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Analyse Trumps Politik hat laut CEPR-Studie kaum Einfluss auf die US-Wirtschaft

Die USA habe die „beste Wirtschaft der Geschichte“, sagt der US-Präsident. Die Lage ist auch gut – doch einer Studie zufolge nicht wegen Trump.
25.07.2018 - 14:10 Uhr Kommentieren
„Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre die Wirtschaft ein Wrack.“ Quelle: AP
US-Präsident Donald Trump

„Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre die Wirtschaft ein Wrack.“

(Foto: AP)

Düsseldorf Donald Trump betont gerne, dass die amerikanische Wirtschaft seit seinem Regierungsantritt im Januar 2017 brummt. „Wir haben vielleicht die beste Wirtschaft der Geschichte“, sagte der US-Präsident im März dieses Jahres bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Ohio. „Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre die Wirtschaft ein Wrack.“

Ohne ihn wäre die Wirtschaft stärker reguliert worden, statt drei Millionen neuer Stellen hätte es sogar einen Jobabbau gegeben und auch das BIP wäre nicht so stark gewachsen, sagte er damals weiter und wiederholte dies auch kürzlich auf Twitter.

Tatsächlich scheinen die Zahlen Trump recht zu geben: Zu Jahresbeginn war die US-Wirtschaft zwar etwas schwächer gewachsen als zunächst gedacht. Viele Ökonomen rechnen aber mit einer Beschleunigung im zweiten Quartal. Der Jobmarkt läuft zudem weiterhin auf Hochtouren. So meldete die US-Regierung in ihrem Arbeitsmarktbericht für Juni 213.000 neue Stellen.

Doch das liegt nicht an der Politik des US-Präsidenten – das besagt zumindest eine Studie des europäischen Forschungsnetzwerks „Centre for Economic Policy Research“ (CEPR). „Es gibt keinen Trump-Effekt“, schreiben die Autoren, vier Wirtschaftswissenschaftler aus Bonn, Tübingen und Oxford. „Der Einfluss von Präsident Trump auf die makroökonomische Performance der US-Wirtschaft war bislang vernachlässigbar.“

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    Die Forscher untersuchten, wie sich die Ökonomie der USA entwickelt hätte, wenn Trump nicht zum Präsidenten gewählt worden wäre. Dazu betrachteten sie zunächst die OECD-Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandprodukts (BIP) sowie des Arbeitsmarktes der USA über einen langen Zeitraum: vom ersten Quartal 1995 bis zum dritten Quartal 2016, als Trump zum Präsidenten gewählt wurde.

    Anschließend berechnete ein Algorithmus einen fiktiven „Doppelgänger“-Staat aus einem großen Datensatz von 30 OECD-Ländern aus demselben Zeitraum. „Per Big Data wird eine Kombination aus anderen Volkswirtschaften gebildet, die sich bis zur Wahl Trumps sehr ähnlich verhält wie die USA“, erklärt Moritz Schularick, einer der Forscher. Das BIP und die Arbeitslosenzahlen dieses Doppelgängers ähneln also den Werten der USA in dem Zeitraum von 1995 bis 2016 stark.

    Großes Gewicht innerhalb des Doppelgängers gab der Algorithmus beispielsweise Kanada, dem Nachbarland der USA, das eine ähnliche Wirtschaftsstruktur aufweist, aber auch Irland, in dem viele große US-Firmen wie Facebook ihren Sitz außerhalb der USA haben, oder Norwegen, das ebenso wie die USA ein großes Öl- und Gasgeschäft hat.

    Die Werte des vom Algorithmus berechneten Doppelgänger-Staat ähneln denen der USA sehr stark – auch nach der Trump-Wahl gibt es zwischen ihnen keinen großen Unterschied. (Bild: CEPR)
    Die USA und der „Doppelgänger“

    Die Werte des vom Algorithmus berechneten Doppelgänger-Staat ähneln denen der USA sehr stark – auch nach der Trump-Wahl gibt es zwischen ihnen keinen großen Unterschied. (Bild: CEPR)

    „Da aber nur in den echten USA Trump zum Präsidenten gewählt wurde, kann man anhand des Doppelgängers untersuchen, wie die Entwicklung ohne Trump gewesen wäre“, sagt Schularick, der an der Universität Bonn Makroökonomik lehrt.

    Das Resultat: Ohne Trump hätte sich die US-Wirtschaft bis jetzt fast genauso entwickelt wie mit ihm. Weder beim BIP noch bei den Arbeitslosenzahlen habe es einen signifikanten Unterschied gegeben. In beiden Bereichen entwickelte sich der Doppelgänger sehr ähnlich zu den USA.

    Seit der Wahl Trumps im Oktober 2016 bis zum ersten Quartal 2018 ist das BIP in den USA um 3,12 Prozent gestiegen, das BIP des Doppelgängers um 2,88 Prozent. Die Zahl der Berufstätigen in Amerika stieg im selben Zeitraum um 1,85 Prozent, beim Doppelgänger um 2,24 Prozent.

    In der Prognose, die ebenfalls von der OECD stammt, schneiden die USA leicht besser ab, doch die Werte bleiben vergleichbar gut: Bis zum vierten Quartal 2019 soll das BIP der USA 7,98 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2016 steigen, das des Doppelgängers um knapp 6,7 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten in den USA soll im selben Zeitraum um 3,83 Prozent steigen, beim Doppelgänger um 3,4 Prozent.

    „Wir sind überzeugt, dass Präsident Trump die ‚größte Wirtschaft aller Zeiten‘ geerbt hat“, schreiben die Wissenschaftler. „Wir stellen jedoch auch fest, dass es bisher keine Hinweise dafür gibt, dass Präsident Trump eine Verschlechterung der makroökonomischen Leistung in den USA verursacht hat.“

    Davon waren bislang viele Ökonomen ausgegangen. So gaben in einer repräsentativen Befragung des Ifo-Instituts und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Jahr nach der Wahl Trumps 64 Prozent der befragten Ökonomen an, Trump habe einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf die US-Wirtschaft. Für die Weltwirtschaft sahen 71 Prozent eine negative Wirkung des US-Präsidenten. Und damals hatte der Handelskrieg der USA gegen den Rest der Welt noch nicht begonnen.

    Dessen Effekt ist auch in der CEPR-Studie noch nicht mit eingeflossen, weist Forscher Moritz Schularick hin: „Die Entwicklung ist noch sehr jung.“

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