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Analyse-Serie: „Global Challenges“ Warum ausländische Investoren für deutsche Unternehmen nicht verschreckt werden dürfen

Über den Einstieg von Investoren aus dem Ausland in deutsche Unternehmen wird viel diskutiert. Abschottung führt jedoch in eine Sackgasse.
27.08.2020 - 08:28 Uhr Kommentieren
Warum ausländische Investoren nicht verschreckt werden dürfen Quelle: dpa
Roboter von Kuka

Midea übernahm das Augsburger Unternehmen 2016.

(Foto: dpa)

Spätestens seit dem Einstieg des damaligen persischen Kaiserreichs beim Essener Krupp-Konzern 1974 gibt es gesellschaftspolitische Diskussionen über ausländische Investoren in deutschen Unternehmen. Als der chinesische Mischkonzern Midea 2016 mit dem Augsburger Unternehmen Kuka den führenden Anbieter von Robotertechnik übernahm, setzte auch eine wirtschaftspolitische Debatte ein: Wandert mit dem Eigentümerwechsel bei dieser Technologieperle nicht zukunftsträchtiges Wissen aus Deutschland nach China ab?

Schon die zwei Beispiele zeigen: Foreign Direct Investments bergen oft erheblichen Sprengstoff. Grundsätzlich werden arbeitsplatzschaffende Investitionen durch ausländische Investoren zwar begrüßt. Kritischer wird es aber, wenn es wie bei Krupp und Kuka um ganz erhebliche ausländische Beteiligungen an erfolgreichen hiesigen Unternehmen geht.

Mit der jüngsten Verschärfung von Außenwirtschaftsgesetz und -ordnung wurden die Weichen neu in Richtung Schutz deutscher Unternehmen gestellt. Auf europäischer Ebene hat die EU-Kommission ein „Weißbuch für faire Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf ausländische Subventionen“ zur Stellungnahme vorgelegt. Nach September 2020 sind EU-weit geltende Regeln geplant.

Angesichts des unübersehbaren Siegeszugs des Protektionismus stellt sich allerdings die Frage: Führen die Weichenstellungen überhaupt in die richtige Richtung?

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    Zuletzt drehte sich die Debatte vor allem um das Prinzip der Reziprozität: Besteht für Unternehmen eines Landes die Möglichkeit, im jeweils anderen Land gleichermaßen zu investieren? Und kann der Investor auf Unterstützung durch staatliche oder halbstaatliche Institutionen setzen, die ihm einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen?

    Anders formuliert: Gibt es ein „Level Playing Field“, oder gibt es das nicht? Zumindest mit Blick auf China und seine lange Tradition des Kopismus könnte man zum Schluss kommen, dass es Peking in erster Linie um Technologietransfer geht und nicht um faire, wechselseitige Beziehungen zwischen Unternehmen.

    Nüchterne Analyse notwendig

    Mit der Coronakrise hat sich das Problem staatlicher oder halbstaatlicher Unterstützung von Unternehmen nun erheblich verändert und verschärft. Ob in Amerika, Asien oder Europa – überall wird Unternehmen Zugang zu teilweise wettbewerbsverzerrenden staatlichen Subventionen zugestanden. Der milliardenschwere Stabilisierungsfonds in Deutschland ist nur ein Beispiel dafür.

    In einem solchen Umfeld wird die Unterscheidung zwischen der Durchsetzung fairer Wettbewerbsbedingungen und nationaler oder auch EU-weiter Industriepolitik zunehmend unschärfer. Man kann das als unvermeidlich akzeptieren, sich dagegen wehren oder je nach politischer Überzeugung auch begrüßen.

    Gleichzeitig aber verstärkt die Pandemie Warnungen vor einem „Ausverkauf der deutschen Wirtschaft“. In dieser komplizierten Situation erscheint es sinnvoll, nüchtern zu analysieren, um welche ausländischen Investoren es sich überhaupt handelt. Schließlich macht es einen großen Unterschied, ob die Investoren ausschließlich finanzielle Anlageinteressen verfolgen oder ob sie, wie im Fall Kuka, strategischen Einfluss auf Unternehmen ausüben wollen.

