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Analyse Europa braucht ein neues Manifest

Europa hält den Atem an, doch den Befreiungsschlag in der Schuldenkrise wird es heute kaum geben. Bundeskanzlerin Merkel vergibt eine historische Chance: Europa braucht einen neuen Entwurf.
12 Kommentare

Merkel und Sarkozy besprechen Euro-Rettung

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Nationalismus. Alle Mächte des alten Europas gingen einst eine heilige Allianz ein, um dieses Gespenst zu vertreiben: daraus entstand die Europäische Union. Doch nun gefährdet die Schuldenkrise die Logik, die das geeinte Europa geschaffen hat und sät Zwietracht unter seinen Staaten.

Weil sich das Griechen-Virus durch Bankbilanzen, Staatshaushalte und Gewinnerwartungen frisst, betonen Europas Völker wieder ihre eigenen Interessen: Der deutsche Boulevard zeigt Griechenland den Stinkefinger, griechische Demonstranten vergleichen die Ankunft der Spar-Troika aus EU, EZB und IWF in Athen mit dem Einmarsch der Nazis. Wenn das Boot sinkt, heißt es "Rette sich, wer kann": Der deutsche Steuerzahler soll nicht für griechische Rentner bezahlen, die mit 55 in Ruhestand gehen - so sieht es die Mehrheit der deutschen Wähler.

Ihre Kanzlerin folgt ihnen und verkündet schon vor dem Gipfel: Eine "spektakuläre Lösung" wird es nicht geben. Angela Merkel will einen großen europäischen Entwurf gar nicht erst versuchen. Ihre Vision von Europa: "Einen kontrollierten und beherrschten Prozess aufeinander folgender Schritte und Maßnahmen erzeugen". "Reine Augenblickspolitik" nennt ihr Parteifreund und Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe diese Strategie.

Er hat Recht. Denn Angela Merkel vergibt mit ihrer Mutlosigkeit eine historische Chance. Nichts ist in der Euro-Krise unwahrscheinlicher als der große Wurf. Aber nichts weniger kann sie dauerhaft beenden. Denn das Schuldendrama in Athen, Dublin und Lissabon wird solange weitergehen, bis sich Europa zu einem echten Neuanfang durchringt und sich nicht weiter von Rettungsgipfel zu Rettungsgipfel hangelt.

Man kann darüber lange und mit Recht hadern. Aber es wird nichts ändern: Griechenland und vielleicht auch Portugal und Irland brauchen einen Marshall-Plan und nicht bloß Wiederbelebungsmaßnahmen in Form von Rettungspaketen. Und dafür braucht Europa den großen Wurf - es sei denn, es will den Euro verlieren. Schwarzseher haben bereits begonnen, den Nachruf auf die Gemeinschaftswährung zu schreiben. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Die Wahrheit ist, dass die wirtschaftliche der politischen Integration um Jahre vorausgeeilt ist. Entweder muss die Politik also jetzt einen großen Sprung nach vorn machen oder die Wirtschaft einen großen Schritt zurück - andere Möglichkeiten gibt es nicht, um Märkte und Politik wieder in Einklang zu bringen. Wie könnte der große Wurf also aussehen?

Das Spektrum der politischen Möglichkeiten weitet sich
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12 Kommentare zu "Analyse: Europa braucht ein neues Manifest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat:"Die EU ist für alle Teilnehmer ein phänomenal erfolgreicher gemeinsamer Markt, von dem alle profitieren - besonders Deutschland."

    Meinen sie mit Deutschland den deutschen Steuerzahler/Bürger oder Großkonzerne und deren internationale Aktionäre?

    Der deutsche Steuerzahler würde mehr und länger arbeiten und sein ganzes Berufsleben nur in das System einzahlen und Ost- und Südeuropa würde über Jahrzehnte einseitig davon profitieren. Viele Deutsche würden die EUdSSR-Zone bzw. zumindest die Eurozone verlassen, damit sich arbeiten für sie auch lohnt.

    Weg mit dem Dunkelreich EUdSSR-Brüssel! Diese unfähige Diktatur ist bereits auf der Müllhalde der Geschichte!

    Nein, wir brauchen freie, demokratische Vaterländer, die friedlich aber mit Eigenverantwortung und eigener Währung nachbarschaftlich leben. Aber jedes Land muß sich anstrengen und darf andere Länder nicht ausnutzen, tricksen usw. wie es die Griechen tun.

    Rufe nach Solidarität aus der Hängematte heraus darf es nicht geben!

    Die zwangweise Gleichmacherrei der Spinner-Visionäre kotzt mich an!

  • "Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Nationalismus" -

    was soll das für ein Gespenst sein - Heil Buh das Nationalgespenst?

  • wieso neues manifest? - wir haben doch das kommunistische noch irgendwo im regal stehen - ist vielfach erprobt und kommt super mit politischen Widerständen zurecht. wenn wir uns alle tief genug bücken passt es hinten bequem rein.

  • Es gibt inzwischen 50.000 Eu-Beamten deren Lebensgrundlage das jetzt aufgestellte Konstrukt ist. Das diese Leute samt ihren medialen Helfeshelfer in Verteidigungsstellung gehen ist völlig klar und einsehbar, nur man muß ihnen nicht auf den Leim gehen und Herrn Vogel auch nicht.

