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Alkoholregelungen Die neue Prohibition

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USA: Wie im Kommunismus

Ab einem gewissen Alter ist es ja ganz schmeichelhaft, für jünger gehalten zu werden als man in Wirklichkeit ist. Doch was Charles Johnson vergangenen November in Florida passierte, ging dem Rentner dann doch zu weit. Der 80-Jährige wollte in einem Hooters-Restaurant ein Bier bestellen – doch das wurde ihm verweigert. Grund: Er hatte seinen Führerschein nicht dabei. Er konnte somit nicht beweisen, dass er über 21 Jahre alt ist – das Mindestalter für Alkoholkonsum in den USA.

Johnson protestierte vergebens, der Restaurantleiter blieb seinen Regeln treu: kein Bier ohne Ausweis. Schließlich drohen Gastronomen hohe Strafen bis zum Verlust der Lizenz, sollten sie Alkohol an Minderjährige ausschenken. Da nimmt man lieber einen renitenten Rentner in Kauf.

Mit dem Alkohol ist es in Amerika so eine Sache. Abgesehen von den Bildern feiernder College-Studenten, die sich an Spring Break wegballern, ist er gesellschaftlich akzeptiert und gehört bei gesellschaftlichen Anlässen dazu. Gleichzeitig behandeln ihn viele Bundesstaaten als einen doch irgendwie anrüchigen Stoff, der streng reglementiert werden muss. Wer durch das Land reist, sollte sich in jedem der 50 Staaten mit den Gesetzen vertraut machen, bevor er eine Bar betritt oder im Laden Bier kaufen will – denn sie sind so unterschiedlich wie zum Teil absurd.

Die meisten kennen die verräterischen braunen Papiertüten, in denen Weinflaschen zum Transport stecken, schließlich darf der gekaufte Tropfen vielerorts nicht öffentlich gezeigt, geschweige denn getrunken werden. Aber man muss überhaupt erst einmal an ihn rankommen: In der Hauptstadt Washington etwa gibt es im Supermarkt nur Bier und Wein – härteren Stoff bieten so genannte „Liquor Stores“ an, spezielle Alkohol-Geschäfte. Aber auch nur bis 22 Uhr: Dann schließen die Stores, und der 24-Stunden-Supermarkt zieht um sein Bier-Regale ein Absperrband.

In Idaho und Pennsylvania wiederum gibt es Spirituosen nur in staatlich kontrollierten Geschäften, in New York darf ein Betreiber eines Alkohol-Ladens nicht mehrere Geschäfte besitzen. In Florida ist der Verkauf zwischen drei und sieben Uhr morgens verboten, außer im Miami-Dade County. In manchen Gegenden von Alabama muss, wer nach zwei Uhr morgens ein Bier bestellen will, in der Bar erst eine kostenpflichtige Mitgliedschaft abschließen.

Besonders weit aber treibt es der Staat Utah: Hier müssen Restaurants, die keine der äußerst knappen Schanklizenzen besitzen, unter anderem einen Sichtschutz an der Bar anbringen. Der Gast soll weder den Kellner sehen noch verfolgen, wie er den Drink zubereitet. Überdies spielen die staatlichen Alkohol-Geschäfte in dem Mormonen-Staat eine große Rolle: Selbst Bier darf nur dort verkauft werden. Supermärkten ist es zwar erlaubt, auch Bier in die Regale zu stellen – allerdings nur Leichtes, mit einem Alkoholgehalt von maximal vier Prozent.   

Erstaunlich weit greift der Staat also in Sachen Alkohol  ins Privat- und Geschäftsleben ein, mit einer Regulierungswut, wie sie im liberalen Amerika sonst schnell als „Kommunismus“ geschmäht wird. Doch sind hier eben auch andere Kräfte am Werk, unter anderem alt hergebrachte religiöse Traditionen. Das noch immer in einigen Bundesstaaten geltende Verkaufsverbot an Sonntagen etwa rührt noch aus der Zeit der Siedler, die am Tag des Herrn jegliche Aktivität verbannten, darunter Alkoholkonsum.

Zu Zeiten der Prohibition indes waren die Regeln einfacher: Im Jahr 1920 hatte der Staat mit dem 18. Verfassungszusatz den Alkohol vorübergehend gleich ganz verboten. Dagegen sind die Regeln von heute wiederum geradezu liberal.    

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9 Kommentare zu "Alkoholregelungen: Die neue Prohibition"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist aber auch aus psychologischer Sicht ein Fakt, dass nie so viel gesoffen wurde, wie zu Zeiten der Prohibition.
    Verbot alleine greift zu kurz.

    Es fängt schon im Elternhaus an. Wie ist der Stellenwert von Alkohol in der Familie? Wie wird er dargestellt? Als nötiges soziales Bindemittel, wie es scheinbar bei Beck der Fall war?

    Zum derzeitigen Stand der Forschung kann man nur sagen, dass je früher Kinder Alkohol trinken, desto grösser die Chance, dass sie damit nicht umgehen können.
    Die Vision, lassen wir die Kleinen mittrinken durch sie ab und zu mal am Glas nippen zu lassen, um so den Umgang mit Alkohol zu lernen, hat sich als falsch erwiesen.

