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Analyse von Gabor Steingart Die Trump-Revolution marschiert

Amerika erlebt einen politischen Hurrikan, dessen Zentrum sich zwischen State Department, Weißem Haus und Capitol Hill in ständiger Bewegung befindet und dessen Thermodynamik wir in Europa bald zu spüren bekommen. Es geht um Fragen zu Krieg und Frieden, auch wenn sie sich derzeit hinter einer Nebelwand von persönlichen Anschuldigungen zu verbergen scheinen.
15 Kommentare
Der US-Präsident sabotiert seinen Außenminister Rex Tillerson. Quelle: dpa
Donald Trump

Der US-Präsident sabotiert seinen Außenminister Rex Tillerson.

(Foto: dpa)

Kaum hat Außenminister Rex Tillerson seinen Präsidenten in vertrauter Runde einen „Deppen“ genannt, meldet sich via Twitter der dem Außenminister eng verbundene Senator Bob Corker zu Wort, seines Zeichens oberster Republikaner im Auswärtigen Ausschuss des Senats. Es sei eine Schande, dass sich das Weiße Haus zu einem „adult day care center“, einer Seniorentagesstätte, entwickelt habe.

Im Interview mit der „New York Times“ begründet der Mann seine harschen Worte so: „Ich weiß aus gesicherter Quelle, dass die Mitarbeiter im Weißen Haus an jedem einzelnen Tag alles geben, ihn einzudämmen.“ Ihn – den Präsidenten. Eindämmen – damit waren einst die Russen gemeint. Mit seinen unbeherrschten verbalen Angriffen auf andere Länder riskiere Trump, dass sich die Nation „auf den Weg in Richtung eines Dritten Weltkriegs begebe“.

Zum Hintergrund: Seit Wochen versucht Tillerson hinter den Kulissen eine diplomatische Offensive gegen Nordkorea zu starten, um den amerikanischen Erstschlag zu verhindern. Er kennt die euphorische Gereiztheit seines Chefs, der zum Gegenspieler geworden ist. In unzähligen Einzelgesprächen fordert, fast muss man sagen fleht, Tillerson die Staaten – auch die Bundesregierung – an, jegliche Geschäftsbeziehungen zu Nordkorea zu unterbrechen und die nordkoreanischen Botschafter nach Hause zu schicken. Trump aber sabotiert seinen eigenen Minister: „Spar dir deine Energie Rex, wir werden tun, was getan werden muss“, twitterte er vor einer Woche. Am Samstag legte er nach: „Sorry, but only one thing will work.“ Bei einem Treffen mit Militärs sprach er von der „Ruhe vor dem Sturm“. Auf Reporternachfragen verweigerte das Weiße Haus jede Erläuterung.

Hinzu kommt: Stephen Bannon, der rechte Trommler von Donald Trump, hat zwar das Weiße Haus verlassen, aber nicht das politische Theater. Er arbeitet jetzt hinter den Kulissen. „Darkness is good“, sagt er. Zusammen mit Geldgebern wie Hedge-Fonds-Milliardär Robert Mercer sucht er politische Außenseiter vom militärischen rechten Rand, die bereit sind, gegen das republikanische Establishment für den Senat zu kandidieren.

Derart ermuntert erwägt der Gründer der privaten Söldnerarmee Blackwater, Erik Prince, dessen Truppen im Irak und anderswo in Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren, eine Kampfkandidatur. Wer sehen will, der sieht: Trump stolpert zwar durch unsere Zeitungen, aber die Trump-Revolution innerhalb der großen konservativen Regierungspartei der USA stolpert nicht. Sie marschiert.

Und Deutschland? Wirkt angesichts des heraufziehenden Sturms wie narkotisiert mit jenem Betäubungsmittel, das sich Parteipolitik nennt. Es geht im Berlin der Koalitionsspiele nicht um Krieg oder Frieden, sondern um eine Obergrenze ohne Grenze, um Richtwerte, die nichts richten und daher auch keine Wertigkeit besitzen. Die deutsche Debatte spiegelt nicht die Wirklichkeit, sondern die parteipolitischen Interessen wider. Eine Obergrenze für Weltabgewandtheit scheint es nicht zu geben.

