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Alkoholregelungen Die neue Prohibition

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China: Pflichttrinken auf das Wohl der Partei

Heftiges Saufen gehört in China zu sozialen Ereignissen dazu – wie in anderen Gesellschaften auch. Doch die Spielregeln liegen völlig anders als im Westen, was den Besucher aus dem Westen regelmäßig verblüfft. Chinesen trinken nur, wenn sie auch essen. Deshalb gibt es Spirituosen in großen Mengen vor allem bei Festessen; traditionell gibt es dagegen keine Kneipen.

Doch auch wenn Alkoholismus bisher insgesamt eher weniger Probleme bereitet als anderswo: Gerade bei Geschäftsessen und Staatsbanketten saufen vor allem die Männer manchmal geradezu barbarisch. Denn ein lautes „Ganbei!“ jagt das nächste (auf die Freundschaft, auf den Vorsitzenden, auf die Partei, auf den Erfolg...), so dass die Teilnehmer die zweite Hälfte des Abends oder der Nacht garantiert nur im Rausch erleben. "Ganbei" heißt nicht nur "prosit", sondern sogar "leeres Glas", so dass die Teilnehmer ihren Schnaps auch gerne mal tatsächlich auf ex wegkippen.

Die Chinesen trinken dabei meist Hochprozentiges: Ein grobes Destillat namens „Weißschnaps“ (Baijiu) oder den milderen Maotai-Schnaps – der ist aber zu teuer für den Alltag. Bier ist auch beliebt, aber eher wochentags zum Essen als auf den Banketten mit steifen Tischdecken und adretten Kellnerinnen.

Doch die chinesische Sauf-Kultur steht vor einem Wandel – sowohl auf offizieller Ebene als auch in der Einstellung der Chinesen. Da das Volk sich maßlos über die üppigen Bankette der Beamten und Parteimitglieder auf Staatskosten ärgert, hat der populäre neue Machthaber Xi Jinping nicht nur die Menüs, sondern auch die angebotenen Getränke strikt regulieren lassen. Den Offizieren der Armee hat er den Alkohol bei offiziellen Anlässen sogar schlicht verboten.

Auch Geschäftsleute wissen immer öfter einen klaren Kopf mehr zu schätzen als die Verbrüderung im Suff. Den Schnaps mit Hinweis auf ein ärztliches Gebot ganz abzulehnen ist auch bei Geschäftsessen inzwischen völlig in Ordnung und schadet auch dem Verhandlungserfolg nicht mehr. Westliche Manager sollten also wissen, dass sie durchaus ablehnen können oder statt mit dem höllisch starken Beijiu einfach mit dem vertrauten Bier mittrinken – das bekommt ihnen garantiert besser.

Einige Manager in Peking stellen inzwischen auch jüngere Mitarbeiter hauptsächlich zum Mittrinken und zur Betreuung von Geschäftskontakten aus der Provinz ab, die in ihrer altmodischeren Haltung immer noch eine zünftige Orgie erwarten. „Privat trinke ich so gut wie gar nichts mehr“, verrät uns ein 26-jähriger Mitarbeiter einer europäischen Firma für Metallverarbeitung. „Mein Chef zwingt mich oft zum Trinken mit seinen Kumpels, während er selbst sich zurückhält. Danach ist mir jedes Mal für einen Tag schlecht.“

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9 Kommentare zu "Alkoholregelungen: Die neue Prohibition"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist aber auch aus psychologischer Sicht ein Fakt, dass nie so viel gesoffen wurde, wie zu Zeiten der Prohibition.
    Verbot alleine greift zu kurz.

    Es fängt schon im Elternhaus an. Wie ist der Stellenwert von Alkohol in der Familie? Wie wird er dargestellt? Als nötiges soziales Bindemittel, wie es scheinbar bei Beck der Fall war?

    Zum derzeitigen Stand der Forschung kann man nur sagen, dass je früher Kinder Alkohol trinken, desto grösser die Chance, dass sie damit nicht umgehen können.
    Die Vision, lassen wir die Kleinen mittrinken durch sie ab und zu mal am Glas nippen zu lassen, um so den Umgang mit Alkohol zu lernen, hat sich als falsch erwiesen.

    Wie gesagt, je früher man Alkohol trinkt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein problematischer Umgang mit Alkohol abzeichnet.
    Als Faustregel gilt also, dass vor dem 16. Lebensjahr keinerlei Alkoholkonsum stattfinden sollte und danach auch nur begrenzt.
    Wobei dies natürlich schon an Glaubwürdigkeit verliert, wenn die Eltern jeden Tag mit einem Bier in der Hand irgendwo rumsitzen. Oder Alkohol als Belohnung für vollbrachte Taten propagieren.
    Abgesehen davon kann ein gepflegtes Glas von Zeit zu Zeit oder eine mit Freunden geleerte Flasche zum Wohlbefinden beitragen.

