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Analyse Jahrhundertaufgabe Treibhausgasneutralität: Die Staatengemeinschaft kommt voran

Der Klimagipfel an diesem Wochenende hat gezeigt, dass die Welt beim Kampf gegen die Erderwärmung wieder zusammenrückt. Das erhöht den Handlungsdruck – auch für die deutsche Wirtschaft.
13.12.2020 - 09:29 Uhr Kommentieren
UN-Generalsekretär António Guterres hält per Videolink eine Ansprache an den Climate Ambition Summit 2020. Quelle: dpa
Virtuelles Treffen zum Jahrestag des Pariser Klimaabkommens

UN-Generalsekretär António Guterres hält per Videolink eine Ansprache an den Climate Ambition Summit 2020.

(Foto: dpa)

Berlin Ein digitaler Klimagipfel, mehr als 70 zum Teil hochrangige Redner – am Ende könnte das mehr gebracht haben als mancher zweiwöchige Verhandlungsmarathon in den vergangenen Jahren.

Die Konferenz an diesem Wochenende zum fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens hat gezeigt, dass nach allerlei nationalen Einzelgängen in den vergangenen Jahren die Staaten beim Kampf gegen die Erderwärmung wieder zusammenrücken und die Welt langsam auf Kurs Richtung Pariser Klimaziele kommt. Das erhöht den politischen und den wirtschaftlichen Handlungsdruck – auch in Deutschland.

Selbst wenn aus den Ankündigungen der Staats- und Regierungschefs erst einmal handfeste Politik gemacht werden muss: Der Wille, sich nicht nur zu Treibhausgasneutralität bis 2050 zu bekennen, sondern auch entsprechend zu handeln, beschleunigt sich gerade.

Als der internationale Klimavertrag im Dezember 2015 in der französischen Hauptstadt beschlossen wurde und damit der Plan, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, war auch die Erwartung Teil des Abkommens, dass Länder sich zu mehr Klimaschutz verpflichten, wenn nur genügend andere Staaten vorpreschen. Das scheint sich langsam zu bewahrheiten.

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    Auch der künftige US-Präsident verspricht Klimaneutralität bis 2050

    Getrieben ist das von mehreren Faktoren. Zwei wichtige: Der Klimawandel beschleunigt sich, es bleibt nicht mehr viel Zeit, gegen eine unkontrollierbare Erderwärmung angehen zu können. „Die Corona-Pandemie lehrt uns, was passiert, wenn wir die Kontrolle verlieren“, warnte unlängst UN-Diplomat Achim Steiner im Handelsblatt. Das, sagte er, drohe auch beim Klimawandel.

    Zudem wollen die USA mit ihrem künftigen Präsidenten Joe Biden zurück in die internationale Klimadiplomatie kommen. Für die Dynamik des Prozesses ist das nicht zu unterschätzen.

    Biden bekräftigte am Wochenende, er wolle in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit einen Klimagipfel mit den Spitzen der größten Volkswirtschaften einberufen. Seine Regierung werde die Klimaziele der USA verschärfen und das Land auf einen Weg bringen, wonach der Treibhausgasausstoß bis spätestens 2050 unterm Strich auf null gebracht werde.

    Das sehen beispielsweise auch die Pläne der EU und das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung vor: Treibhausgasneutralität bis 2050. In China wird es möglicherweise etwas langsamer gehen, doch Staatschef Xi Jinping strebt an, bis 2060 China klimaneutral aufzustellen, vor 2030 soll der Höhepunkt der Emissionen erreicht sein. Während die USA zu den Ländern mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf gehören, ist China das Land mit dem insgesamt größten CO2-Ausstoß weltweit. Der Anteil der EU an den globalen Emissionen beträgt zehn Prozent.

    Xi Jinping kündigte am Samstag an, den Anteil nichtfossiler Energien am gesamten Energieverbrauch bis 2030 auf etwa 25 Prozent zu steigern, es werde aufgeforstet und die Wind- und Solarkraft ausgebaut.

    Transformation ist kein Selbstläufer

    Ein Selbstläufer ist die Transformation der Volkswirtschaften jedoch nicht, auch wenn vieles angestoßen ist. Vor allem für die energieintensiven Industrien ist es eine komplexe Herausforderung, die mit milliardenschweren Investitionen verbunden ist.

    In Deutschland hat die Industrie seit 1990 viele Anstrengungen unternommen, ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Stinkende Fabrikschlote gehören dank moderner Anlagentechnik der Vergangenheit an. Dennoch ist die Industrie als Ganzes nach dem Energiesektor die zweitwichtigste Emissionsquelle.

    Anstrengungen bei der Energieeffizienz allein reichen nicht mehr aus, notwendig sind Sprunginnovationen: neue Herstellungsverfahren, die Prozessketten und -verfahren zukünftig klimaneutral gestalten. Doch selbst in emissionsstarken oder bislang nur schwer dekarbonisierbaren Branchen gibt es Fortschritte, zeigte vergangene Woche ein Bericht des britischen Thinktanks Systemiq

    Was vor diesem Hintergrund keinen Sinn macht, aber dennoch regelmäßig passiert: vor den möglichen negativen wirtschaftlichen Folgen einer Verschärfung von Klimazielen zu warnen – selbst wenn die Corona-Pandemie Unternehmen und Gesellschaft sehr belastet. Andersherum macht es Sinn: Gerade weil die Corona-Pandemie sowohl Staatshaushalte und Unternehmensbilanzen belastet, müssen sämtliche Hilfspakete für einen neuerlichen Wiederaufschwung konsequent an Nachhaltigkeit ausgerichtet sein.

    Dass die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer mehr als die Hälfte ihrer Wirtschaftshilfen in der Coronakrise für Maßnahmen mit Bezug zu Produktion und Verbrauch fossiler Kraftstoffe verwenden, wie UN-Generalsekretär António Guterres zur Eröffnung des Gipfels sagte, ist inakzeptabel.

    Belastbare Antworten müssen her

    Bedenkenträgerei war gestern, jetzt muss der Weg zu mehr Nachhaltigkeit gegangen werden. Dabei sollten die Unternehmen die Politik bei der anstehenden Transformation durchaus mehr in die Verantwortung nehmen. Dass sich die Politik notwendige, aber dennoch ambitionierte Klimaziele setzt, sich dann aber vor den notwendigen Entscheidungen drückt, die Dinge auch umzusetzen, ist ebenso inakzeptabel. Die Politik bleibe der Industrie immer noch eine belastbare Antwort schuldig, wie die notwendigen Investitionen finanziert werden sollten, sagte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), anlässlich des virtuellen Mini-Gipfels.

    Apropos Finanzierung: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach 500 Millionen Euro für Klimaprojekte in ärmeren Ländern – auch einer dieser Schritte in der Hoffnung, dass andere Länder nachziehen. Denn diese Länder haben selbst wenig zum Klimawandel beigetragen, leiden aber sehr unter ihm und haben wenig Finanzmittel.

    Mehr: Das ist der aktuelle Stand des Green Deals

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