Analyse: Putin entgleitet Krieg in Ukraine zusehends
Russlands Präsident Wladimir Putin (Mitte) mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu (links) und Generalstabchef Waleri Gerasimow (rechts) spricht vor den versammelten Offizieren.
Foto: via REUTERSBerlin, Washington. Mit eisernen Mienen saßen die führenden russischen Generäle ihrem Oberkommandierenden Wladimir Putin am Mittwochnachmittag im Verteidigungsministerium am Ufer der Moskwa gegenüber. Auch der neben dem Präsidenten sitzende Verteidigungsminister Sergei Schoigu hörte äußerlich reglos den Ausführungen Putins zu, der von seinen Befehlsempfängern das „Erreichen aller uns gesteckten Ziele“, also einen Sieg über die Ukraine, verlangte.
Putin pries, Russland verfüge in diesem Krieg im Gegensatz zu anderen Ländern über „alles“. Er versprach seiner Armee, sie mit modernster Technik und so viel Geld wie nötig auszurüsten. Doch selbst das konnte die Mienen nicht aufhellen.
Der Glaube scheint erloschen zu sein an einen Sieg in der Ukraine, an ein wirkliches Wiedererstarken der russischen Streitkräfte. Von der erwarteten großen Rede Putins hatte die kurze Ansprache wenig.
Auch die Ankündigung Schoigus, die russische Armee um 350.000 auf 1,5 Millionen Soldaten aufzustocken, löste keine Begeisterung bei der Führungssitzung des Verteidigungsministeriums aus. Britischen Geheimdienstberichten zufolge sterben die direkt an der Front eingesetzten russischen Soldaten derzeit „binnen Stunden“.