unsere Investitionen, sind aber besonders an Win-Win-Situationen interessiert – also dass unser Engagement gut ist für die deutsche und die katarische Wirtschaft. Aktuell schauen wir uns mehrere Projekte an.

Wie zufrieden sind Sie mit ihren bisherigen Investitionen bei Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens oder Solarworld?
Wo wir uns beteiligen, verfolgen wir ausschließlich eine langfristige Strategie. Wir machen keine Schnappschüsse. Als wir bei Volkswagen eingestiegen sind, waren das schwierige Zeiten, aber wir haben bis heute gutes Geld damit gemacht. Und wir haben dem Unternehmen geholfen, den Arbeitnehmern dort. VW ist weiter einer der zwei global größten Autokonzerne und wir stehen zu unserem Engagement dort. Insgesamt haben wir sehr gut in Deutschland agiert.

Auch bei der Deutschen Bank?
Deshalb sage ich immer, dass wir keine Momentaufnahmen zu bestimmten Zeitpunkten machen. Wir sind ein Ausdauerspieler und das in allen Sektoren, ob Auto- oder Finanzen.

Auch bei Solarworld, dem Solarpanel-Produzenten, der bereits zweimal Insolvenz beantragen musste?
Immer wenn man über neue Technologien oder die Transformation von Technologiefirmen spricht, ist dies nicht einfach. Aber ich bin sicher, dass diejenigen, die diese Unternehmen managen, die Herausforderungen lösen.

Bisher ist Katar vor allem bei großen Konzernen investiert. Aber Deutschland ist bekannt für seinen Mittelstand. Besteht Interesse, auch bei kleineren, nicht börsennotierten Firmen einzusteigen?
Genau darum wird es bei der Investorenkonferenz gehen. Unsere Firmenvertreter sollen sich mit der deutschen Wirtschaftscommunity vernetzen, alle Möglichkeiten verstehen. Eben nicht nur die Regierungsseite, sondern auch die Unternehmer. Wir bringen eine große Wirtschaftsdelegation nach Berlin und suchen Win-Win-Chancen.

Sie wollen also nicht nur weitere Investitionen Ihres Staatsfonds QIA, sondern auch mehr Investitionen des Privatsektors?
Es geht um beides. Was unseren Staatsfonds QIA angeht, so macht der die größeren, komplizierten Transaktionen mit viel längerer Perspektive. Aber auch viele katarische Unternehmer haben Investments in Deutschland und mehr als 300 deutsche Firmen haben Vertretungen in Katar.

Auch China kauft sich gerade massiv in den deutschen Mittelstand ein. Sind Sie bereit zur Konkurrenz mit chinesischen Firmen?
China ist viel größer als wir, damit vergleichen wir uns nicht. Es gibt so viele Chancen für alle in Deutschland. Und wir haben lange Erfahrung in Deutschland, die Deutschen wissen, dass wir zu unseren Investitionen dort stehen – auch in schwierigen Zeiten. Wir haben uns auch während der weltweiten Finanzkrise in Europa engagiert, an die Kraft der europäischen Wirtschaft geglaubt, sind nicht in schwierigen Zeiten ausgestiegen. Und wir glauben an die Kraft der deutschen Wirtschaft.

Katar wurde in den Medien scharf für seine Ankündigung kritisiert, dass es ausgerechnet jetzt 15 Milliarden Dollar in der wirtschaftlich taumelnden Türkei investieren will.
Warum?

Es wurde gesagt, dass dies geschieht, um Präsident Erdogan zu retten.
Die Türkei ist ein G20-Land, ein Global Player, eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Und wir haben eine strategische Partnerschaft mit der Türkei…

… die aber ökonomisch eine Krise durchlebt.
Aber wir haben doch auch andernorts Investitionen getätigt zu Zeiten, die alles andere als perfekt waren. Wir sind keine Schönwetter-Investoren. Als wir 2008/09 sehr viel in Europa investiert haben, hätte man uns dasselbe vorwerfen können wie heute in der Türkei. Europa war seinerzeit ja auch nicht in Bestform. Wir glauben an die türkische Wirtschaft, sie wird viel stärker aus der Krise herauskommen. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Türkei sind sehr stark. Ich mache mir da keine Sorgen um unsere Investitionen.

Es geht also nicht um politische Unterstützung für Erdogan?
Er ist gerade erst gewählt worden. Ich glaube nicht, dass er da gerade jetzt unsere Unterstützung braucht.

