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Analyse USA gegen China: Die Zeit für eine Lösung im Handelskonflikt wird knapp

Neue US-Strafzölle gegen China sind in Kraft, die jüngste Verhandlungsrunde endete ohne Ergebnis. Investoren hoffen jetzt auf die kommenden zwei Wochen.
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US-Präsident Donald Trump hat China eine Frist von einem Monat gesetzt, um eine Vereinbarung im Handelsstreit zu treffen. Quelle: dpa
Flaggen der USA und China

US-Präsident Donald Trump hat China eine Frist von einem Monat gesetzt, um eine Vereinbarung im Handelsstreit zu treffen.

(Foto: dpa)

Washington, PekingDie Welt warnt vor einem Scheitern der Handelsgespräche zwischen den USA und China. Es gäbe „keine größere Bedrohung für das Weltwachstum“, die zudem europäische Arbeitsplätze gefährde, sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire am Freitag. Ein „ausgewachsener Handelskrieg“ hätte einen „schwerwiegenden Effekt auf die gesamte Weltwirtschaft“, betonte sein britischer Amtskollege Philip Hammond. Dennoch habe er Hoffnung, dass sich beide Seiten einigen würden.

Für den Moment allerdings gibt es kaum Anlass für solche Hoffnungen. US-Präsident Donald Trump zeigte sich am Ende einer dramatischen Woche entschlossen, den Druck auf China aufrechterhalten zu wollen. In der Nacht zum Freitag ließ er erhöhte US-Sonderzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft treten. Eine weitere Runde, mit der dann sämtliche chinesischen Einfuhren von Zöllen in Höhe von 25 Prozent betroffen sein würden, ist in Vorbereitung. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Trump China eine Frist von einem Monat für eine Vereinbarung gesetzt, um diese weiteren Strafzölle zu verhindern.

Eine chinesische Delegation, geführt von Vizepremier Liu He, reiste am Freitagnachmittag aus Washington ab, ohne dass sich beide Seiten auf das Gerüst eines Handelspakts verständigten. Liu teilte aber der chinesischen Presse mit, dass die Gespräche in Peking weitergehen sollen – ohne jedoch ein konkretes Datum zu nennen.

„Beide Seiten haben in vielen Dingen derzeit ein gegenseitiges Verständnis erreicht“, sagte Liu dem chinesischen Staatsfernsehen nach den Gesprächen. „Aber um ehrlich zu sein gibt es auch weiterhin Unterschiede, von denen wir glauben, dass sie grundsätzlich sind. Und in solchen Grundsatzfragen können wir absolut keine Zugeständnisse machen.“

Auch Trump legte eine Fortsetzung der Verhandlungen nahe. Er schrieb auf Twitter, sie würden „auf sehr angenehme Weise fortgesetzt“. Allerdings betonte er, dass sich die USA nicht in einen Handelsvertrag drängen ließen. „Es besteht absolut keine Notwendigkeit zur Eile“, so der Präsident.

Die USA senden damit das Signal, dass sie auf einen langen Kampf der Wirtschaftsriesen vorbereitet sind, auch wenn der Konflikt schon jetzt den Welthandel drosselt, das Vertrauen der Investoren beeinträchtigt und ganze Lieferketten behindert. Im Weißen Haus trifft man bereits Vorkehrungen, wie man neue Vergeltungszölle aus China, die bisher vor allem auf Agrarprodukte in ländlichen Regionen zielten, abfedern könne. „Wir haben Vorgespräche geführt, um Landwirte zusätzlich zu unterstützen, wenn dieser Stillstand mit China anhält“, sagte Vizepräsident Mike Pence am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Minnesota.

Ähnlich kampfbereit gibt sich China. So hatte die Zentralbank bereits am Montag die Reserveanforderungen für kleine und mittelgroße Banken gesenkt, damit mehr Mittel für die Kreditvergabe an kleine Unternehmen mit Liquiditätsengpässen freigesetzt werden können. Laut Berechnungen des Ökonomen Ma Jun könnten die neuen Strafzölle das chinesische Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozentpunkte drosseln. Er ist aber auch der Ansicht, wie er in einem Kommentar am Freitag schrieb, dass Chinas Aktienmärkte besser vorbereitet seien und die Zentralbank über genug geldpolitische Mittel verfüge, um mit der Volatilitäten bei den Verhandlungen umzugehen.

