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Donald Trump unter Druck

Der US-Präsident wehrt sich gegen das Buch des Enthüllungsjournalisten Bob Woodward.

(Foto: dpa)

Analyse Trump enthüllt seinen Narzissmus, seine Unwissenheit und seine Lügen beinahe täglich selbst

Watergate-Reporter Bob Woodward beschreibt in seinem Buch die Präsidentschaft Trumps am Rande des Nervenzusammenbruchs: Intrigen, Angst und Inkompetenz.
1 Kommentar

Berlin„All the president’s men“. Unter diesem Titel schrieben Bob Woodward und Carl Bernstein 1974 auf, wie sie den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon durch die Watergate-Affäre zu Fall brachten. Der 75-jährige Woodward hat seitdem mehrere Bücher über die US-Präsidenten Ronald Reagan, George W. Bush und Barack Obama geschrieben.

Immer aus großer Nähe, oft mit zahlreichen anonymen Quellen aus dem Weißen Haus und manchmal auch mit direktem Zugang zu den Präsidenten.

Genau diese Arbeitsweise und natürlich der Ruf des „unbestechlichen“ Watergate-Reporters macht Woodwards neuestes Buch „Fear“ über Trumps Tollhaus so gefährlich für den jetzigen US-Präsidenten. Auch diesmal beruft sich der Reporter auf zahlreiche Quellen aus der nächsten Nähe des US-Präsidenten.

Das und die Tatsache, dass in Amerika nach der Sommerpause der Wahlkampf für die hart umkämpften Kongresswahlen am 6. November begonnen hat, erklärt die Panik, mit der Trump und seine Getreuen schon jetzt auf das erst am kommenden Dienstag erscheinende Buch reagiert haben.

Woodward enthüllt darin zwar keine sensationellen Neuigkeiten, er bestätigt aber mit seiner besonderen Autorität viele Befürchtungen, die andere schon geäußert haben und seit langem nicht nur viele Amerikaner beunruhigen. Über eine chaotisch geführte US-Regierung und einen Präsidenten, der seinem Amt in keiner Weise gewachsen erscheint.

Der amerikanische Autor Michael Wolff hatte mit seinem Buch „Fire and Fury“ bereits Anfang des Jahres hinter die Kulissen von Trumps Weißen Haus geschaut und ein „House of Cards“ aus Intrigen, Angst, Inkompetenz und Chaos aufgezeigt.

Trump – „Woodwards Buch ist erfundener Betrug und Irreführung“

Kurz danach entwarf die ehemalige Trump-Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman in ihrem Buch „Unhinged“ das Bild eines soziopathischen Narzissten, der zu rassistischen Äußerungen neigt, Kritiker mit Schweigegeld mundtot zu machen versucht und in einem selbst gebauten Lügengebäude lebt.

Woodward ergänzt diesen Eindruck nun durch hochkarätige Zitate aus Trumps direkter Umgebung. So soll Verteidigungsminister Jim Mattis das Verhalten des Präsidenten während der Auseinandersetzung mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un mit dem eines „Schülers aus der fünften oder sechsten Klasse“ verglichen haben.

Der frühere Wirtschaftsberater Trumps, Gary D. Cohn, soll nach den Recherchen des Reporters ein Dokument aus dem Oval Office entfernt haben, damit Trump nicht das Freihandelsabkommen mit Südkorea aufkündigt.

Woodward zitiert Trumps Stabschef John F. Kelly mit dem Ausdruck „Crazy Town“, um das Chaos im Weißen Haus und den meist schlecht informierten und impulsiv reagierenden Hausherren zu beschreiben. Auch habe Kelly seinen Chef einen „Idioten“ genannt.

Trump hat das Buch bereits per Twitter verdammt und den Verdacht geäußert, Woodward mache Wahlkampf für die oppositionellen Demokraten. Seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders sprach von „erfundenen Geschichten verbitterter Mitarbeiter“, und auch Mattis nannte das Werk „Fiktion“. So leicht wird der US-Präsident sich jedoch nicht aus der Affäre ziehen können.

„Nie habe ich daran gedacht, dass Woodward sich etwas ausgedacht hat“, sagte zum Beispiel Ari Fleischer, der ehemalige Pressesprecher von Präsident George W. Bush. Der Reporter habe immer ehrlich berichtet. Auch Woodward selbst wies die Kritik aus dem Weißen Haus zurück: „Ich stehe zu meinem Buch.“

In den nächsten Tagen dürften noch weitere unangenehme Einzelheiten aus dem Weißen Haus bekannt – und dann natürlich dementiert werden. Verifizieren lässt sich weder das eine noch das andere, zumal Trumps Anwalt Rudy Giuliani inzwischen offen behauptet, dass es immer mehrere Versionen der Wahrheit gebe. Trumps Gegner werden Woodwards Buch als weiteren Beleg ihrer schlimmsten Befürchtungen nehmen, seine treuen Anhänger werden es dagegen als „Fake News“ verdammen.

Für eine Beurteilung des US-Präsidenten nach fast zwei Jahren im Amt hätte es die Enthüllungsbücher nicht unbedingt gebraucht. Seinen Narzissmus, seine Unwissenheit und seine Lügen enthüllt Trump beinahe täglich selbst – durch seine Stammtisch-Tweets und durch seine unberechenbare, widersprüchliche und gefährliche Politik.

„All the president’s men“ – der alte Buchtitel von Woodwards erstem Buch lehnt sich an den Kinderreim über die tollpatschige Märchenfigur Humpty Dumpty an: „All the king‘s horses and all the king‘s men, couldn’t put Humpty together again“, heißt es dort. Das Gleiche gilt für Trumps Tollhaus und seine Präsidentschaft – sein Ansehen ist nicht mehr zu retten.

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1 Kommentar zu "Analyse: Trump enthüllt seinen Narzissmus, seine Unwissenheit und seine Lügen beinahe täglich selbst"

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  • > beschreibt in seinem Buch die Präsidentschaft Trumps am Rande des
    > Nervenzusammenbruchs: Intrigen, Angst und Inkompetenz.

    Wozu braucht es da ein Buch? Das weiss man als normal denkender Mensch auch so. D. Trump wird sich auch nicht mehr ändern. Dafür ist er zu alt und zu sehr in seinem Denken eingefahren.

    Wer jetzt noch an eine Änderung glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    VG