Wie steht es eigentlich um Katars finanzielle Feuerkraft? Als der Ölpreis einbrach, kam es zu Haushaltsproblemen...
Nein, wir hatten nie Haushaltsprobleme. Wir werden von den Ratingagenturen genau beobachtet, arbeiten mit dem Internationalen Währungsfonds zusammen, wir sind sehr transparent. Was wir in den letzten 15, 16 Monaten gemacht haben, vor allem seit im Juni 2017 die Blockade gegen uns verhängt wurde, zeigt: Wir sind die am schnellsten wachsende Wirtschaft am Golf, und der größte Anteil des Wachstums kommt aus dem Privatsektor. Wir haben zudem seit acht, neun Monaten einen starken Wiederanstieg des Ölpreises erlebt. Im ersten Quartal 2018 hatten wir wieder Haushaltsüberschüsse. Und all unsere Infrastrukturprojekte verfolgen wir weiter, die Vorbereitungen zur Fußball-WM 2022 in Katar laufen völlig normal. Da gibt es keine Verzögerungen.

Aber Sie haben doch einige Projekte gestoppt oder verzögert?
Nein. Alles was wir brauchen, machen wir. Wenn etwas nicht wirklich benötigt wird, überdenken wir es ungeachtet der Höhe des Ölpreises. Wir müssen effizient sein und uns jeden Tag hinterfragen. Damit haben wir deutlich früher als andere begonnen und lange vor der Korrektur der Ölpreise. Wir haben schon 2013 ein Effizienzprogramm gestartet, damals lag der Ölpreis bei über 100 Dollar. Als die Blockade gegen uns verhängt wurde, spotteten einige, nur werde es zu massiven Verzögerungen kommen, die Inflation werde galoppieren, die Preise würden explodieren. Wenn man das Wachstum heute sieht und das die Inflationsrate bei unter einem Prozent liegt, sieht man, dass die Blockade nicht wirkt.

Gar nicht?
Wir mussten Logistikprobleme lösen, unsere Lieferketten ändern, neue Lieferanten finden, unsere strategischen Reserven sichern. Aber nichts davon hat die reale Lage verschlechtert.

Aber die Landeswährung Rial ist doch stark unter Druck geraten.
Man wollte mit Währungsmanipulationen Druck auf uns ausüben. Wir haben sofort gegengesteuert und sind dagegen vorgegangen.

Große Anlagesummen wurden aus katarischen Banken abgezogen.
Nur in den ersten Wochen der Blockade. Wenn man jetzt auf Katars Banken schaut, auf ihre Kapitalisierung, ihre Liquidität und ihre Reserven, ist alles in Ordnung. Die Reserven der Zentralbank sind wieder auf Vor-Blockade-Niveau. Wir haben die Probleme der Blockade abgeschüttelt.

Sie mussten aber dafür viel Kapital ins Bankensystem pumpen.
Wir haben nur Einlagen des Staatsfonds QIA und staatliche Reserven bei privaten Banken angelegt.

Aber die öffentliche Verschuldung ist binnen eines Jahres auf umgerechnet 115 Milliarden Euro stark gestiegen. Müssen sie mit großen Anleihen Haushaltslöcher stopfen?
Nein. Wir haben gerade vor ein paar Monaten die mit zwölf Milliarden Dollar größte Anleihe eines Schwellenlandes im Jahr 2018 ausgegeben, mit einem sehr günstigen Prozentsatz für uns und mit großer Nachfrage seitens internationaler Investoren. Wir werden von den Ratingagenturen mit AA bewertet, unsere Staatsverschuldung ist weiter sehr moderat. Ich sehe überhaupt keine Herausforderungen. Wenn der Ölpreis so bleibt wie jetzt, verzeichnen wir Haushaltsüberschüsse.

Was erwarten Sie von Deutschland?
Deutsche Firmen sind hier in Katar stark engagiert, viele sind bei Infrastrukturprojekten beteiligt. Aber Katar wächst immer weiter, in neuen Sektoren: Bildung, Gesundheitswesen und andere Bereiche. Wir haben gerade eine Freihandelszone eingerichtet, um ausländischen Investoren eine neue Plattform mit deutlich einfacheren Vorschriften zu bieten. So soll Katar Drehscheibe für die ganze Region werden, auch für die Finanzbranche mit dem Qatar Financial Center.

Aber die Blockade der Nachbarstaaten behindert doch Lieferungen aus Katar in die gesamte Region.
Nur in diese Länder. Zwei Milliarden Menschen leben weniger als vier Stunden Flugzeit von Doha entfernt. Das ist ein großer und sich schnell entwickelnder Markt: Pakistan, Oman, Kuwait, Irak. Sie alle können von Katar aus beliefert werden. Wir haben niemanden aus dem Land geworfen, niemand zu unerwünschten Personen erklärt, keine Beziehungen abgebrochen – ganz im Gegensatz zu anderen.

Herr Minister, vielen Dank für das Interview.

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