    Ein aktuelles Projekt des Center for Entrepreneurial and Financial Studies an der Technischen Universität München erlaubt erste Schlussfolgerungen. Danach ist der Anteil ausländischer Investoren (ab drei Prozent Beteiligungshöhe) an börsennotierten deutschen Unternehmen (CDax) zwischen 2009 und 2018 nur leicht gestiegen – auf insgesamt 29 Prozent.

    Auffällig dabei ist allerdings: Die Struktur der Investitionen hat sich deutlich verändert – Deutschland gerät immer stärker in den Fokus strategischer Investoren – und deren jeweiligen Interessen. Ihr Anteil ist um 64 Prozent gestiegen. Vor allem chinesische Investoren stockten ihre Beteiligungen an hiesigen börsennotierten Unternehmen stark auf; zwischen 2015 und 2018 konnten sie ihn mehr als verdoppeln.

    Gleichzeitig hat sich der Anteil institutioneller Investoren und bestimmter Staatsfonds, die keine strategischen, sondern nur finanzielle Anlageinteressen verfolgen, merklich verringert.

    Zwar bilden institutionelle Investoren aus Nordamerika nach wie vor mit acht Prozent die größte Gruppe ausländischer Anleger mit Beteiligungen über drei Prozent, gefolgt von den Golfstaaten und ihren Herrscherfamilien mit 2,5 Prozent. Der Anteil beider Gruppen hat sich in den vergangenen Jahren aber spürbar reduziert.

    Strategische Investitionen Chinas nehmen zu

    Innerhalb der Investoren hat der geopolitische Hintergrund einen klaren Effekt auf das Muster der Investitionen. Bemerkenswert dabei: Wenn Investoren aus China sich an börsennotierten deutschen Unternehmen beteiligen, dann „kleckern sie nicht, sondern klotzen“ – im sprichwörtlichen Sinne. Im Median beteiligen sie sich mit 47 Prozent.

    Betrachtet man die Daten, treten strukturelle Verschiebungen am deutschen Kapitalmarkt deutlich hervor: Der Anteil finanzieller ausländischer Investitionen, der Deutschland positive Wohlstands- und Arbeitsplatzeffekte bringt, nimmt ab – jener Teil, der genuine strategische Interessen der Investoren wie etwa Technologietransfer verfolgt, steigt.

    Insbesondere nehmen strategische Investitionen Chinas erheblich zu. Zwar sind Kassandrarufe, die vor einem „Ausverkauf der deutschen Wirtschaft“ warnen, überzogen. Der Vorschlag der EU-Kommission aber, alle Investoren aus Ländern, die nicht der EU angehören und hier wesentliche Unternehmensbeteiligungen erwerben, müssten darauf überprüft werden, ob sie vom jeweiligen Staat Subventionen erhalten, wirkt vernünftig.

    Das ist eine richtige Weichenstellung, bei der es allerdings sehr auf das gekonnte Design ankommt: Für die geplanten Überprüfungen sind klare Vorgaben unverzichtbar. Schließlich ist die Europäische Union, wie das „Weißbuch“ hervorhebt, gegenwärtig das weltweit wichtigste Ziel ausländischer Direktinvestitionen. Das sollte auch so bleiben, schon mit Blick auf Millionen Arbeitsplätze.

    Abschottung führt in die Sackgasse. Planungssicherheit ist ein ebenso hohes Gut wirtschaftlichen Handelns wie das Recht, sein Eigentum veräußern zu dürfen. Eine Prüfung muss daher in jedem Fall sicherstellen, dass unbedenkliche Auslandsinvestoren nicht durch ein kompliziertes, zeitaufwendiges Verfahren abgeschreckt werden. Sonst könnte Europas Wirtschaft doch noch aus dem Gleis geraten.

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