Rückschläge bei Verhandlungen seien unvermeidlich

Die Industrie, die Aktienmärkte und die Unternehmer hängen jetzt in der Schwebe. Noch scheint nicht alles vergebens, sonst hätten Washington und Peking die Gespräche in den vergangenen Tagen unwiderruflich platzen lassen. Chinas Präsident Xi Jinping und Donald Trump sind zumindest schriftlich in Kontakt, und Finanzminister Steven Mnuchin betonte am Freitag, die Gespräche verliefen „konstruktiv“ – was an der Wall Street zu einer leichten Erholung der Kurse führte. Auch Liu gab sich „vorsichtig optimistisch“ und sagte: „Die Verhandlungen sind nicht gescheitert. Tatsächlich halte ich kleine Rückschläge während der Verhandlungen zwischen zwei Ländern für normal und unvermeidlich“.

Doch scheinen die Fortschritte, die die USA und China im Verlauf des letzten halben Jahres mühsam vereinbarten, um Längen zurückgeworfen. Von Anfang an standen die Chancen auf ein nachhaltiges Handelsabkommen, das nicht nur die Zölle verschwinden lässt, sondern auch den chinesischen Markt unter fairen Bedingungen für ausländische Unternehmen öffnet, schlecht.

Im Verlauf der Woche sickerten Meldungen an die Presse, wonach die chinesische Seite Vereinbarungen aufgekündigt hatten, die als ausgehandelt galten. So berichtete Reuters, dass China seine Verpflichtung, Gesetze ändern zu wollen, die amerikanisch Kernbeschwerden wie Diebstahl von amerikanischem geistigen Eigentum, erzwungenen Technologietransfer und besseren Zugang zum Finanzsektor adressieren, wieder herausgestrichen habe.

Diese Version bestritt Liu in einer Frage und Antwort-Abschrift, die er dem Hong Kong TV Sender Phoenix zur Verfügung stellte. Derzeit würden zwischen den USA und China noch drei Unterschiede bestehen, behauptet er darin. Zum einen wolle Peking, dass Washington alle Zölle im Falle einer Einigung wieder aufhebt. Schließlich hätten sie denn Handelskrieg eingeläutet. Außerdem gibt es unterschiedliche Ansichten über die Höhe der chinesischen Zukäufe von amerikanischen Produkten. Als letzten Punkt führte Liu den Wortlaut des Abkommensentwurfes an. „Jede Nation hat ihre Würde, daher sollte der Text ausgewogen sein“, teilte Liu mit. Auf Gegenvorschläge auf einem Entwurf solle man nicht „überreagieren“.

Investoren hoffen nun auf Bewegung in den kommenden zwei Wochen. So lange dauert es etwa, bis die ersten Schiffsladungen aus China, die den verschärften Zollschranken unterliegen, die US-Häfen erreichen. Denn die neuen Strafzölle greifen noch nicht für Einfuhren, die sich Freitagnacht schon auf dem Weg in die USA befanden.

Bis sich die Konsequenzen auf Firmen und Verbraucher direkt auswirken, gibt es also noch etwas Spielraum. Das gilt allerdings nicht für Importe von zum Beispiel verderblichen Produkten, die auf dem Luftweg transportiert werden.

Chinas Präsident steht unter Druck

Doch wer wird nachgeben im Kampf der Giganten? Trump hat seinen Anhängern versprochen, hartnäckig zu bleiben. Er dürfte sich nicht mit einem schwachen Abkommen, das China kaum Zugeständnisse abtrotzt, zufriedengeben. Rückenwind für seinen harten Kurs gegenüber China bekommt er aus allen politischen Lagern, auch von Demokraten. China wird in Washington zunehmend als Feind in der Wirtschafts-, Sicherheits- und Geopolitik betrachtet. Chinas Präsident Xi steht ebenfalls unter Druck, seine Standpunkte und den Kern chinesischer Wirtschaftspolitik gegen Forderungen aus Washington verteidigen zu wollen.

Besonders im Bereich des Technologietransfers sind die Fronten verhärtet. Washington wirft China vor, dass es ausländische Unternehmen vor dem Marktzugang dazu zwingt, Wissen und Innovationen preiszugeben. Ein weiterer großer Knackpunkt sind chinesische Subventionen und Steuervergünstigungen für staatseigene Unternehmen, ob im produzierenden Gewerbe oder in der High-Tech-Branche. Chinesische Firmen haben dadurch nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern fördern auch eine Überproduktion, was zu Dumping-Preisen auf dem Weltmarkt führt.

Kurzfristig dürfte Trump mit den neuen Strafzöllen erreichen wollen, dass sich China zentralen Forderungen der USA doch noch beugt. Allerdings sind Zölle ein Druckmittel mit Schattenseiten, sie schaden nicht nur der globalen und der chinesischen Wirtschaft, sondern auch der amerikanischen. „Zölle auf Einfuhren aus China sind nichts anderes als höhere Steuern“, schrieb der Handelsexperte Daniel J. Ikenson von der libertären Denkfabrik Cato.

