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Amber Rudd

Die britische Arbeitsministerin spielt eine Schlüsselrolle in der britischen Regierung.

(Foto: Bloomberg)

Amber Rudd Diese Frau zwang Theresa May zur Brexit-Kehrtwende

Mit ihrem europafreundlichen Kurs bringt die britische Arbeitsministerin die Hardliner unter den Tories gegen sich auf. Im Brexit-Drama entwickelt sie sich zur Schlüsselfigur.
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London Im britischen Kabinett ging es diese Woche hoch her. Als Premierministerin Theresa May ihren Ministern verkündete, dass sie eine Unterhaus-Abstimmung über eine Verschiebung des Brexits ansetzen werde, entspann sich ein heftiger Streit zwischen den beiden Brexit-Lagern.

Im Zentrum der Vorwürfe: Amber Rudd. Die 55-jährige Arbeitsministerin hatte May zu dem Kurswechsel gezwungen. Zusammen mit Wirtschaftsminister Greg Clark und Justizminister David Gauke drohte Rudd mit Rücktritt, sollte das Parlament nicht die Möglichkeit bekommen, das Austrittsdatum zu verschieben.

Die Brexiteers tobten. Das Verhalten der drei Proeuropäer sei „furchtbar illoyal“, schimpfte Fraktionschefin Andrea Leadsom. Sie unterminierten die Glaubwürdigkeit der Regierung. Finanzstaatssekretärin Liz Truss legte nach und behauptete, die „Kamikaze“-Aktion schwäche die britische Verhandlungsposition in Brüssel.

Rudd ließ die Angriffe routiniert abprallen, denn sie ist den Zorn der Brexiteers gewohnt. Im Kabinett gerät sie regelmäßig mit den Kollegen aneinander, und sie scheut sich nicht, den Brexit-Kurs der Regierung auch öffentlich infrage zu stellen.

Als erstes Kabinettsmitglied redete sie im Dezember über einen Plan B, falls der Ausstiegsvertrag im Parlament durchfallen sollte. Sie tritt dafür ein, langfristig in einer Zollunion mit der EU zu bleiben und eine überparteiliche Mehrheit mit der Labour-Opposition zu suchen, um den Ausstiegsvertrag zu verabschieden.

Sie war auch die erste Ministerin, die öffentlich über ein zweites Referendum sprach. Das sei eine Möglichkeit, wenn sich das Parlament nicht einigen könne, argumentierte sie.

Rücktrittsforderungen bringen Rudd nicht aus der Ruhe

Jedes Mal forderten die Brexiteers dann zwar eine Abmahnung oder gleich ihren Rücktritt. Doch Rudd kann sich solche Freiheiten erlauben. Sie weiß, dass die Premierministerin sie schätzt und braucht. Nachdem Rudd im April 2018 wegen eines Abschiebeskandals als Innenministerin zurücktreten musste, dauerte es nur ein halbes Jahr, bis May sie als Arbeitsministerin ins Kabinett zurückholte.

Sie sei keine typische Politikerin, bescheinigen ihr selbst eingefleischte Brexiteers. „Sie ist freundlich, direkt, uneitel und arbeitet hart“, schreibt etwa Kolumnist Charles Moore im „Daily Telegraph“.

Die Politikerin, die ihre beiden Kinder allein großgezogen hat, stammt aus einer wohlhabenden Londoner Familie. In Edinburgh studierte sie Geschichte und Archäologie, später arbeitete sie in der Venture-Capital-Branche. Erst mit 40 Jahren wechselte sie in die Politik, wo ihr unter Mays Vorgänger David Cameron ein schneller Aufstieg gelang. Seit 2010 vertritt sie den Wahlkreis Hastings and Rye im Unterhaus.

Rudd zählt zu den weltoffenen, urbanen Modernisierern der Tories und damit zu einer Spezies, die es zunehmend schwer hat in Großbritannien. Die sozialliberale, proeuropäische Weltanschauung teilt sie mit ihrem Bruder Roland Rudd: Der Chef der einflussreichen PR-Agentur Finsbury war einst Berater des Labour-Premierministers Tony Blair und ein führender Kopf der Remain-Kampagne.

Auch diese familiäre Bande verstärkt den Argwohn des Brexit-Flügels gegenüber der Ministerin. Lange galt Rudd als potenzielle Premierministerin, doch auch wenn ihr Ehrgeiz weiterbesteht: Als Remainerin werden ihr in der Partei aktuell keine Chancen eingeräumt. Die Tory-Basis will einen Brexiteer an der Spitze – oder zumindest jemanden, der dies von sich behauptet.

Rudd gefällt sich jedoch in der Rolle des Anti-Brexiteer. Schon im Referendumswahlkampf 2016 machte sie Schlagzeilen, als sie das Hallodri-Image des Brexit-Wortführers Boris Johnson einprägsam beschrieb: „Er ist die Seele der Partei, aber er ist nicht der Mann, von dem man am Abend nach Hause gefahren werden möchte.“ Als Johnson später Außenminister war, warf sie ihm öffentlich vor, den Brexit-Kurs der Regierung vom Rücksitz aus zu steuern.

Mit Johnson kommt sie persönlich gut aus, man schätzt sich gegenseitig für das Talent, die Dinge beim Namen zu nennen. In den Spekulationen über die May-Nachfolge wurde daher auch ein Gespann Johnson-Rudd schon mal genannt. Das wäre zumindest ein Garant dafür, dass die britische Politik nicht langweilig wird.

Mehr: Angesichts des drohenden chaotischen EU-Austritts bröckeln in London lieb gewonnene Positionen. Die Brexit-Gegner sollten sich aber nicht zu früh freuen, meint Handelsblatt-Korrespondent Carsten Volkery.

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