Der amerikanische Sturmvogel, der vom heraufziehenden Unheil kündet, bleibt so unbemerkt. In Sachen Trump gibt es jede Menge Polemik, aber keine ernst zu nehmende Politik. Aus Gründen der Bequemlichkeit hat man sich entschlossen, ihn zu unterschätzen. Wir haben Sorgen. Aber er hat einen Plan. Wir wollen Ruhe, er den Sieg. Im Geschichtsbuch möchte er als der Mann auftauchen, der Amerikas Abstieg verhindert hat. Dafür braucht er die Hände der Footballspieler am Herzen und die der gewöhnlichen Amerikaner am Gewehr. All die Sorgen um die Brutalisierung der Gesellschaft bekümmern ihn nicht, sondern putschen ihn auf.

Sebastian Haffner beschreibt in seiner „Geschichte eines Deutschen“ die Atmosphäre der Vorkriegsjahre, die in ihrer vorsätzlichen Ahnungslosigkeit an die Gegenwart erinnert: „Alle waren rettungslos eingespannt in ihren Beruf und ihren Tagesplan, abhängig von tausend Unübersehbarkeiten, Glieder eines unkontrollierbaren Mechanismus, auf Schienen laufend gleichsam und hilflos. [...] Wir bewegten uns mit einer Sorglosigkeit, mit der die Menschen in einem modernen, käfiglosen Zoo zwischen den Raubtieren herumgehen, im Vertrauen darauf, dass die Gräben und Hecken alle richtig berechnet sind. [...] Nur in der täglichen Routine ist Sicherheit und Weiterbestehen – gleich daneben fängt der Dschungel an.“

Dieser Kommentar ist im Morning Briefing erschienen. Börsentäglich lesen Sie dort die wichtigsten Neuigkeiten am frühen Morgen mit Ausblick auf den aktuellen Tag – verfasst von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart.

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15 Kommentare zu "Analyse von Gabor Steingart: Die Trump-Revolution marschiert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die "Trump Revolution" besteht bislang darin, dass ein US Präsident sich zusammen mit einem erheblichen Teil der US Bevölkerung um die Qualitätsmedien foutiert*.

    Sachlich hat Trump bislang in erster Linie den Schaden aufgeräumt den ihm sein Vorgänger hinterlassen hat, Blockaden zu Pipelines, Erlasse zum Klimaschwindel**, Erlasse und Vorschriften die vordergründig dem Umweltschutz dienen sollten, aber mit der Intention Klimaschwindel oder der Förderung umweltschädlicher Ökoenergie erlassen wurden.

    Die Trump`schen Kernversprechen, Steuerreformen, Investitionen in Infrastruktur, Krankenversicherungsreform und die Mauer gegen Mexico ist Trump mangels Unterstützung im Kongress bislang schuldig geblieben. Sprich eine reale Revolution steht aus.

    *In der Schweiz wird der Begriff Fouti/Futi/Füdli für das Körperteil gebraucht auf dem der Mensch sitzt.
    **Im Kongress (US Parlament) gab es nie eine Mehrheit zu Gesetzen zugunsten dieser ökoreligiösen Weltuntergangssaga. Deshalb hat Obama präsidiale Verordnungen um den Gesetzgeber herum erlassen.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Herr Peter Kastner10.10.2017, 18:13 Uhr
    EKLAT VOR NIEDERSACHSEN-WAHL :

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    Richtig, weil wieder CDU & SPD weiterhin die peitsche nach unten prozentual bekommen !!!

    Martin Schulz tretet nicht zurück und SPD sinkt unter die 15 % damit Martin Schulz endlich erkennt dass die Wähler noch die Nase voll haben von Ihm in Brüssel und das gleiche in Deutschland nicht wiederholt sehen wollen !!!

    SPD mit Martin Schulz ADE !!!



  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • EKLAT VOR NIEDERSACHSEN-WAHL :
    Polizeipräsident Binias wirft aus Ärger über CDU hin. Das ist ein Paukenschlag.