US-Konsumenten dürften Auswirkungen der Zölle spüren

Sollte Trump tatsächlich sämtliche Importe aus China mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent belegen, entspräche das einer Mehrbelastung für amerikanische Firmen und Verbraucher von 135 Milliarden Dollar. „Das heißt, pro Kopf zahlt jede Person in den USA 400 US-Dollar jährlich drauf. Das ist viel.“

Schon jetzt haben die Handelsbarrieren, die Trump im Amt hochgezogen hat, vielerorts die Produktionskosten erhöht, vor allem in der Verarbeitung von Rohmaterialien. Von den neuen Strafzöllen sind sehr viele Alltagsprodukte wie Fahrräder, Kleidung, Unterhaltungselektronik oder Möbel betroffen. Es ist also wahrscheinlich, dass die Konsumenten die Strafzölle in Form von höheren Preisen zu spüren bekommen, sollten Washington und Peking nicht rechtzeitig handeln.

Die US-Handelskammer, eine mächtige Lobby-Organisation der US-Unternehmen, rief das Weiße Haus zum schnellen Handeln auf. Sie forderte eine „umfassende, durchsetzbare Vereinbarung mit hohen Standards“ und ein Ende der Strafzölle. „Die Ausweitung der Handelsspannungen und eine Eskalation der Zollpolitik liegen in niemandes Interesse.“

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2 Kommentare zu "Analyse: USA gegen China: Die Zeit für eine Lösung im Handelskonflikt wird knapp"

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  • Nachtrag:

    Dass Zölle für Endverbraucher wie indirekte Steuern wirken, weiß jedes Kind. Dazu braucht es keiner opportunistischen Lobby-Organisation, die den Konflikt schnellstmöglich zu Lasten der Zukunft Dritter einfach Weg haben möchte.

    Trump kann entscheiden was er mit den Einnahmen macht:
    1. Transferabgaben erhöhen
    2. Direkte oder indirekte Steuern senken oder
    3. Einfach mal die Staatsverschuldung erhöhen, davon haben die USA ja zu viel.

    Es wird am Ende des Tages drauf ankommen, dass Endverbraucher & Unternehmen ihr Verhalten ändern. Das Trump hier Erfolg hat, kann man im Artikel https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/handelskonflikt-mit-den-usa-deutschlands-us-offensive-dax-konzerne-fahren-investitionen-in-nordamerika-hoch/24334320.html?ticket=ST-1696076-U4RabeU5QpPbGqAKEvhg-ap2 nachlesen.

  • Der Westen hat jahrzehntelang alles mit sich machen lassen. Als Unternehmensberater sind mir früh Fälle bekannt geworden wo deutsche Unternehmen für vage Umsatzaussichten ihr Know-how verraten haben. China ist kein Entwicklungsland mehr und sollte einfach mal erwachsen werden.

    Es ist nicht o.k., wenn sie hier Unternehmen teilweise mit Unterstützung des Staates aufkaufen und unsere Unternehmen das nicht dürfen.

    Die Zölle für Waren aus China sollten höchstens so hoch sein, dass der Handel nicht stark beeinträchtigt wird. Die Zölle sollten aber mindestens so hoch sein, dass der Abfluss von Arbeitsplätzen nach China abgebremst wird. Hier hat die EU gepennt.

    D ist nicht stark getroffen, denn wir haben unserseits mit dem Tool Billig-Euro Arbeitsplätze aus der Süd-EU abgesaugt. Aber was hilft es uns, wenn die Arbeitslosigkeit in den Südstaaten steigt und chinesische Läden, mit ausschließlich chinesischen Mitarbeitern chinesische Billigkleidung an die Südstaatler verkaufen, weil sie sich nichts anderer mehr leisten können. Ein Leben welches ausschließlich auf Transferleistungen von Staaten basiert, die sich ihrerseits künftig bei der chinesischen Notenbank verschulden müssen, kann doch wirklich nicht unsere Zukunft sein.

    Trump ist der erste der den Mut hat dagegen aufzubegehren. Die EU hat nicht die Eier dazu und hilft keinem Unternehmen. Viele hassen Trump und machen sich lustig. "Dealmaker ohne Deal" stand heute überheblich im Briefing. Aber sind diejenigen die Angst vor jedem Konflikt haben wirklich die besseren Politiker oder nur die beliebteren Politiker? Wir werden sehen was rauskommt.