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Analyse Wer gegen wen? Der Tanker-Krieg droht außer Kontrolle zu geraten

Der Iran hat angeblich versucht, einen britischen Tanker zu entführen. Es wäre nicht der erste Vorfall dieser Art. Aber steckt Teheran überhaupt dahinter?
2 Kommentare
Iran und USA: Der Tanker-Krieg droht außer Kontrolle zu geraten Quelle: AFP
HMS Montrose

Das Schiff der britischen Marine hatte sich zwischen einen britischen Öltanker und iranische Revolutionsgarden gestellt.

(Foto: AFP)

Berlin Nach Anschlägen auf sechs Tanker im Mai und Juni sowie dem Stoppen eines iranischen Schiffs bei Gibraltar hat Teheran jetzt womöglich versucht, einen britischen Öltanker zu kapern. Der neue Vorfall soll sich in der Straße von Hormus abgespielt haben, einer Meerenge im Süden des Persischen Golfs.

Die US-Fernsehsender CNN und Fox meldeten unter Berufung auf Washingtoner Regierungsquellen, dass fünf bewaffnete Boote der Revolutionsgarden am Mittwoch auf den britischen Tanker zugerast seien und diesen aufgefordert hätten, in Richtung Iran beizudrehen und es derart zu entführen. Das britische Marineboot „HMS Montrose“ habe sich zwischen dem iranischen Schiff und dem Öltanker „British Heritage“ positioniert und über Funk verbale Warnungen abgegeben. Die iranischen Schiffe seien daraufhin weggefahren. So meldet es die britische Regierung.

Irans Regierung sowie ein Sprecher der militärischen Revolutionsgarden des Landes widersprechen heftig: Es habe „in den letzten 24 Stunden keinerlei Vorkommnisse in der Straße von Hormus gegeben“. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wirft den USA und Großbritannien vor, mit den Vorwürfen die Spannungen am Golf neuerlich anzuheizen.

Bereits im Mai und Juni waren sechs Tanker in der Region angegriffen worden, zwei davon gerieten in Brand. Die USA und Saudi-Arabien werfen Iran vor, hinter diesen Anschlägen zu stehen. Die Führung in Teheran bestreitet das und bezeichnet die Angriffe als „verdächtig“.

Tatsächlich mehren sich inzwischen Zweifel an Washingtons Vorwürfen: So betonen die Vereinigten Arabischen Emirate, dass hinter den Anschlägen „ein staatlicher Akteur“ stehe, nennen den Iran aber nicht namentlich.

Und der norwegische Tanker „Andrea Victory“, an dem Unterwasserminen angebracht worden waren, ist offenbar wieder auf dem Weg in den iranischen Hafen Port Imam Khomeini. Die norwegische Reederei würde den Tanker aber wohl kaum wieder in iranische Dienste stellen, wenn sie weiterhin die iranischen Revolutionsgarden als Angreifer verdächtigen würden.

Die Lage am Golf eskaliert

Die USA wollen mit Sanktionen verhindern, dass der Iran Öl exportiert. Der Iran wehrt sich dagegen, indem er mit einer Blockade der Straße von Hormus droht. Durch diese Meerenge, die teilweise in iranischen Hoheitsgewässern liegt, wird nicht nur iranisches Öl verschifft, sondern ein Fünftel des weltweit geförderten Rohöls. Auch die USA haben also ein Interesse daran, dass das Gebiet passierbar bleibt.

Hintergrund der jüngsten Eskalation um die „British Heritage“ ist das Festsetzen des Tankers „Grace 1“ vor Gibraltar. Der unter der Flagge Panamas laufende iranische Supertanker mit einer Kapazität von zwei Millionen Barrel Öl soll das Embargo gegen Syrien unterlaufen haben.

Nachdem Ägypten die Fahrt durch den Suezkanal für iranische Tanker mit Ziel Syrien gesperrt hat, musste die „Grace 1“ statt der 3500 Seemeilen durch das Rote Meer die 12.000 Seemeilen lange Route rund um die Südspitze Afrikas nehmen – und wurde dann von den Briten vor Gibraltar gestoppt. Seit 2011 besteht seitens der EU ein Ölembargo gegen den syrischen Diktator Bashar al-Assad.

Die meisten syrischen Ölquellen liegen in von Rebellen kontrollierten Regionen. Assads Regime kontrolliert mit 24.000 Barrel nicht einmal ein Viertel der Tagesproduktion von syrischem Rohöl. Deshalb ist es massiv auf iranische Öllieferungen angewiesen.

Der Iran wiederum braucht die Einnahmen aus Öl- und Ölproduktlieferungen an Syrien, auch wenn die Zahlungen aufgrund der Kriegshandlungen in dem Land oft ausfallen. Wegen der US-Sanktionen verzeichnet Teheran drastisch sinkende Öleinnahmen. Nur noch China, die Türkei und Indien kaufen iranisches Öl in größeren Mengen, und auch diese sinken immer weiter.

Im Atomabkommen hatten die westlichen Staaten dem Iran zugesagt, weiterhin Öl zu kaufen. Darauf beruft sich Teheran. Die USA waren aber im Mai 2018 aus dem Abkommen ausgestiegen.

USA suchen Koalition

Die USA versuchen derzeit eine internationale Koalition zu formieren, die die Straße von Hormus sowie die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Jemen und Afrika schützen soll. Marineboote verschiedener Staaten sollen dort künftig Handelsschiffe eskortieren, kündigte der US-Generalstabschef Joseph Dunford am Mittwoch an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt sich eine deutsche Beteiligung an einem derartigen Bündnis am Mittwoch offen. Merkel sagte: „Die Diskussionen laufen, und an denen wird Deutschland sich natürlich auch beteiligen. Aber ich kann dazu im Augenblick nichts sagen, weil das noch nicht abgeschlossen ist.“

Mehr: Neuer Zwischenfall im Golf – Iranische Kräfte wollten angeblich britischen Öltanker kapern.

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2 Kommentare zu "Analyse: Wer gegen wen? Der Tanker-Krieg droht außer Kontrolle zu geraten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich wusste nicht, dass der Sender Gleiwitz jetzt, nach ziemlich genau 90 Jahren, im persischen Golf liegt. Man lernt halt immer dazu.

  • Die Frage ist doch: kann ein Land wie die USA allen anderen Ländern ihren Willen aufzwingen? Können Verträge, die rechtsverbindlich abgeschlossen wurden, einfach einseitig gekündigt werden? Wieso sollte die EU z.B. einen Handelsvertrag mit den USA aushandeln, wenn dieser evtl. nach kurzer Zeit wieder gekündigt wird?

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