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Analyse Trumps Medikamenten-Deal löst nicht das Corona-Problem der USA

Ein riesiger Vorrat des Medikaments Remdesivir soll die Symptome der Corona-Pandemie in den USA eindämmen. Doch die Zahl der Infektionen steigt rasant an.
01.07.2020 - 17:25 Uhr 1 Kommentar
Der US-Präsident besteht darauf, dass der Anstieg an positiven Fällen auf den besseren Zugang zu Virus-Tests zurückzuführen sei. Quelle: AP
Donald Trump

Der US-Präsident besteht darauf, dass der Anstieg an positiven Fällen auf den besseren Zugang zu Virus-Tests zurückzuführen sei.

(Foto: AP)

Washington Kaleigh McEnany ist bereits die vierte Pressesprecherin von US-Präsident Donald Trump, und wie ihre Vorgänger und Vorgängerinnen verteidigt sie alle Entscheidungen des Weißen Hauses, so umstritten sie auch sein mögen. In der Coronakrise, die die USA besonders hart getroffen hat, beschreibt sie das Land als „einzigartig gerüstet“ – dabei stammen ein Viertel der weltweit gezählten Todesfälle aus den USA.

Das Medikament Remdesivir, das die vielfältigen Symptome der Krankheit lindern soll, reduziere „die Zeit von Patienten im Krankenhaus um ein Drittel“, sagte McEnany am Dienstag. Auch der Preis von rund 3000 US-Dollar pro Dosis beunruhige den Präsidenten nicht. In der Vergangenheit hatte Trump eine Senkung von Pharmapreisen versprochen.

Wenige Stunden nach McEnanys Äußerungen im Weißen Haus gab die US-Regierung bekannt, dass sie im großen Stil Remdesivir einkaufen werde. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Vorrats würden demnach für die USA reserviert. Der Hersteller Gilead Sciences ist ein kalifornisches Unternehmen. Bis September will Gilead mehr als 500.000 Dosen an die USA verkaufen, was fast der gesamten Menge entspricht, die die Firma in den kommenden drei Monaten produzieren kann.

Das Medikament wurde ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt, es hilft Patienten mit mittelschweren Symptomen dabei, sich schneller von Covid-19 zu erholen. Trumps Gesundheitsminister Alex Azar lobte den „tollen Deal“, der sicherstelle, „dass alle US-Amerikaner Zugang“ zu Remdesivir bekommen.

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    Umfragen zufolge sind drei Viertel der US-Amerikaner besorgt über das Virus, Tendenz steigend. Ob die breite Öffentlichkeit nun aufatmen kann, ist allerdings fraglich, denn die Lage in den USA ist weiterhin fragil.

    Mehrere Bundesstaaten mussten erste Lockerungen der Corona-Auflagen zurücknehmen, weil sie fürchten, die Zahl der Neuansteckungen nicht unter Kontrolle zu bekommen. US-Medien listen jeden Morgen den aktuellen Stand der Todesfälle auf: Am Montag waren es 125.803, am Dienstag 126.141, am Mittwoch 127.425 – die Kurve geht steil nach oben. Laut der „New York Times“ stieg die Zahl der positiv Getesteten in den vergangenen zwei Wochen um 80 Prozent.

    Anthony Fauci, Direktor der obersten US-Infektionsbehörde, warnte: „Wir haben jetzt mehr als 40.000 neue Fälle pro Tag. Ich wäre nicht überrascht, wenn wir bis zu 100.000 pro Tag erreichen würden. Ich bin sehr besorgt.“ Bei einer Befragung im US-Senat zeigte er sich zwar optimistisch über die mögliche Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs, es gäbe jedoch „keine Garantie“ dafür. Der Pharmakonzern Pfizer hatte am Mittwoch erklärt, er habe erste Erfolge mit einer Impfstoff-Studie erzielt.

    „Wir sind noch lange nicht aus dem Gröbsten raus"

    Im Umgang mit der Pandemie kämpfen die USA an mehreren Fronten. Ob Schulen und Kindergärten im Herbst flächendeckend öffnen können, ist noch offen. Dazu kommt Kritik an Unternehmen wie American Airlines, die künftig ihre Maschinen wieder voll besetzen wollen, ohne den Mittelsitz freizulassen.

    Auch die Konjunkturaussichten sind belastend. „Wir sind noch lange nicht aus dem Gröbsten raus“, sagte die Chef-Ökonomin des Internationalen Währungsfonds, Gita Gopinath, diese Woche. Der US-Kongress will im Juli ein weiteres Coronavirus-Hilfspaket verabschieden.

    Außerdem kündigte US-Finanzminister Steven Mnuchin neue Konjunkturmaßnahmen an, etwa in Form höherer Arbeitslosenhilfen. Er betonte aber, dass sich die US-Wirtschaft von den Folgen der Pandemie rasch erholen werde. Notenbankchef Jerome Powell warnte hingegen vor den wirtschaftlichen Konsequenzen, sollten Unternehmen langfristig nicht zur Normalität zurückkehren können.

    Die Coronakrise hat in den USA zu Massenarbeitslosigkeit geführt. An diesem Donnerstag wird die US-Regierung neue Job-Zahlen veröffentlichen.

    Präsident Trump besteht darauf, dass der Anstieg an positiven Fällen auf den besseren Zugang zu Virus-Tests zurückzuführen sei. Zudem sieht er das von den Behörden empfohlene Maskentragen nicht als zwingend notwendig an. Zunehmend steht der Präsident mit dieser Haltung allein da.

    Führende Mitglieder seiner Partei beschwören die Menschen, ihr Gesicht zu bedecken, darunter der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell und die mächtigste Republikanerin im Repräsentantenhaus, Liz Cheney.

    Der konservative TV-Sender Fox News stellte sich ebenfalls auf die Seite der Maskenträger. „Ich denke, Masken funktionieren“, sagte der Moderator und Trump-Vertraute Sean Hannity zur Hauptsendezeit.

    Mehr: Gilead liefert in den kommenden Wochen fast ausschließlich an das US-Gesundheitsministerium.

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    1 Kommentar zu "Analyse: Trumps Medikamenten-Deal löst nicht das Corona-Problem der USA"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Abgesehen davon das die oft nicht krankenversicherten Amerikaner sich das eh nicht leisten können, selbst staatliche Subventionen für Pharmakonzerne, fraglos eine günstige Gelegenheit für die Republikaner, werden das Virus nicht interessieren.

      Der verheerende Verlauf in Nordamerika hat wenige, unbequeme Gründe. Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Nur noch eine Minderheit dort scheint über das übliche Allgemeinwissen zu verfügen, oder in der Lag sein dies zu bekommen.

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