Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse Der Rücktritt von Jim Mattis ist gefährlich – für Amerika und den Rest der Welt

Nach dem Rücktritt seines Verteidigungsministers kann US-Präsident Trump zügellos seinen Instinkten folgen und wird seine Ziele noch aggressiver angehen.
Kommentieren
Der Verteidigungsminister wird seinen Posten im Kabinett von US-Präsident Donald Trump Ende Februar räumen. Quelle: Reuters
James Mattis (li.) und Donald Trump

Der Verteidigungsminister wird seinen Posten im Kabinett von US-Präsident Donald Trump Ende Februar räumen.

(Foto: Reuters)

BerlinVon allen Rücktritten aus der Trump-Regierung ist der von US-Verteidigungsminister Jim Mattis der schwerwiegendste. Der 68-jährige Marine-General galt als der „letzte Erwachsene“ im engsten Führungskreis des US-Präsidenten.

Vor ihm hatten bereits Rex Tillerson als Außenminister, Herbert R. McMaster als Nationaler Sicherheitsberater und John Kelly als Stabschef ihren Hut genommen oder wurden von Trump gefeuert. Ein ohnehin schon unberechenbarer Präsident ist seit Donnerstag zügellos. Die bereits von zahlreichen Krisen durchgeschüttelte Welt ist jetzt noch gefährlicher geworden.

Das mag übertrieben klingen. Trumps Entscheidung, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen und sein angeblicher Plan, die amerikanische Präsenz in Afghanistan zu halbieren, sind jedoch erste Warnzeichen. Nicht zufällig waren sie für Mattis auch der Anlass, seinen Abschied einzureichen. Die Konflikte in diesen Krisenregionen sind bei weitem noch nicht gelöst, die betroffenen Länder nicht stabilisiert.

Der altgediente General nutzte sein Rücktrittsschreiben zudem, um mit der ebenso nationalistischen wie engstirnigen „America First“-Politik des Präsidenten abzurechnen und die Bedeutung der Verbündeten für die Sicherheit der Vereinigten Staaten hervorzuheben.

Das ist ein Fingerzeig auf Gefahren im Verzug. Wer wird Trump künftig bremsen, wenn er mal wieder das Bündnisversprechen der Nato infrage stellt? Oder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Deal auf Kosten anderer verabredet? Oder Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un auf den Leim einer scheinbaren nuklearen Abrüstung geht? Es war Putin, der Trumps Truppenrückzug aus Syrien befürwortete und der jetzt zusammen mit dem syrischen Diktator Assad und dessen Verbündeten in Teheran freie Hand in der Krisenregion hat.

Mattis Rücktritt trifft vor allem die Freunde Amerikas in Europa und Asien. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, hat vor allem innenpolitische Gründe. Für Trump geht sein zweites Amtsjahr mit einer Serie von Rückschlägen und Niederlagen zu Ende.

Bei den Kongresswahlen im November verlor seine Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Handelskonflikte mir China und Europa sind ungelöst und belasten zunehmend die US-Wirtschaft. Notenbank-Chef Jerome Powell hat gerade gegen den ausdrücklichen Widerstand des Präsidenten zum vierten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen erhöht. Zudem droht Anfang des neuen Jahres wegen des Haushaltsstreits mit den Demokraten im Kongress über den Mauerbau an der mexikanischen Grenze ein „Shutdown“ der US-Regierung.

Trump selbst gerät immer stärker ins Visier von Sonderermittler Robert Mueller. Dabei geht es nicht nur um die ominösen Verbindungen von Trumps Wahlkampfberatern zu Russland, sondern auch um seine möglicherweise gesetzeswidrigen Schweigegeldzahlungen an Frauen, mit denen der Präsident außereheliche Affären gehabt haben soll.

Dass ihn zum Ende des Jahres auch noch die Börsen im Stich lassen und in die Knie gehen, muss Trump besonders schmerzen. Hat er die Aktienmärkte doch stets als Gradmesser für seine politischen Erfolge gesehen.

Donald Trump wird innenpolitisch mehr und mehr in die Enge getrieben, das macht ihn außenpolitisch um so gefährlicher. Er ist belagert und deshalb zügellos.

Rechtzeitig vor den Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren sucht Trump die Nähe zu seinen Kernwählern. Deshalb der Truppenabzug aus Syrien. Hatte Trump seinen Fans doch im Wahlkampf versprochen, dass sich Amerika aus den Kriegen seiner Vorgänger zurückziehen werde. Ihnen hatte er auch die Mauer zu Mexiko versprochen, weshalb Trump jetzt den Haushaltsstreit verschärft und das Risiko eines „Shutdowns“ der Regierung eingeht.

Wer seinen Kurs für die nächsten zwei Jahre ausloten will, sollte sich Trumps Liste der Wahlversprechen noch einmal genau ansehen. Dort sind noch einige Dinge offen – wie zum Beispiel die Nato-Partner dazu zu bewegen, zwei Prozent ihrer Wirtschaftskraft für ihre Verteidigung auszugeben. Oder das immer noch riesige Handelsdefizit der USA zu verringern.

Man muss davon ausgehen, dass Trump – entbunden von Beratern wie Mattis – diese Ziele jetzt noch aggressiver verfolgen wird und frühere Reizthemen wieder aus der Schublade holt. Zur Erinnerung: Es war Jim Mattis, der Trump davon abriet, die Folter bei Verhören wieder einzusetzen.

In den nächsten Tagen werden die professionellen Auguren ihre Vorhersagen über die größten Risiken des kommenden Jahres machen. Die Finanzmärkte, auf denen bekanntlich die Zukunft gehandelt wird, haben die größte Gefahr für 2019 offenbar bereits ausgemacht: Donald Trump.

US-Verteidigungsminister James Mattis tritt zurück

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Analyse - Der Rücktritt von Jim Mattis ist gefährlich – für Amerika und den Rest der Welt

0 Kommentare zu "Analyse: Der Rücktritt von Jim Mattis ist gefährlich – für Amerika und den Rest der Welt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.