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Analyse Deutschland gewinnt die Preise von gestern, aber nicht die von morgen

Wer im Digitalzeitalter die Nase vorn behalten will, muss mehr können, als Erfindungen anderer zu perfektionieren, um daraus Premiumprodukte zu machen.
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Die deutsche Industrie ist gut, darin, Premiumprodukte herzustellen. Nur wird das alleine nicht mehr reichen. Quelle: dpa
Produktion von Volkswagen in Sachsen

Die deutsche Industrie ist gut, darin, Premiumprodukte herzustellen. Nur wird das alleine nicht mehr reichen.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland gehört zu den Top-Innovationsstaaten. So könnte man mit einer rosaroten Brille auf der Nase den neuesten Bericht des World Economic Forums (WEF) über die Wettbewerbsfähigkeit von 140 Volkswirtschaften interpretieren.

Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft nach Meinung der WEF-Ökonomen spitze, wenn es darum geht, aus Erfindungen marktreife Produkte zu machen. Das bleibt auch im digitalen Zeitalter eine große Stärke, reicht jedoch nicht mehr aus, um die Nase vorn zu behalten.

Entscheidend ist, und auch das steht im WEF-Report, vielmehr eine Innovationskultur, die von Kreativität, Unternehmergeist, einem hohem Anpassungstempo und großer Risikobereitschaft geprägt ist. Auch hier ist Deutschland immer noch gut, aber eben nicht mehr Weltspitze. Vor allem die USA, aber auch China sind hier weiter.

Und in der digitalen Wirtschaft gilt weitaus mehr als in früheren Epochen der Wirtschaftsgeschichte der Grundsatz: The winner takes it all. Selbst Platz drei reicht nicht mehr aus, wenn die beiden führenden Nationen den Markt abräumen, wie das die USA und China gerade in der Schlüsseltechnologie der Künstlichen Intelligenz (KI) tun.

Bislang ist Deutschland wirtschaftlich glänzend damit gefahren, neue Technologien zu perfektionieren und daraus Premiumprodukte zu machen. Das Land der Dichter und Denker war lange Zeit auch die Werkstatt der Erfinder, wie die lange Liste deutscher Innovationen vom Buchdruck über die Glühbirne, den Dynamo und die Zündkerze bis hin zum Automobil und MP3-Player zeigt.

Mit dem Computerzeitalter und der jetzt beginnenden digitalen Revolution in nahezu allen Lebensbereichen sind die Deutschen jedoch von Pionieren zu Nachzüglern geworden. Zwar entwickelte Konrad Zuse 1941 mit dem Z3 noch den ersten Computer der Welt. Dessen Rechnerleistung beruhte jedoch auf klappernden Relais, und hat mit den Digitalprodukten von heute kaum noch etwas zu tun.

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Das heißt nicht, dass die deutsche Wirtschaft die Digitalisierung verschlafen hätte – auch wenn man angesichts der vielen Mobilfunklöcher und des schleppenden Breitbandausbaus diesen Eindruck gewinnen kann. Unter dem Label „Industrie 4.0“ haben sich deutsche Ingenieure längst auf den Weg gemacht, den Einsatz der digitalen Technologien in der Industrie zu perfektionieren.

In Zukunft ist es aber nicht mehr genug, die oft von anderen erfundenen Technologien zu optimieren, um sich so den Platz an der Weltspitze sichern. Die Geschwindigkeit des digitalen Wandels und vor allem die digitalen Geschäftsmodelle belohnen die heutigen Pionierunternehmer weitaus mehr und länger als das früher der Fall war. Mit deutschen Tugenden wie Perfektion und Premiumprodukten lässt sich das so schnell nicht mehr aufholen.

Die Plattform-Ökonomie von Internetgiganten wie Google, Facebook und Amazon zeigt das überdeutlich. Aufgrund ihrer Netzwerkeffekte erwirtschaften sich diese Pionierunternehmen in kürzester Zeit einen fast uneinholbaren Vorsprung vor der Konkurrenz.

Und bislang ist es eben nicht so, dass man neben Google und Facebook mit einem eigenen Geschäftsmodell in deren Märkten Erfolg haben könnte. Der sogenannte „tech-lash“, also die wachsende Skepsis von Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden gegenüber den Datenkraken aus dem Silicon Valley, bietet Newcomern aus Europa theoretisch zwar eine Chance für einen erfolgreichen Markteintritt. Bislang ist das jedoch mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Wenn die deutsche Wirtschaft ihren Spitzenplatz als Innovationsschmiede verteidigen will, muss sie künftig mehr tun, als Innovationsprozesse perfekt zu managen. Kulturell geht es vor allem darum, offener für disruptive Ideen und Einflüsse von außen zu werden.

Gerade hieran mangelt es jedoch, wie eine ebenfalls aktuelle Studie des IMD World Competitive Centers in Lausanne herausgefunden hat. Gelingt dieser Innovationssprung nicht, gewinnt Deutschland vielleicht noch ein paar Preise von gestern, aber nicht von morgen.

Deutschland ist der innovationsfähigste Standort weltweit

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