„Alle Optionen offen“ Wer wird Banken-Dompteur der Euro-Zone?

Wenn die neue Bankenaufsichtsbehörde der Euro-Zone an den Start geht, wird ein neuer Chef gebraucht. Nur: Wer kommt überhaupt in Frage? EZB-Vize Vítor Constâncio scheint unbrauchbar. Der Favorit kommt aus Luxemburg.
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EZB-Präsident Mario Draghi (r.) und sein Vize Vítor Constâncio. Quelle: Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi (r.) und sein Vize Vítor Constâncio.

(Foto: Reuters)

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio ist zwar einem breiten Publikum bekannt - allerdings nur als der stumme Begleiter Mario Draghis bei den monatlichen Pressekonferenzen im Anschluss an die Sitzungen der Zentralbank. Dort sitzt er stolz neben seinem Chef, sagt aber kein einziges Wort. Durch bedeutende Reden ist er bislang kaum aufgefallen, seit er am 1. Juni 2010 sein Amt antrat.

Doch nun sieht Constâncio seine Chance gekommen, aus der Statistenrolle herauszukommen: Kommissionskreise schickten ihn gestern als Chef der neuen Bankenaufsicht für die Euro-Zone ins Rennen, die Anfang 2013 die Arbeit aufnehmen soll und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelt wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Kommissionschef José Manuel Barroso auch Portugiese ist. Offiziell will sich die EZB nicht zu der Personalie äußern, doch hinter den Kulissen schlagen die Wogen hoch. Erstens entscheide die EZB selbst über den Posten, und zweitens werde ein Kandidat mit viel Erfahrung gebraucht, heißt es dort.

Im EZB-Direktorium agiere der Portugiese unauffällig, heißt es in Notenbankkreisen. Constâncio gelte als "ökonomisches Leichtgewicht" und sei "kein Managertyp, der Entscheidungen voranbringt".

Auf seinen Posten brachten den Ökonomen, der in Portugal als Vorsitzender der Sozialisten, Finanzminister und Notenbankchef Karriere gemacht hatte, politische Ränke. Kanzlerin Angela Merkel hat den Südeuropäer als EZB-Vize unterstützt, um anschließend leichter Axel Weber als Präsidenten durchsetzen zu können. Das Spiel ging bekanntlich schief: Weber verzichtete, und Draghi rückte auf, so dass seitdem zwei Südeuropäer die EZB führen.

Die zahlreichen Kritiker werfen Constâncio vor, dass er als oberster Bankenaufseher die Probleme der Banco Portugues de Negocios (BPN) und der Banco Privado Portugues (BPP) kleingeredet habe, die dann mit Milliardenschäden zusammenbrachen. "Er war als Bankenaufseher in Portugal eine absolute Fehlbesetzung", sagt ein portugiesischer Unternehmer, der den Ökonomen gut kennt.

„Alle Optionen sind offen“

In der EZB werden deshalb ganz andere Kandidaten diskutiert. "Alle Optionen sind offen", heißt es aus dem Direktorium. "Wir brauchen aber jemanden mit Erfahrung." Als Favorit gelte der luxemburgische Notenbankchef Yves Mersch - ihm räumen auch französische EU-Diplomaten Chancen ein. Der 62-Jährige war Chef der Börsenaufsicht, ist Mitglied in internationalen Finanzaufsichtsgremien und seit 14 Jahren Notenbankchef in Luxemburg. Als solcher ist er Mitglied des Zentralbankrats und soll demnächst ins Direktorium aufrücken.

Auch der Belgier Peter Praet gilt im Direktorium als Kandidat für die Spitze der Bankenaufsicht. Doch er hat zum Jahresanfang erst die Schlüsselposition des EZB-Chefvolkswirts übernommen und soll sich dort erst einarbeiten. Beide Kandidaten wollten sich dazu nicht äußern.

In der EZB werden derzeit den Informationen zufolge noch zwei Varianten für die Führung der Bankenaufsicht diskutiert. Entweder ein Mitglied des EZB-Rates bekleidet den Spitzenposten der neuen Bankenaufsicht hauptamtlich und scheidet aus dem Rat aus, oder ein Mitglied des EZB-Direktoriums übernimmt das Ressort und bekommt einen starken operativen Chef der Bankenaufsicht an die Seite gestellt.

Für den zweiten Fall hätten Direktoriumskreise bereits eine Favoritin: Sabine Lautenschläger, die im Bundesbank-Vorstand seit Mitte 2011 für die Bankenaufsicht zuständig ist. Sie war davor Exekutivdirektorin bei der Finanzaufsicht Bafin.

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3 Kommentare zu "„Alle Optionen offen“: Wer wird Banken-Dompteur der Euro-Zone?"

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  • Wie kann dieser Constancio verhindert werden? Barroso und Constancio beide Portugiesen. Ist doch schon genug, dass offenbar beide der "Elite" angehören - wie alle anderen auch. Wäre Weidmann nicht der geeignetere Bankenaufseher? Unabhängig von den Zirkeln der "Macht"?

  • Schauen wir uns doch einmal die Bewerber, um diese ehrenvolle Aufgabe an. Das Hauptproblem liegt doch nicht darin, dass eine Institution eine bestimmte Aufgabe nicht vertrauensvoll ausüben könnte. Es geht vielmehr um die handelnden Personen, die dieses Vertrauen in der Institution verspielt haben.

    Wir diskutieren nicht um die Institution EZB sondern um die personellen Fehlbesetzungen dieser Institution. Wenn wir eine Lehre ziehen müssen, dann ist es die, dass diese Institutionen vom Volk besser überwacht werden muss und die Überwachung seitens unserer bisherigen Abgeordneten nicht verantwortlich wahrgenommen wird.

  • nur darum gehts:
    der psychologische Rausch des Machtgefühls ist
    um ein mehrfaches höher und gefährlicher als der des Geldes

    Narzissmus und Macht – Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik
    http://www.narzissmus.net/?p=172

    http://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus

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