  • "Es geht im Berlin der Koalitionsspiele nicht um Krieg oder Frieden, sondern um eine Obergrenze ohne Grenze, um Richtwerte, die nichts richten und daher auch keine Wertigkeit besitzen."
    Volltreffer! Herr Steingart.
    Und weiter "Eine Obergrenze für Weltabgewandtheit scheint es nicht zu geben."
    Wo muß ich unterschreiben ?
    Wieder mal ein echter Gabor Steingart. Danke, auch wenn der Anlass hüben wie drüben Grund zur Sorge gibt. Wer Dinge sehen will, sieht auch (wie Steingart), was Sebastian Haffner gesehen hat.

  • Frau Edelgard Kah10.10.2017, 15:16 Uhr
    Sehr geehrter Herr Steingart,

    wir reden über Glaubenssätze. Reden darüber, ob man mit Handelsbeschränkungen einen Diktator zur Räson bringen kann, der nach Auffassung seines chinesischen Verbündeten auf keinen Fall gestürzt werden darf.

    Wir reden darüber, dass Kims Unterhaltung einer 1,2 Millionen-Armee vielleicht nur die Götter milde stimmen soll. Dass der Todesstreifen an der Grenze zur Südkorea und die Unterbindung jeglicher Kontakte zu den südkoreanischen Verwandten nur Streitigkeiten vermeiden soll.

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    Sehr geehrte Frau Edelgard Kah,

    wenn man Ihre Art und Weise des Schreibens genauer analysiert dann kommt man zum verdacht dass Sie auf der Gehaltsliste von KIM und sein Nordkorea stehen ?

    Sie wollen KIM und Nordkorea als die stärkste hinstellen ?

    Ich aber sage Ihnen dass nur 4 Stunden dem USA genügen um gesamtes Nordkorea von der WELTLANDKARTE auszuradieren !!!

    Und das alleine bringt Weltweit viele neue Arbeitsplätzen da Weltweit dann Neue Weltkarten gedruckt werden müssten ! :-)))

    Denken Sie Westlicher dann stehen Sie besser !!!


  • Fakt ist, dass Trump an keiner friedlichen Lösung interessiert ist. Fakt ist auch, dass die USA Atomwaffen besitzen, sie eingesetzt haben und schon einmal in Korea einmarschiert sind.

    Meiner Meinung nach müsste trotzdem mit aller Macht versucht werden, Nordkorea von diesen Waffen fern zu halten, auch wenn ein Herr Narrog hier im Forum geschrieben hat, dass diese Waffen sehr ungefährlich sind ....

  • ANALYSE VON GABOR STEINGART
    Die Trump-Revolution marschiert
    von:
    Gabor Steingart
    Datum:
    10.10.2017 13:16 Uhr

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    Wenn aber nur " SPRÜCHE STATT TATEN " des US-Presidenten TRUMP marschieren dann ist die USA und Herr Trump lediglich beim kopieren dabei von der Versagende EUROPÄISCHER UNION !!!


  • Sehr geehrter Herr Steingart,

    wir reden über Glaubenssätze. Reden darüber, ob man mit Handelsbeschränkungen einen Diktator zur Räson bringen kann, der nach Auffassung seines chinesischen Verbündeten auf keinen Fall gestürzt werden darf.

    Wir reden darüber, dass Kims Unterhaltung einer 1,2 Millionen-Armee vielleicht nur die Götter milde stimmen soll. Dass der Todesstreifen an der Grenze zur Südkorea und die Unterbindung jeglicher Kontakte zu den südkoreanischen Verwandten nur Streitigkeiten vermeiden soll.

    Wir reden auch darüber, dass die Entwicklung ballistischer Raketen und atomarer Sprengköpfe wahrscheinlich ausschließlich der Erhaltung des Friedens dienen sollen. Und wir sind uns sicher, dass die permanenten Drohungen, Südkorea und amerikanische Städte zu vernichten, reine Freundschaftsbezeugungen sind.

    Nein, Kim strebt ganz bestimmt nicht die Wiedervereinigung mit Südkorea und die Herrschaft über die gesamte koreanische Halbinsel an. Seine riesige Armee, seine ballistischen Raketen und seine Atomsprengköpfe sind Friedenstauben. Ganz sicher nicht dazu gedacht, die Nachbarn einzuschüchtern und eine Hegemonie in Südostasien anzustreben.

    Das alles, verehrter Herr Steingart, liegt auf der Hand. Nur der Depp Trump weiß es eben nicht.

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