    Wie gesagt, je früher man Alkohol trinkt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein problematischer Umgang mit Alkohol abzeichnet.
    Als Faustregel gilt also, dass vor dem 16. Lebensjahr keinerlei Alkoholkonsum stattfinden sollte und danach auch nur begrenzt.
    Wobei dies natürlich schon an Glaubwürdigkeit verliert, wenn die Eltern jeden Tag mit einem Bier in der Hand irgendwo rumsitzen. Oder Alkohol als Belohnung für vollbrachte Taten propagieren.
    Abgesehen davon kann ein gepflegtes Glas von Zeit zu Zeit oder eine mit Freunden geleerte Flasche zum Wohlbefinden beitragen.

  • Jetzt bitte noch einen Beitrag von Ihnen zum Stichwort: Wegzehrung!
    Wie kann man Wege verzehren? ;)

  • "alkoholisches Getränk verzehrt"

    Liebes HB, wie kann man ein Getränk verzehren?

    In der Bahn höre ich manchmal die Durchsage:"Der Verzehr von Alkohol..."

  • Also wenn, dann bitte fair und richtig: Also alle Biergärten schließen, Volks- und Strassenfeste nur noch mit Tee und Kaffee und alle anderen Massenveranstaltungen bei denen Wein ausgeschenkt wird, wie z.B. Kirchenveranstaltungen auch verbieten.

    [....]. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Dass der Konsum von Alkohol eine wichtige soziale Aktivität sein soll, werden nicht nur Anwohner ( Touristen, Bahnfahrer usw.) seltsam finden.
    Sozialarbeiter, Psychologen und verwandte Professionen werden zurecht gegen diese Titulierung Sturm laufen. Sie ist nämlich aus wissenschaftlicher Sicht völlig deplatziert.
    Ginge man von ihrer Richtigkeit aus, wäre "Saufgelage" eine prima Methode für die Jugend- und Altenarbeit. Das geht aber an der Realitä völlig vorbei.
    Ich unterstütze daher das Vorhaben, Alkoholkonsum zumindest in der Öffentlichkeit zu regeln, ebenfalls.

  • "Sich voll laufen zu lassen, ist deutlich weniger verbreitet als etwa in Deutschland."
    So eine Aussage hat mit objektiven Journalismus nichts zu tun. Das Niveau sinkt anscheinend täglich.

    Wenn Italien schon als Referenz für "züchtiges" Verhalten herangezogen wird, dann sollte der Schreiberling wenigstens anmerken, dass der dortige Drogenkonsum "etwas höher" ist als in Deutschland.

    Artikel ist von 2007 aber viel hat sich bis heute nicht verändert"
    ".... Gleichwohl führen die nüchternen Briten weiter die Liste der europäischen Spitzenkonsumenten an, vor Spanien auf Platz zwei und den Italienern auf Platz drei, von dem sie gerade die Holländer verdrängt haben. Monatlich werden hier allein 300 Kilogramm Kokain beschlagnahmt: die Spitze eines Eisberges aus Schnee. Fallende Preise in Neapel haben die Sucht explodieren lassen. ...."
    http://www.welt.de/vermischtes/article912210/Rom-ist-offenbar-voll-auf-Droge.html


  • Daß Volker Beck seine grüne Gegenalles-Partei zur Freiheitspartei hochstilisiert, finde ich wirklich drollig. Herrn Kretschmann muß ich zwar leider Recht geben, ich bezweifle jedoch, daß ein Verbot alleine ausreicht. Wichtiger wäre es, die Jugendlichen von der Straße zu holen und sinnvoll zu beschäftigen, denn gesoffen wird zumeist aus Langeweile und Frust. Und man sollte dieses Verbot auch flexibel handhaben, denn es ist schon ein Unterschied, ob sich zwei oder drei Leute ruhig unterhalten und dabei ein Bier trinken oder ob eine besoffene Horde grölend randaliert.

  • Hitler, Stalin, Al Capone, Gandhi, all dass hatten wir schon, jeden Tag geht die Sonne auf und nach Sommer kommt wieder ein Winter.

    Alles wiederholt sich, welche Rolle spielst "DU" in diesem Spiel? Opfer, Täter, Mitläufer?

  • Volker Beck beispielsweise versteht die Welt nicht mehr: „An diesem Rad sollten wir Grüne als Freiheitspartei nicht weiter drehen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion und kritisiert: „Für viele Menschen kommt ein Alkoholverbot einem Platzverbot gleich, weil das gemeinschaftliche Trinken neben den Gesprächen eine wichtige soziale Aktivität an diesen Orten darstellt.“ Das gemeinschaftliche Saufen ist also eine wichtige soziale Aktivität. Erklären Sie das mal bitte den Anwohnern, wenn diese vom Asi-Gegröle nicht schlafen können. Dann wird mal wieder die Polizei gerufen und die "soziale Verantwortung" auf diese abgeladen. Und wehe sie schreitet ein, dann stehen die Grünen wieder auf der Matte und schmieden Lichterketten.Es geht hier nicht um Veranstaltungen oder Karneval, sondern um das regelmäßige Saufen von Gruppierungen in der Öffentlichkeit. Und da gebe ich Herrn Kretschmann Recht!

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