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Analyse Warum Chinas Wirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel steht

Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie lange nicht mehr. Doch die großen Einschläge durch den Handelsstreit stehen noch aus. Eine Analyse von Chinas Wirtschaftsdaten.
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Noch sind die chinesischen Exportzahlen stabil, doch die Belastungen durch den Handelskrieg stehen noch aus. Quelle: AFP
China stemmt sich gegen das langsame Wachstum

Noch sind die chinesischen Exportzahlen stabil, doch die Belastungen durch den Handelskrieg stehen noch aus.

(Foto: AFP)

PekingChinas Wachstum ist im dritten Quartal deutlich zurückgegangen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit Ausbruch der globalen Finanzkrise nicht mehr. In Zukunft könnte der Rückgang noch stärker werden – der Handelsstreit hat sich bislang in den reinen Exportzahlen noch nicht so stark niedergeschlagen. Doch etwa die Autoindustrie spürt die Auswirkungen schon deutlich. Doch der Wachstumsrückgang hat diverse Ursachen. Die Wirtschaftsdaten in der Analyse.

Was sind die neusten Zahlen zum chinesischen Wirtschaftswachstum?

Im dritten Quartal 2018 wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt um 6,5 Prozent. Schon im Frühjahr war Pekings Prognose für das gesamte Jahr vorsichtig und hatte das Wachstum genau bei diesem Wert erwartet. Da dieser Wert in den ersten beiden Quartalen mit 6,8 und 6,7 Prozent übertroffen wurde, sollte China insgesamt sein anvisiertes Ziel erreichen. Doch das ist kein Grund für ausgelassenen Jubel. Das Wachstum des Landes ist damit auf den niedrigsten Stand seit 2009.

Welche Entwicklungen blieben unter den Erwartungen? Welche Branchen sind stabil?

In den letzten drei Monaten wuchs die industrielle Produktion um 5,8 Prozent und die Anlageinvestitionen um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beide blieben damit hinter den Erwartungen zurück.

Der Einzelhandelsumsatz übertraf mit einem Anstieg von 9,2 Prozent die Voraussagen der Analysten, ging aber dennoch im Vergleich zum 10,4-prozentigen Wachstums des Vorjahres zurück. Der diesjährige Einbruch an den chinesischen Aktienmärkten, so Ökonomen, belastet auch die Verbraucher. Der Autoabsatz fiel im September zum dritten Mal in Folge, so dass es in China zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten zu einem Rückgang der Pkw-Verkäufe kommen könnte.

Was sind die Ursachen für die Verlangsamung?

Analysten wie etwa der Wirtschaftsprofessor der Pekinger Volksuniversität Liu Yuanchun sehen darin aber kein großes Problem – im Gegenteil: Liu ist davon überzeugt, dass vor allem der Abbau von Schulden und Finanzrisiken zur Verlangsamung der Wirtschaft beigetragen hat.

„Die traditionellen Wachstumstreiber verlieren an Gewicht. China orientiert sich um – vom herstellenden zum Service-Gewerbe, von Export zu Import, von Wachstum mit hoher Geschwindigkeit zu einem von hoher Qualität“, sagt Liu.

Der Ökonom Kota Hirayama meint, dass Peking seit diesem Sommer versucht, die negativen Auswirkungen des Schuldenabbaus abzuschwächen. Für Gesamtwirtschaft seien die positiven Auswirkungen jedoch noch nicht spürbar.

Was hat der Handelskrieg damit zu tun?

Der Sprecher des chinesischen Statistikamtes Mao Shengyong gab zu, „dass die externen Herausforderungen deutlich zugenommen haben“. Gemeint damit ist unter anderem der Handelsstreit zwischen den USA und China.

Washington hat dieses Jahr Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 250 Milliarden Dollar erlassen. China, das 2017 nur insgesamt US-Ware im Wert von 130 Milliarden Dollar importierte, erhob im Gegenzug weitere Einfuhrabgaben auf amerikanische Produkte im Gesamtwert von 110 Milliarden Dollar.

Tatsächlich blieb der Außenhandel auch im dritten Quartal stark. Wie in den sechs Monaten vorher wuchs der Wert der exportierten Güter um 6,5 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass Exporteure den Strafzöllen der USA zuvorkommen wollten. Liu jedoch weist darauf hin, dass die ersten Strafzölle schon im Juli in Kraft traten, die Exportzahlen jedoch auch danach robust blieben.

Wie auch andere befragte Ökonomen geht er davon aus, dass sich die Auswirkungen des Handelskonflikts erst frühestens im nächsten Quartal oder 2019 in den Exportzahlen bemerkbar machen werden. So zeigen Erhebungen, dass die Aufträge für chinesische Fabriken gerade nachgeben.

Wie sehen die Folgen für China aus?

Um das Wachstumsniveau zu stabilisieren, hat China zuletzt die Geld- und Haushaltspolitik gelockert und die Reserveanforderungen für Großbanken um einen Prozentpunkt auf 14,5 und für kleinere Anstalten auf 12,5 Prozent gesenkt, um wieder mehr Liquidität in die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Ökonomen gehen davon aus, dass Peking auch wieder die Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte erhöhen und womöglich die Körperschaftssteuersätze senken wird. Dadurch könnten jedoch die Bemühungen der vergangenen zwei Jahre, Risiken im Finanzsystem zu bekämpfen, wieder ins Stocken geraten. Erst diese Woche versicherte Chinas Premierminister Li Keqiang, dass die Wirtschaft zwar einem erhöhten Abwärtsdruck ausgesetzt sei, man aber Maßnahmen ergreifen werde, um das Wachstum auch während des Handelskrieges zu stabilisieren.

Was sind die Wechselwirkungen zwischen Währung und Wachstum?

Der Ökonom Ho Woei Chen von der United Overseas Bank geht davon aus, dass die Exportzahlen in diesem Quartal auch deshalb besser als erwartet waren, weil Chinas schwächelnde Währung dabei half, die Ware billig zu halten. Jedoch sind der starke Einbruch der chinesischen Aktienmärkte sowie der anhaltende Druck auf den Renminbi eine Herausforderung für die Regierung, die Wirtschaft auf einem stabilen Niveau zu halten.

Wie sieht der Ausblick aus?

Für das nächste Jahr rechnen viele Analysten mit einer weiteren Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft. Ho geht davon aus, dass China im vierten Quartal um 6,4 Prozent wachsen wird. Nie Wen, der als Analyst bei Huabao Trust arbeitet, ist weniger optimistisch und rechnet für 2019 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 6,0 bis 6,2 Prozent.

Bevor der Handelsstreit im kommenden Jahr jedoch weiter eskaliert, könnte es zum Jahresende womöglich zu einer Lösung im Streit mit den USA kommen. Derzeit liegen die Gespräche zwischen beiden Seiten zwar auf Eis, doch US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping werden sich auf dem Gipfel führender Wirtschaftsnationen (G20) am 30. November und 1. Dezember in Buenos Aires in Argentinien treffen.

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1 Kommentar zu "Analyse: Warum Chinas Wirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel steht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein sehr guter Beitrag. Das Übel, warum die geschilderten Beiträge so als Horrorszenen empfunden werden,liegt doch schon in der Schule. Die ökonomische Bildung bleibt doch zu 99 % auf der Strecke. Und das eine Prozent ist nur einigen engagierten Lehrern zu verdanken.
    Siegfried Dölling, Berlin