  • Diese „Analyse“ ist sehr emotional und wenig konkret. Seit Beginn der Krise hoeren wir immer wieder, dass eine gemeinsame Waehrung eine gemeinsame Wirtschaftspolitik oder gar ein gemeinsames Finanzministerium brauche. Auch wenn es noch so oft wiederholt wird und mit noch soviel fachlicher Autoritaet, es ist falsch. Der Euro soll – so wie es Gold koennte – neutrales, wertbestaendiges Geld sein und es soll nicht fuer andere politische Ziele, wie Wachstum oder Beschaeftigung eingesetzt werden. Verantwortungsvolles haushalten setzt Autonomie voraus. Wer fruehere Rente will und bereit ist, das mit niedrigerem Einkommen zu bewerkstelligen, soll frei sein, dies zu tun. Das sorgt fuer Frieden, Freiheit und Wuerde fuer jeden Bewohner des Hauses.

    Falsch ist es auch, dass ein zahlungsunfaehiges Land die gemeinsame Waehrung verlassen muesse. Warum eigentlich? Oft wiederholt, niemals begruendet. Nachdem Griechenland sich mit seinen Glaeubigern (nicht etwa den anderen Mitgliedstaaten) ueber einen teilweisen Schuldenerlass geinigt hat, kann man an wirtschaftliche Wiederbelebung denken. Abwertungen sind nur Taschenspielertricks. Griechenland muss, um konkurrenzhaehig zu werden seine Kosten senken. Dabei ist der reale Preis seiner Produkte entscheidend, egal in welcher Waehrung. Mit dem Euro fahren auf Dauer die Griechen besser, wie aiuch die Nachbarn.

  • Wieder einmal dieses Alles oder Nichts- Geschreibe. Entweder den Euro mit Transferunion (obwohl dieses "häßliche" Wort tunlichst unterschlagen wird) oder Rückfall in den finstersten Nationalismus mit Verdun und allen Höllenschrecken. Verschwiegen wird, dass es eine EWG gab mit Freihandelszone und nationalen Währungen und diese EWG ausgezeichnet funktionierte und zwar ohne das jetzt herrschende Chaos, das wir heute das Vergnügen haben, als Dauerbrenner kommentieren zu müssen.

  • 'Nationalismus'

    es hat nichts mit Nationalismus zu tun..sondern mit 'demokratie'...da ist ein grosse unterschied..die EU ist nicht demokratisch...und so kann nicht mit mehr macht ausgestattet werden...PUNKT!

    ubrigens...die nationalisten hier sind leute wie barosso...juncker und die leute..wie sie..die einen united states of europe fordern...DAS IST EIN NATION..oder verstehen sie das nicht?..leute die..koste es was es wolle...diesen neuen nation aufbauen wollen sind super nationalisten...und muss bekämft werden..

  • Europa-EU-Euro. Europa: immer wieder geschickte (oder ungeschickte) Vermengung.
    Der Euro ist nur durch massive dauerhafte Transferzahlungen zu halten. Warum soll man die Zukunft der nachkommenden Generationen in Deuschland für ein ökonomisch unsinniges Projekt verspielen? Besser die Transfergelder in die PIIGS hier in Bildung/Forschung und Infrastruktue stecken. Und die Wohneigentumsqquote der deutschen Bevölkerung verdoppeln, also auf das Niveau der Peripherie-Bevölkerung bringen. Von Anfang an gab es keine neutral-objektive debatte über die Zwangswährung, von vornherein gab es nur ideologische Argumente, die Kritiker des Euro wurden als "Anti-Europäer" gebrandmarkt. Über der EU und dem Euro (Europa ist ein geografischer Begriff) hingen immer die europhilen Phrasen der Kohls, Schmidts, Junckers, Trichets,... die alle ins letzte Jahrhundert gehören.
    Europa braucht souveräne Staaten mit eigener Währung, eigenem Haushaltsrecht, Wettbewerb zwischen den Staaten, so wie es vor dem euro war. Und Politiker, die ihren Irrtum eingestehen, anstatt immer mehr Wohlstandsumverteilung zu machen. Zeigt nicht das Beispiel Yugoslawien, dass trotz gemeinsamer erzwungener Währung ein Zusammenhalt, Respekt,... nicht möglich war?
    Der Euro hat nur eine Chance, wenn die Menschen dahinterstehen, d.h. wenn sie für den Euro abstimmen, also hat der euro keine Chance.

  • Zitat: "Für Deutschland ist die EU ein Weg, seine natürliche wirtschaftliche Vormacht in Europa auszuüben, ohne mit Regimentern im Stechschritt die Champs Elysées herunterzumarschieren. Für Frankreich ist die EU ein Instrument, genau diese Vormacht im Zaum zu halten, ohne gleich Vauban-Festungen und Maginot-Linien in Elsass-Lothringen zu bauen."
    Und wieder kann hier jemand nicht unterscheiden zwischen Euro-Zone und EU. In der Euro-Zone sind 17 Mitgleider, in der EU 27. Oder kann er das und die Verwechslung ist gar nicht zufällig?. Die EU hat vor dem Euro existiert und würde auch bei Auflösung der Währungsunion weiter existieren.
    Dieser Artikel ist wirklich eine Zumutung, weil er emotional und unaufrichtig zugleich ist. Statt Argumente aufzulisten, warum der Euro in dieser Form weiter bestehen soll oder lieber verkleinert oder aufgelöst werden soll, wird flugs die Frage nach Krieg unde Frieden und dem Fortbestehen der EU aufgeworfen, die sich überhaupt nicht stellt. Jämmerlich, schlecht und manipulativ. Kein gutes Beispiel für einen Qualitätsjournalismus.

  • wieso ein neues Manifest für Europa? die Politiker aller
    Eurostaaten haben sich bisher nicht an die jetzt bestehenden regeln gehalten. Also ihr Volksvertreter lernt erst einmal bestehende Richtlinien einzuhalten, bevor ihr
    neue machen wollt.

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