  • Jetzt bitte noch einen Beitrag von Ihnen zum Stichwort: Wegzehrung!
    Wie kann man Wege verzehren? ;)

  • "alkoholisches Getränk verzehrt"

    Liebes HB, wie kann man ein Getränk verzehren?

    In der Bahn höre ich manchmal die Durchsage:"Der Verzehr von Alkohol..."

  • Also wenn, dann bitte fair und richtig: Also alle Biergärten schließen, Volks- und Strassenfeste nur noch mit Tee und Kaffee und alle anderen Massenveranstaltungen bei denen Wein ausgeschenkt wird, wie z.B. Kirchenveranstaltungen auch verbieten.

    [....]. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Dass der Konsum von Alkohol eine wichtige soziale Aktivität sein soll, werden nicht nur Anwohner ( Touristen, Bahnfahrer usw.) seltsam finden.
    Sozialarbeiter, Psychologen und verwandte Professionen werden zurecht gegen diese Titulierung Sturm laufen. Sie ist nämlich aus wissenschaftlicher Sicht völlig deplatziert.
    Ginge man von ihrer Richtigkeit aus, wäre "Saufgelage" eine prima Methode für die Jugend- und Altenarbeit. Das geht aber an der Realitä völlig vorbei.
    Ich unterstütze daher das Vorhaben, Alkoholkonsum zumindest in der Öffentlichkeit zu regeln, ebenfalls.

  • "Sich voll laufen zu lassen, ist deutlich weniger verbreitet als etwa in Deutschland."
    So eine Aussage hat mit objektiven Journalismus nichts zu tun. Das Niveau sinkt anscheinend täglich.

    Wenn Italien schon als Referenz für "züchtiges" Verhalten herangezogen wird, dann sollte der Schreiberling wenigstens anmerken, dass der dortige Drogenkonsum "etwas höher" ist als in Deutschland.

    Artikel ist von 2007 aber viel hat sich bis heute nicht verändert"
    ".... Gleichwohl führen die nüchternen Briten weiter die Liste der europäischen Spitzenkonsumenten an, vor Spanien auf Platz zwei und den Italienern auf Platz drei, von dem sie gerade die Holländer verdrängt haben. Monatlich werden hier allein 300 Kilogramm Kokain beschlagnahmt: die Spitze eines Eisberges aus Schnee. Fallende Preise in Neapel haben die Sucht explodieren lassen. ...."
    http://www.welt.de/vermischtes/article912210/Rom-ist-offenbar-voll-auf-Droge.html


  • Daß Volker Beck seine grüne Gegenalles-Partei zur Freiheitspartei hochstilisiert, finde ich wirklich drollig. Herrn Kretschmann muß ich zwar leider Recht geben, ich bezweifle jedoch, daß ein Verbot alleine ausreicht. Wichtiger wäre es, die Jugendlichen von der Straße zu holen und sinnvoll zu beschäftigen, denn gesoffen wird zumeist aus Langeweile und Frust. Und man sollte dieses Verbot auch flexibel handhaben, denn es ist schon ein Unterschied, ob sich zwei oder drei Leute ruhig unterhalten und dabei ein Bier trinken oder ob eine besoffene Horde grölend randaliert.

  • Hitler, Stalin, Al Capone, Gandhi, all dass hatten wir schon, jeden Tag geht die Sonne auf und nach Sommer kommt wieder ein Winter.

    Alles wiederholt sich, welche Rolle spielst "DU" in diesem Spiel? Opfer, Täter, Mitläufer?

  • Volker Beck beispielsweise versteht die Welt nicht mehr: „An diesem Rad sollten wir Grüne als Freiheitspartei nicht weiter drehen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion und kritisiert: „Für viele Menschen kommt ein Alkoholverbot einem Platzverbot gleich, weil das gemeinschaftliche Trinken neben den Gesprächen eine wichtige soziale Aktivität an diesen Orten darstellt.“ Das gemeinschaftliche Saufen ist also eine wichtige soziale Aktivität. Erklären Sie das mal bitte den Anwohnern, wenn diese vom Asi-Gegröle nicht schlafen können. Dann wird mal wieder die Polizei gerufen und die "soziale Verantwortung" auf diese abgeladen. Und wehe sie schreitet ein, dann stehen die Grünen wieder auf der Matte und schmieden Lichterketten.Es geht hier nicht um Veranstaltungen oder Karneval, sondern um das regelmäßige Saufen von Gruppierungen in der Öffentlichkeit. Und da gebe ich Herrn Kretschmann Recht!